Nunja, vielleicht ein Quasi-Weihnachtskleid?

Nach langer – gefühlt sehr langer Zeit – einmal wieder etwas Genähtes, ein Kleid gar. Und eines mit deutlichen Vintageakzenten. Für Kleider der kalten Jahreszeiten eigentlich das einzig wahre: enge Taille, hochgeschlossen, längere Ärmel. Mit einem luftigen Sack wäre ich nicht glücklich.

Weshalb ein Quasi-Weihnachtskleid? Weil ich von einem Tag auf den anderen Lust hatte, eines meiner ersten selbstkonstruierten Kleider zu kopieren. Wer hier schon sehr lange vorbeischaut, mag sich erinnern: mein ultimatives Weihnachtskleid war es und mittlerweile ist das schon fünf Jahre her. Das Kleid hat ein neues Zuhause gefunden, weil es mir deutlich zu eng wurde. Das Neue hingegen ist am Rippenbogen minimal zu weit; etwas wirklich körpernahes habe ich lange nicht konstruiert und ich war entsetzt, wie lange ich an dem Schnitt saß: satte fünf Stunden! Ich werde alt, ganz offenbar. Sooo lange brauchte ich vorher gewiß nie …

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Der Stoff ist eine leider sehr knitterlustige Viskose, aber weich und gut zu verarbeiten. Die Farbe ist leider nicht ganz meine; ein etwas zu warmes Ziegelrot hat sich eingeschlichen, weil es türkise und nebenweiße Blumen mitbrachte. Die Kombination dieser Farben macht den Stoff eigentlich für niemanden zum hundertprozentig passenden und so habe ich mich erbarmt, zumal der Gesamteffekt tz sanft-gedämpft, latent kühl ist, dass ich mit Make up noch ganz gut davon komme. Aber unbedingt musste ich einen solchen Stoff haben und fand nun lange nichts. So und damit sieht er also jetzt gut aus an mir, basta!

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Max, der entzückende, musste natürlich mit rein in Küche und Bild, obwohl ihm sowohl der Blitz als auch das Piepsen und Klicken der Kamera Angst machte. Aber ich hatte es in der Stunde zuvor gewagt, ihn alleine zu lassen und das mag er immer weniger. Als ich am Samstagabend mit einer Freundin für vier Stunden aus war, begrüßte er mich eine Viertelstunde lang sehr ausgiebig und euphorisch. Er hat mir auch heute morgen zu verstehen gegeben, dass jedes Verlassen des Hause meinerseits nur in seiner Begleitung zu geschehen hat.

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Das Kleid ist komplett gefüttert, vom Rock bis zum Ärmelbündchen. Zum Einen, um den Ärmeln den gewünschten Fall zu geben – der Futterärmel ist eng und etwa 4 cm kürzer, so dass der 3/4-Bischofsärmel nicht schlapp herunterhängt. Das Oberteil ist übrigens mit Wirkfutter, der Rock mit Viskoseacetat gedoppelt. So schön der Acetat auch fallen und sich verarbeiten lassen mag, so eisekalt ist er auch. Wenn ich ein Kleid schon füttere, dann bitte so kuschelig wie möglich.

Der Rock ist in vier Bahnen unterteilt, obwohl das Muster so noch einmal durchschnitten wird. Der Grund ist der gewünschte Fall: ich wollte die Falten in der Mitte haben und den Rock so schmal wie möglich fallen lassen. Dazu muss der Fadenlauf in der Seitennaht liegen. Das hat wie gewünscht funktioniert, doch wie immer bin ich nicht in der Lage, diesen Effekt angemessen fotografisch festzuhalten. Überhaupt ist das Kleid natürlich viel schöner als hier zu sehen – schon, weil es eben endlich wieder einmal ein Kleid geworden ist …

Falls Interesse an der Schnittaufstellung besteht, sagt Bescheid. Und weil ich das noch nie gemacht habe, die Welt so grau ist und Gemeinschaft tröstlich ist, trage ich mich heute einmal in einer Linkliste ein – hier beim Creadienstag.

