MuMo – Puh…!

Sehr sehr spät bin ich dran und was habe ich mich für euch fertig gemacht heute: Ich habe den Scanner dazu bekommen, mit meinem Rechner zu sprechen – manche meiner Bücher und Hefte passen ja rein und ertragen die Quetscherei anstandslos. Aber dann: obwohl die Einstellungen unverändert für jede Seite waren, kam jede völlig anders heraus: viel zu groß, viel zu klein. Und ich habe es spät bemerkt. Als nämlich das erste PDF gespeichert war. Also alles noch einmal von vorne …

Nun bin ich so muffig, dass ich gar nicht viele Worte verlieren mag, das aber unbedingt tun sollte: ich habe überlegt, ob ich die erste Seite im Heft belasse oder sie lösche. Denn das Heft stammt aus der Zeit zwischen 1938 und 1942 – so würde ich schätzen. Und folgerichtig nicht ganz frei von Nazischreibe. Es ist nicht viel, aber unschön. Auf der anderen Seite ist es eben auch ein Zeitdokument, das uns zeigt: so war das damals. Nicht einmal an Putz und Schmuck, an Schnitten und Ideen durfte die deutsche Frau sich ergötzen, ohne vorher darüber belehrt zu werden, welch unermessliches Glück sie hat, im Reich zu leben – und sich von deutschen Männern beispielsweise über die Unart der Engländer belehren zu lassen. Im Vergleich stellen wir uns mal vor, wie es wäre, die Burda aufzuschlagen und mit einem Grußwort von Frau Merkel erfreut zu werden. Und wenn man den hanebüchenen Unsinn liest, dann freuen wir uns einmal mehr, dass wir heute die schöne Mode der Zeit ohne die Zeit selbst zur Verfügung haben.

Modenschau

In dem Heft sind wenigstens fünf Modelle, die ich gerne umsetzen möchte – sobald ich mich wieder an den Schnitttisch wage 😉

I am tired right now: this PDF took a lot of my time today. Scanners are evil. Very evil. But I need to say a few words about today’s download. It is a German fashion/pattern magazine from 1938-1942 or so I would guess. And it starts with an article which is clearly not only nationalistic and anti-english but of course pure Nazi propaganda. I thought about leaving it out of the PDF but than I decided to keep it in – that’s how it was: you couldn’t enjoy a magazine without being brainwashed and reminded how lucky you were to be German. Just imagine opening your favourite knitting or sewing magazine and being greeted with an article telling you how proud you should be because your good fate made you an American, an Aussie, a Frenchwoman or a Chinese – or whatever you are …

Klick auf das Bild führt zum Download – ihr kennt das schon.

As always: click on the picture to download the file.



11 thoughts on “MuMo – Puh…!”

  • Der Text vornewg ist schon harter Tobak ! Übrigens haben mich genau solche ambivalenten Zweifel beschlichen , nachdem ich mein ” AdlonKleid ” fertiggestellt hatte und die 2. Folge der Serie über das Hotel anschaute : Eigentlich fand ich das Kleid und den Schnitt total schön , aber zu sehen wie es in genau jener Zeit zuging , als der Schnitt publiziert wurde …. da dachte ich auch nur – hmm , und wie finde ich mich jetzt mit diesem Kleid aus dieser scheusslichen Zeit ?!?

    Trotzdem danke fürs Teilen Dodo

    • Mit diesen Gedanken habe ich mich auch ewig gequält – aber wohlwissend, wie ich zu der Zeit stehe, gönne ich mir heute den Luxus, vieles von der Politik losgelöst zu betrachten: auch in finstersten Zeiten wurden Dinge auf den Weg gebracht, auf die wir heute nicht würden verzichten wollen. Und wenn man sich in den Jahrhunderten einmal umschaut, waren Frauen, was ihr Äußeres anbelangt, wohl gerade dann besonders auf Schönes erpicht, wenn es drumherum nur Häßliches gab.
      Vielleicht geben wir schönen Kleidern heute das, was sie verdient haben 🙂

  • Herzlichen Dank fürs Einscannen und veröffentlichen!
    Ein großartiges Zeitdokument!

    Obwohl ich ganz ehrlich gestehen muss: mit der Mode dieser Zeit kann ich so gar nichts anfangen. Ich kann sie gedanklich nicht mit der Moderne in Einklang bringen. Zu zugeknöpft, zu einengend, zu steif. Über was ich mich dagegen köstlich amüsieren kann, sind die Reklameanzeigen. Mit “Pillen gegen Magerkeit” würde wohl heutzutage kaum mehr einer seinen Reibach machen …
    Christel

    • Aber bitte, immer wieder gerne – das nächste Mal nur bitte schneller, ärgere mich immer noch über meine Dummheit, bah.

      Mit den Pillen wäre nicht mehr viel zu gewinnen, aber mit den Gummikorsetts (ich glaube, die sind in diesem Heft nicht drin) auch nicht mehr – offenbar gab es vieles, was man an Frauen bekämpfen musste 😛

      Ich liebe diese Mode ja sehr und finde sie zumindest nicht einengend – also im Vergleich zu einer Jeans 😀 Zugeknöpft ist vieles, aber das kommt mir figürlich entgegen. Steif? Hmm, schwierig – im Sinne von förmlich oder im Sinne von nicht fließend? Ich sehe darin vor allem viel Weiblichkeit ohne zu rüschig oder zu offenherzig zu sein. Aber ich bin da nicht objektiv: diese Silhouette steht mir am besten 🙂

      • Steif im Sinne von leicht bieder 😉
        Weiblichkeit kann man ja unterschiedlichst definieren, aber gerade bei der Mode aus den 30er und 40er Jahren ist die Gefahr groß, dass sie in die heutige Zeit transportiert leicht hausmütterlich-bieder wirkt.

