Rotes Kleid

Ich ahnte es: unfotografierbar. Na, nicht ganz, nur zeigen die Digitalbilder die Probleme deutlicher als im wahren Leben. Von der Schulter aus gehen fünf Falten Richtung Brustpunkt und obwohl sie durch Absteppungen kontrolliert wurden, zeigt die Stofffülle auf der rechten Seite wieder einmal Richtung Armloch, wenn ich mich heftig bewegt habe. Das ließe sich beheben, wäre ich bereit, die linke und rechte Seite eines jeden Schnittes unterschiedlich anzupassen – man kann es auch übertreiben. Sowieso muss ich damit leben, dass – bastelt meine seine eigenen Schnitte und passt sie so gut als möglich an – jede Veränderung der körperlichen Situation wie Zunahmen, weniger oder mehr Sport, Rückenschmerzen oder niedrigere Absätze gleich zu einem anderen Sitz des Kleidungsstückes führen. Trage ich Kleidung, die Spielraum für verschiedene Körpereigenheiten bietet, habe ich andere Passformprobleme, aber welche, die uns nicht mehr so auffallen, weil sie so normal sind. Je besser etwas sitzt, umso leichter sieht man einen Fehler. Welche Lehre ziehe ich daraus? Das frage ich mich auch …

Nun hat aber Das Rote Kleid auch unter dem üblichen Problem zu leiden: irgendwann im Laufe seiner Entstehung bin ich nicht bei der Sache, abgelenkt, unkonzentriert. Da kann ich meckern, so viel ich will und man mag mich perfektionistisch schimpfen, aber so bin ich, ich kann es nicht ändern. Wenn ich auch will. Diesmal wollte ich den ausgestellten Rock in Bahnen dritteln. Also habe ich den Originalschnitt mit einer aufgemalten Schnittlinie versehen und abgepaust. Oder so ähnlich: am Rückenteil habe ich die Seitenbahn korrekt gezeichnet – für das mittlere Teile habe ich dann auch mir unbekannten Gründen statt der Schnittlinie den eingezeichneten Fadenlauf abgemalt … wie kann es anders sein, ich habe es kurz nach dem Zusammennähen bemerkt. Stoff war keiner mehr da, ganz klar und noch einmal für teuer Geld nachbestellen: es hat alles seine Grenze! Das muss auch so gehen. Geht es auch, wenn es auch hinten in der Taille am RV nicht ganz glatt liegt. Stört mich, aber ich sehe es ja nicht.

Damit nicht genug, habe ich dieses Mal meinen eigenen Messungen nicht getraut: das Miederteil soll und muss zwischen Taille und Brust eng anliegen; dazu wird der Taillenabnäher auf halber Höhe breiter gezeichnet. Das wird am Körper abgemessen und mir erschien die Zahl arg hoch. Nun, war sie nicht – das Teil liegt nicht wirklich an und sorgt damit nicht für den gewünschten Sitz. Es gibt sogar seltsame Beulen an der Seite, obwohl die Seitenlänge stimmt – das Zuviel des Stoffes zieht sich genau da hin, wo es die Dame über Gutdreißig nicht brauchen kann. Muss ich mit leben …

Ja, da gibt es noch was zu basteln, aber ich mag den Schnitt und das Kleid dennoch und – Überraschung – ich mag den Bubikragen und ich mag ihn sogar an mir. Das Mieder ist fürs nächste Mal schon angepasst und auch das Rockteil ist neu gemalt. Der Ärmel dürfte nach unten hin deutlich schmäler werden und nicht bis zum Ellebogen puffig bleiben. Obwohl: trägt sich bequem.

Als das Kleid am Freitag nun endlich, endlich fertig wurde, konnte ich mich an den Mantel begeben. Den Schnitt hatte ich über mehrere Tage verteilt erstellt (und logisch, wieder etwas vergessen…) und zugeschnitten war der Oberstoff auch schon. Das Wochenende über haben mir meine Drei viel Zeit und Ruhe gegönnt, so dass ich viel weiter kam als je gehofft: die äußere Hülle ist (fast) fertig, den Futterschnitt habe ich auch gezeichnet und das Futter ausgeschnitten und nun könnte ich weiter machen. Säße ich nicht hier faul herum und bloggte, während der Große sich in seinem Zimmer langweilt und seine Krankheit erduldet.

