Nicht Emma Peel, aber angegriffen

Ich werde jetzt mal ein wenig umher wüten. Über einige laaaange Tage und Nächte habe ich herum geslopert, also Probestücke genäht, Schnitte gezeichnet, verändert, angepasst und irgendwann schien ja auch alles ganz gut zu sein. Während der ganzen Zeit allerdings wisperte eine Stimme, dass das doch irgendwie falsch sein müsse – alles auf den Rücken auszurichten. Diese Stimme tötete mir jeden Nerv, der nach all der Schufterei und Grübelei noch übrig war. Und wie das so ist: auf sie hören will man nicht, zumal wir ja alle der Meinung waren: vom Rücken kann noch was weg und noch was weg und noch was weg. Er saß auch irgendwann so glatt, wie er an mir nur sitzen kann. Von da aus gehend bastelte ich den Rock dann an. Damit die Taillennähte von Ober- und Unterteil sich treffen konnten, wurde der Rock gehoben, gehoben, gehoben und gehoben. Bis ich ein ganz neues Problem hatte, dass ich ignorierte, ignorieren wollte:

croquisvergleich

Was geschah: der Rock formte meine Taille nicht mehr ab und ließ meine Hüfte damit noch höher beginnen. Ich hatte also zu viel Stoff zwischen Hüfte und Taillennaht und dieser Stoff legte sich immer wieder in Längsfalten. Dazu hatte ich ja auch deutlich weniger körpernah gearbeitet als bislang: Stoff gab es hier nun mehr als genug.
Und das Stimmchen flüsterte unentwegt: “Dann musst du noch extra Schnitte für Röcke bauen, den hier kannst du nur an einem Kleid verwenden. Viel Spaß!” Nun wird das durchaus in einigen Büchern empfohlen: einen Satz für Kleiderröcke und einen für Schneiderröcke. Ging bislang aber auch wunderbar so und meine Zeit und Lust ist dann doch auch mal begrenzt …

Gestern nun schnappte ich mir den Rockschnitt, drehte die Abnäher zu und den Saum auf (und wenn ich eines mittlerweile wirklich aus dem Effeff beherrsche, dann wenigstens das.) Was kam heraus? Der am seltsamsten sitzende Rock, den ich je genäht habe. Bilder habe ich keine davon, denn ich habe den gesamten Tag damit verbracht, ihn zu trennen, zu nähen, zu schieben, zu trennen und zu verfluchen. Letzteres reichlich. Klar: die kleine Stimme klang nicht mehr leise, sondern laut und höhnisch.

Was genau stimmte nicht? Der Rock reichte hinten viel zu weit über die Taille, um die er dazu noch schlabberte und drehte. An den Seiten dippte die Taille nach unten, um dann in der VM wieder ordentlich anzusteigen. Am übelsten aber fand ich, dass die Seitennaht ganz, ganz massiv am Saum nach hinten zeigte. Zog ich den Rock vorne hoch, so stelle sie sich gerade, aber da der Rock ja auch hinten viel zu hoch saß, war das noch keine Lösung. Das Hochziehen bewirkte außerdem, dass der Stoff sich nun ab Bauch nach vorne drückte (und mir locker 5 cm mehr Umfang spendierte) anstatt von der breitesten Stelle gerade zum Boden zu fallen. Da stimmte also etwas ganz grundsätzliches nicht …

Ja, es wird noch länger und es kommen jetzt ganz, ganz viele Bilder, die ich allesamt scheußlich finde (so gerne setze ich mich mit meiner Figur wirklich nicht auseinander, aber nutzt ja nichts).
Trage ich diesen Gymnastikanzug, der annähernd meinen Körper wiedergibt, so nennt mich mein Großer gerne Emma Peel (ah, die Überschrift!). Ich nenne das sehr großzügig … er drückt die Brust flacher, liegt am Rücken zwischen Schulterblättern und Taille nicht an und ist insgesamt im Körper etwas zu kurz, weshalb das eingearbeitete weiße Gummiband unter der Brust vorne nach oben und hinten nach unten rutscht – nur, dass die geneigte Betrachterin ein richtiges Bild erhält.