        Gummikosetts heißen heutzutage nur anders: ich glaube “Spandex”, oder? 😉

        • Nene, da gab es noch viel Schlimmeres als Spandex, brrrr – dickes, hartes Gummi mit vielen kleinen Löchern. Spandex ist dagegen ein Witz 😛

          Bieder ist ja überhaupt ein Problem, wenn man Kleidung aus alten Zeiten übernimmt – das funktioniert, meine ich, von den 10ern bis hin zu den 90ern: es gab immer seltsame Formen, seltsame Muster, seltsame Schnitt und leider sieht manches an der einen todschick und an der anderen megaspießig aus.
          Wenn man sich “echte” Bilder aus der Zeit ansieht, ist da vieles, was gruselig bieder ist. Aber am schlimmsten finde ich das ja bei den 50ern – da war Biederkeit an sich ja schon ein hohes Gut und wenn man da daneben griff oder greift … aber ha! Mir kann so was natürlich nie passieren.

          (NIE ist natürlich eine Frage der Definition … das kann ein sehr kurzer Zeitraum sein … für mich hat sich also herausgestellt: Anfang der 30er ist meine ganz persönliche Unzeit, obwohl ich sie so schön finde – schlimmer sähe ich nur in 60er – 80er Kleidung aus, die gibt meine Figur und mein Gesicht auch nicht her 🙁 )

  • Danke für’s zeigen, die Zeitschrift ist total interessant. Unten im Impressum habe ich als Datum 1.1.1938 gefunden. Ich wusste gar nicht, dass der Reichsarbeitsdienst schon damals so ausgebaut war. Ich habe von meiner Mutter einmal ein Jugendbuch aus dieser Zeit über den RAD gelesen, dazu bekam ich parallel “Sonderappell” von Sybil Grärin Schönfeldt, ein Buch, in dem steht, wie die “Arbeitsmaiden” ausgenutzt wurden. Das war extrem interessant im Vergleich! Wenn man aber sieht, wie die Kinder von der NS Frauenschaft aufgezogen werden, und wie das verkauft wird, drängt sich mir ein gewisser Vergleich mit der DDR auf. Frauen in die Produktion, Kinder in die Hände des Staates, so funktioniert Diktatur.
    Es ist nicht einfach, die guten Dinge, die in schlimmen Zeiten passieren, losgelöst von den politischen Ereignissen zu betrachten, und ein “es war nicht alles schlecht” klingt in meinen Ohren immer ein wenig verharmlosend. Aber es ist wahr, und wenn man die schlimmen Dinge, die geschehen sind, nicht aus den Augen verliert, kann man sich glaube ich ruhig an den guten Dingen freuen.
    Stefanie

    • Dann lag ich mit meiner Schätzung ja richtig – ich hätte mal genauer schauen sollen. Aber die Zeitschrift ist so fragil, dass ich mich das Blättern kaum wagte – keine Entschuldigung für Blindheit.

      Aber das mit dem “Es war nicht alles schlecht” habe ich so nicht gesagt, das mag ich nämlich nicht. Ich schreibe das jetzt nicht, weil ich mich mit dir streiten will, sondern weil ich das richtig stellen möchte 🙂 Ich glaube, dass in einer Diktatur einfach schon deshalb alles schlecht ist, weil der Staat immer und überall mitmischt – eben selbst (oder erst recht?) in solch einer Zeitschrift. Aber auch in jeder Freundschaft, in jedem Kinobesuch, bei der Arbeit und zu Hause. Deshalb habe ich mich ja lange so schwer getan, mir meine Vorliebe für die Kleidung und die Musik und die Filme dieser Zeit einzugestehen – egal, aus welchem Land sie kamen.
      Aber andererseits kann auch auf bösen Grundlagen gutes entstehen – wenn man sich des Bösen bewußt ist. Glaube ich oder will es glauben.
      Deinen Buchtipp werde ich auf meine Liste setzen! Danke 🙂

      • Um Himmels Willen, ein “es war nicht alles schlecht” habe ich bei Dir gar nicht gesehen, schon gar nicht zwischen den Zeilen. Ich habe das auf eine generelle gesellschaftliche Tendenz zur Schönfärberei und Verdrängung gemünzt. Gerade bei Dir sehe ich ja, dass Du Dich mit der Zeit kritisch auseinander setzt, und ich teile Deine Meinung oben absolut! Ist schon schwierig mit der Kommunikation! Da gibt man sich Mühe, vorsichtig zu formulieren, um kein Fettnäpfchen zu erwischen und dann stellt man fest, dass man doch drin gelandet ist! Ich stimme Dir vollkommen zu, ein System, das sich überall einmischt, ist böse (so wie DAS BÖSE in Großbuchstaben). Und ja, ich glaube, dass gerade in bösen Zeiten immer auch Gutes entsteht, weil Menschen Mut haben und an das Gute glauben.
        LG, Stefanie

        • Ah, siehst du, manchmal ist es doch schwierig mit dem Schreiben und Lesen – bei mir ja auch, wie man gerade sieht 😉 Ich hatte wohl ein schlechtes Gewissen wegen meiner unkritischen Genusssucht und habe gleich Angst gehabt, ich hätte mich mißverständlich ausgedrückt – da sind wir beide doch wieder einen Schritt weiter, was das gegenseitige Verstehen anbelangt – ist das nicht fein? Mich freut das sehr!

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