Wie auch immer das Endergebnis ausfallen wird, ich will zufrieden sein, denn sooo schlecht kann es gar nicht werden:

Statt 2,70m waren es doch nur 2,60, die ich da hatte und die Bruchstelle ist entfärbt, was auch nicht zu erkennen war vorher. Dazu gab es zwei Löcher im Stoff, die umschnitten werden mussten – letztendlich fehlte für den Stehkragen ein Gegenstück, weshalb da nun etwas dunkelblaues blitzt, von dem ich mich einreden muss, so wolle ich es auch haben 🙂 Der Gürtel ist eigentlich doch etwas zu breit – da wäre der Unterkragen vielleicht drin gewesen… es könnte auch sein, dass ich mit den Zugaben etwas zu knapp kalkuliert habe, aber das wird sich überlegen lassen.



22 thoughts on “Rotes Kleid”

  • Hallo,

    das Kleid sieht fantastisch aus: Der Schnitt ist super und die Farbe steht Dir unglaublich gut! Und die Schuhe sind der Hammer…

    Schon lange eine stille Mitleserin, aber das Kleid MUSSTE ich kommentieren!
    Birgit

  • Daumen hoch! Der Bubikragen passt tatsächlich toll zu dir. Die kleinen Falten würde ich einfach konsequent irgnorieren 😉 Denn wie du schon sagst, die kleinste körperliche Veränderungen zeigen sofort Wirkung.

    Wenn du die Ärmel noch schmaler haben möchtest, würde ich die allerdings dringend zu einem Abnäher im Ellenbogenbereich raten (wegen der Bequemlichkeit und sonst möglicher Faltenbildung)

    Und der Mantel schaut doch auch schon gut aus! Der wird bestimmt auch toll. So eine schóne Farbe! *ganz neidisch bin*

    LG Lucia

  • Ha, Lucia, ich bin ja nicht unbelehrbar: sogar dieser Ärmel hier hat einen Abnäher. Allerdings habe ich jetzt festgestellt, auch beim Mantel, dass der etwas zu tief sitzt – egal, was soll’s, Hauptsache es wird überhaupt mal wieder was Tragbares 🙂 Ich glaube aber auch, der Abnäher müsste bei mir schmäler sein, denn es beult etwas mehr als mein Arm …?

  • Die Lage des Abnähers kann ich auf dem Bild gar nicht sehen 😉
    Ausserdem hast du gerade auf dem letzten Foto eine unnatürliche Armhaltung, ich bin sicher so stehst du niemals, wenn du dich normal bewegst. Normalerweise haben unsere Arme eine leicht gebeugte Form und ich denke dann sitzen die Armfalten schon etwas besser.

  • Hmm, doch genauso hängt mein Arm, wenn ich entspannt bin – das mag vielleicht an der nach vorne geneigten Schulter liegen? Meine Arme sind gar nicht so gebeugt wie das bei manch anderen ist – jetzt muss ich mal auf die Suche gehen, wie das bei anderen mit dem Schulterproblem ist .. das ist ja spannend.

  • Das ist ja interessant. So stehe ich eigentlich nur da, wenn ich ganz bewusst besonders gerade stehe ;). auf dem Foto hab ich eher das Gefühl, dass du die Arme nach hinten drückst.
    Wenn das tatsächlich deine natürliche Armhaltung ist, müsste man sicherlich den Armschnitt irgendwie anpassen. Nur wie? *úberleg*

  • Ich sag nur:
    Das Rote Kleid!
    Die Roten Schuhe!
    Der Bubikragen!
    Und bin valiept!