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Der Gürtel, den ich drüber gezogen habe, macht das Bild nicht schöner, hilft aber. Genau dort, wo er sich mit der unteren Seite hinlegt, fühle ich meine Taille auch, wenn ich mich bewege, mich setze, mir ein Band umbinde. Dort befindet sich die Taillennaht aber schon lange nicht mehr …

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Ha, diese Bilder sind zumindest für eine Kleiderinspiration gut gewesen – so ich denn noch jemals zum Nähen komme … 🙁
An keiner einzigen Stelle berührt das Oberteil die untere Seite des Gürtels, in der HM noch nicht einmal die obere Kante und auch in der VM kaum.
Dass der Brustabnäher etwas spitz und scheinbar zu hoch liegt, hat mir dem Gymnastikanzug, dem schönen, zu tun – ignorieren wir jetzt mal. Außerdem ist dieser Nessel so steif, dass er von alleine am Boden stehen kann. Und ordentlich ist auch anders; nachts um halbeins bin ich vielleicht doch weniger akkurat. Vielleicht.

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Die Seitennaht habe ich schwarz markiert, sonst konnte man es auf den Bildern nicht erkennen. Ich hatte diese Sloper gestern abend genäht, um dem Rockfiasko auf die Spur zu kommen; beide Teile waren natürlich aneinander genäht.
Und es war der Horror: der Rock warf in der VM horizontale Falte, wo sich der Stoff nicht weiter nach unten schieben konnte – als ich dort die Taillenaht trennte, zog er sich bald zwei Zentimeter unter das Oberteil (das ja die Taille nicht wirklich erreicht. Dafür gab es nun Falten von der seitlichen Taille, wo der Rock nach unten wollte.
Hinten stand das Rockteil ein gutes Teil vom unteren Rücken weg – zu weit, zu hoch, wie eben ein Rock aussieht, dessen natürliche Taille man irgendwo unterm Busen befestigt hat.

Also habe ich beide getrennt, den RV für den Rücken noch schlampiger als zuvor schon eingehämmert und habe geschaut (so gut man das alleine, nachts, im Kellerfunzellicht, mit Rasierspiegelchen in der Hand), wo denn Rock und Oberteil so hinwollen.
In der HM begegneten sie sich wohl, aber einfach nicht an der richtigen Stelle. An der seitlichen Taille gab es einen Abstand von bald einem Zentimeter, der hier am ehesten dem Rock fehlt. Vorne sank der in der Taille ja zu weite Rock ab, verstärkte das Seitennahtproblem. Ich bin also, welch Wunder, sehr genervt. Und weiß, ehrlich gesagt, noch nicht so genau, wie es jetzt weiter geht. Zumal ja eine gewiße Dringlichkeit herrscht: mir passt ja kaum noch was 🙁

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1 thought on “Nicht Emma Peel, aber angegriffen”

  • Ich bewundere Deine Geduld in diesen Dingen. Das Nähen liegt bei mir immer noch auf Eis (zwei neue Maschinen leisten einander Gesellschaft), aber ich kann mitjammern. Die elfenhafte Grazie, die immerhin bis zum 40. Geburtstag ungefähr anhielt, schwindet mit jedem Jahr weiter dahin, was nicht so tragisch wäre – etwas mehr Frau und weniger Elfe ist okay für mich – wenn damit nicht von Jahr zu Jahr ein Lieblingsstück weniger passen würde – ohne die Aussicht, dass sich das ändert. Die Taille lohnt sich gar nicht mehr zu erwähnen. Und Sport ist in diesem Fall auch keine Lösung – wo vorher nix war, war erst – äh – Speck, und dann kamen Muskeln, das ist der Passform auch nicht zuträglich. Und was an einer zarten Größe 36 hervorragend aussah, tut das definitiv nicht zwingend in einem etwas üppigeren Format. Ich brauche einen neuen Stil. Aber ich bin nach den letztjährigen Erfahrungen nicht davon überzeugt, dass sich ein so aufwändiges Mustermodell wirklich lohnt. Das müsste ich wohl regelmäßig überarbeiten 😉

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