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7 thoughts on “Nunja, vielleicht ein Quasi-Weihnachtskleid?”

  • Das Kleid ist wunderschön geworden und die Farbe steht Dir ausgezeichnet. Ich bin starr vor Bewunderung über die Kunst der Schnittkonstruktion! Ich hätte da so gar keine Geduld, es muss immer alles schnell-schnell gehen, vom Geheimnis des Denkens in drei Dimensionen ganz zu schweigen..
    Liebe Grüße von Kari, die still und ausdauernd deinen Blog liest.

    • Ich muss ja nicht mehr in 3D denken – mit ein bißchen Übung siehst du den Schnitt und weißt ohne zu überlegen, was wo wie sein wird 🙂 Es ist viel weniger schwierig als früher gedacht und wenn du regelmäßig konstruierst, braucht es nicht wesentlich länger als lästiges Kopieren. Kürzer, wenn man die Anpassungen noch einrechnet. Trau dich mal ran!
      Und danke für das Lob 🙂

  • Hallo liebe Michou,
    das Kleid steht Dir entzückend gut! Die Ärmel sind ein Traum!
    Sehr interessant finde ich die Information mit Fadenlauf und Seitennaht. Das muss ich bei Gelegenheit mal ausprobieren. Wenn beides zusammenfällt wirkt der Rock trotz weitem Saum und Bewegung also schmal? Das klingt sehr spannend.
    Liebe Grüße
    Julia
    P.S.: Wer wird schon gern allein allein gelassen? Die Frage ist, ob der Gute sich sicher sein kann, dass jemand rechtzeitig wieder zurück ist und er trotzdem nicht zu kurz kommt. Das hat natürlich nichts mit Rationalität zu tun. Meine alte Dame lässt uns gern gehen, wenn sie an Futter und Wasser herankommt, freut sich aber auch jedesmal wie Weihnachten, wenn wir wiederkommen – egal ob wir fünf Minuten oder fünf Stunden weg waren. Das war nicht immer so. Jahrelang wurde sie regelrecht panisch, wenn sie alleine bleiben sollte. Ich bin dann mit ihr kurz raus, habe die Näpfe neu bestückt, mir ihr gekuschelt und durfte dann gehen. Aber inzwischen ist sie viel genügsamer, das macht wohl auch das Alter.

    • Danke dir. Ich hatte vor Jahren schon einmal etwas dazu eingescannt, also zum Fadenlauf. Ich suche das gleich noch mal raus.
      Maxi lernt gerade erst, jemanden zu vermissen, das ist im Augenblick der umgekehrte Prozess 😀

    • Ich danke dir 🙂 Zum Fadenlauf hatte ich vor Jahren schon einmal was geknipst und gepostet, ich suche das noch mal raus.
      Maxi lernt das gerade erst, das Vermissen von Menschen – mal sehen, wohin das noch führt …

  • oh, ich mag das Kleid auch. Sehr! Mein PC zeigt die Farbe Kirschrot mir kühlem Türkis gepaart :-). Steht Dir ausgezeichnet (und macht doch Lust auf Kleid-Nähen, auch wenn ich immer androgyner werde und eigentlich Hosen Hosen Hosen trage)

    • Nein, es ist leider ein mattes Ziegelrot, nicht knallig und auch nicht zu bräunlich, aber eben nicht bläulich. Wobei es mit dem Türkis gut funktioniert, das dadurch noch eindeutiger kühl wirkt.
      Ich finde aber auch, dass ich ganz gut damit davon komme 😀
      Und Hosen trage ich ja auch vor allem – zweimal täglich mit Maxi raus, da bin ich doch deutlich fauler geworden, was schöne Kleidung anbelangt … 🙁

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