    Wie immer bist Du diejenige, welche die Fehler sieht (da ist eine Signalfarbe übrigens klasse für) und ich vergieße Lobungen über Dir noch und nöcher. Jetzt zack zack weiter Manteln, ich bin neugierig wie der in fertig ist 🙂

    Lieben Gruß
    Cati

  • Also wenn Sie das rote Kleid nicht haben wollen, ich nehme es sofort und die roten Schuhe gleich mit :). Das Kleid ist wirklich wunderschön und steht Ihnen sooooooo gut. Das ist echt großes Kino!

    Liebe Grüße von Kat

  • Das ist das perfekte Kleid für einen grauen, nebligen November! Die Farbe tut soooo gut.
    Mir gefällt der Schnitt sehr und – wenn man nicht ganz so selbstkritisch wäre – es sitzt richtig gut!
    Beim nächsten Mal bitte zuerst das/die Fotos, sonst sehe ich sie wirklich mit deinen Augen und gar nicht mit meinen!!!
    Liebe Grüße, Bettina

  • Bettina, du hast ja recht, eigentlich sollte ich mal die Klappe halten – aber irgendwie muss ich wohl den Minifrust abbauen 🙂 Aber weißt du was: ich drehe das jetzt mal um. Besser?

  • Das Kleid ist wirklich sehr gelungen. Das solltest du auf jeden Fall noch einen Nachfolger bekommen. Und die Farbe steht dir wahnsinnig gut. Richtig toll für diese tristen Tage.
    Auf das Mantelergebnis bin ich sehr gespannt. Es sieht auf jeden Fall viel versprechend aus.
    Liebe Grüße
    Arlett

  • Ach , Michou , musst Du immer so an Deinen Sachen kritteln ? Das rote Kleid ist ein rotes Kleid – ein eye catcher ! Hast Du vielleicht bemerkt , dass es eine wunderbare Taille macht / zeigt ? Dass es Dich so umfliesst wie es sich für ein tolles Kleid gehört ?
    Mit dem ” Bubi ” fremdel ich noch etwas , aber er sieht an Dir definitiv besser aus als an der Puppe ! Und die heels und die schwarzen Strümpfe stehlen ihm sowieso die ” brave ” Show 😉
    liebe Grüsse Dodo

  • Tja, was soll ich hier noch hinzufügen ? Fabelhaftes Kleid in einer mangelhaften Farbe an einer mangelhaften Frau :-). Und es freut mich dass Du den Bubikragen magst!
    Grüße
    Joanna

  • Das ist ja wirklich wunderschön geworden, ich habe es gewusst. Trotz Deiner Kritikpunkte (ich kann gar nichts sehen), kannst Du Dich echt drüber freuen. Ich würde es, wenn das mein Kleid wäre.
    Liebe Grüße
    Tina

  • Ich kann mich nur anschließen, ein tolles Kleid!
    Schön, daß du auch über die Schnittgestaltung berichtet hast, ich finde das sehr spannend und interessant.
    Die kritische Selbstbetrachtung deiner Arbeit kann ich nachvollziehen, mache ich bei mir auch so. Manchmal bringt sie einen weiter, manchmal bremst sie allerdings auch. Ich habe mehrere unfertige Teile, weil sie meinen Ansprüchen nicht genügen (allerdings nach fertigen Schnitten genäht).
    Grüße Anja

  • Ganz großes Kino! Kleid und Schuhe sind der Hammer und Du bist darin ein wahre Königin. Gefällt mir wahnsinnig gut. Und es war klar, dass Du die Passform mit der Lupe betrachtest, das ist völlig normal (bei Dir) 😉 Aber zum Glück gibt es auch Dein gelassenes Ich, dass sich rundrum zu dem Kleid freuen kann, das war es doch, was zwischen den zeilen steht, oder? LG Kuestensocke

  • Natürlich viel zu spät, aber ich wollte doch noch sagen, dass dir das Kleid phänomenal gut steht.

    Die Farbe und der Schnitt sind super.
    Und wer hätte es gedacht – ich mag keine Bubikragen und finde dass er nur wenigen gut steht (ist ja Geschmackssache) – aber du gehörst offensichtlich zu der auserwählten Zahl.

    Schön!

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