Schlampiges Schneiderlein, gruseliger Graus und fressend-frecher Frust

Ehrlich, ich bin soooo dicht davor, die ganze Näherei in die Ecke zu knallen – AAARGH! Und mich dazu! Gestern nachmittag mal schnell einen schmalen, weißen Rock nähen ist wieder einmal so was von daneben gegangen, es ist mit Worten kaum zu beschreiben. Bilder würden helfen, aber zum Abfotografieren dieser Scheußlichkeiten kann mich niemand überreden. Das Elend ist elend genug.

Wieder einmal hat mir ein elastischer Stoff Ärger bereitet: ein weißer, relativ fester Baumwollköper mit Elasthan, dazu noch ein Schnitt mit sechs Rockbahnen, was doch immer, immer, immer zu Schwierigkeiten bei mir führt: unterm Bauch ist zu viel Platz, sowohl darüber wie darunter; sieht es von vorne knapp aus,so steht es an den Seiten von alleine ab und hängt ansonsten wie ein Sack herunter. Nicht mal wie ein nasser Sack, das hätte dann doch noch mehr Form …. Dazu durfte ich fest stellen, dass der als “blickdicht” beschriebene, fast schon jeansartige Stoff alles andere als blickdicht ist. Dazu zeichnet sich – egal, wie weit oder eng ich ihn zusammen nähe – jede Delle wie durch eine Lupe hindurch ab. Nicht sehr geeignet für meine diversen Zonen. Was mich dann im nächsten Schritt dazu bringt, nicht nur den Stoff und den Schnitt als dumm, doof, dämlich zu beschimpfen, sondern mich selbst noch gleich dazu mit verbaut, verbohrt und verblödet zu titulieren. Und das alles einige Minuten nach Mitternacht. Habe danach selbstverständlich selig und sanft geschlummert, um heute morgen fröhlich aus dem Bette zu hüpfen. Oder wie man das nennt, wenn man den ganzen Tag schlechtester Laune ist und mit Schicksal, Alter und Talentfreiheit hadert. Und einem kranken Mann, der durch das Haus hüpft und Kabel schleppt. Wie nannte Eva das? Eine Zumutung? Wo sie recht hat …

Nun hätte ich ja gestern abend auch gut den Saum meines Jäckchens fertig stellen können, aber ich wollte unbedingt etwas Passendes dazu haben. Zumal ich bei dem Jäckchen auch stark in meinen Gefühlen schwanke. Welch ein Wunder, ich bin unzufrieden. Kommt ja eigentlich im Grunde und sozusagen fast überhaupt nie kaum nicht vor! Gut, ab in die Tonne damit, auf zum nächsten Disaster.

Das Retrokleid – im übrigen Butterick 4919 und ja, dafür braucht es einiges an Stoff: 3,70m! – muss noch ein klein wenig warten, bis ich mich etwas glamouröser fühle. Und weniger genervt. Nicht, dass ich dieses Kleid hier nicht mag, ich mag es sogar sehr. Aber wenn ich den Stoff hierfür verderbe, werde ich mich weniger ärgern, als wenn ich die genannten 3,70 ruiniere. Was ich ganz dringend benötige, wären einmal ein paar Erfolgserlebnisse. Selbst Kleidungsstücke, die als gut befunden waren, finde ich nun nur …. (s.o) !!! Warum beispielsweise bilden sich gleich zwei Reißverschlüsse ein, sie müssten sich nach der Wäsche wellen? WESHALB?? Eine Dreißiggradwäsche und ein Trocknen an der frischen Luft sollte doch wohl so gerade eben noch zu überstehen sein, selbst wenn es sich um einen außergewöhnlich sensiblen Vertreter dieser Gattung handeln sollte!

Dann das Blumenkleid (ja, Eva, ich weiß, welchen Rock du meinst und der Stoff ist sehr ähnlich. Glaube ich, denn der Rock ist schon länger entsorgt. Passt mir natürlich auch nicht mehr. ) Ich dachte, Taschen wären doch nett und habe sie eingenäht. Um dann fest zu stellen, dass die Ich-habe-zugenommen-und-meine-Hüften-brauchten-eh-mehr-Platz-Zugabe zu wenig gab – nachdem ich selbige unterhalb und oberhalb des Tascheneingriffes eingeschnitten hatte. Womit ein Weiten nahezu unmöglich war. Woraufhin ich die Taille verkürzt habe, um den Rock über die kritischen Stellen zu heben. Nun ist das Oberteil doch zu kurz und – ach, lasset Schweigen walten, sonst könnte ich mich heute am Ende noch aufregen …

Musste kurz mal in die Ecke, um zu Schreien 😉 Damit könnte ich nun zum eigentlichen Grunde meines Schreibens hier kommen: Einige kluge Frauen haben mir das Heften ja ans Herz gelegt, da der Frust doch geringer sei, wenn ich die Paßform vor dem Steppen testen könne. Natürlich sehe ich die Berechtigung dieser zweifellos überlegenen Methode, die einer wahren Schneiderin würdig ist. Allein für mich muss ich sagen: Nö! Mag ich nicht, gelingt mir nicht, nützt mir nicht, entspricht mir nicht. Ich bin ein schlampiges Schneiderlein, oder, um es weniger mißverständlich zu formulieren: eine, die etwas zum Anziehen möchte und das in kürzester Zeit. Dabei nehme ich mir schon die nötige Zeit, um etwas anständig zusammen zu nähen, aber Probemodelle oder Hefterei geht zu weit. Vor allem habe ich folgendes Problem damit: wenn ich hefte, kann ich nicht wirklich sehen, wie das Modell sitzen wird, sondern bekomme im besten Fall einen groben Eindruck. Den habe ich aber gerade im Falle meiner schmalen Röcke schon. Die Heftnaht dehnt sich zu sehr, um mir – vor allem bei Hosen – Aufschluss über nötige Änderungen zu geben. Oft ist der wirkliche Sitz erst zu sehen, wenn auch Bund und Beleg perfekt an Ort und Stelle angebracht sind – das muss mir das Heften ebenfalls schuldig bleiben.
Und die Sache mit dem Probemodell – das habe ich einmal für eine Hose über Wochen versucht, ohne dass wir allzu weit gekommen wären, die Probehose und ich. Für den Standardrock hatte ich mir diese Mühe ebenfalls gemacht – nun müsste ich nur noch den immer gleichen Stoff verwenden und wieder etwas abnehmen. Verblüffend, aber wahr: Will ich nicht! Trotzig bin ich auch noch!

Ach, Mensch, ehrlich, es fehlt nur noch soooo viel!! Jetzt gehe ich Bildchen bei euch gucken und dann mache ich Abendbrot. Und kann mich vielleicht doch noch an das Kleid setzen.

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5 thoughts on “Schlampiges Schneiderlein, gruseliger Graus und fressend-frecher Frust”

  • Also du machst mir Angst. Sitzt du vieleicht heimlich hinter mir wenn ich surfe? Seit Tagen schleiche ich um Schnittmuster wie deines von Vogue herum. Bis jetzt konnte ich mich noch nicht entscheiden. Ich habe Angst das das Ganze im fertigen Zustand den Charm einer Kittelschürze versprühen könnte. Also bitte, beweise mir das Gegenteil! Bei der Gelegnheit kannst du dir auch gleich dein Erfolgserlebnis abholen.
    LG
    Arlett

  • Diese Desaster kennen wir alle ! Auch wenn Du mir das immer nicht glauben willst – ich auch ! Es gibt Schnitte und Stoffe die gehen einfach nicht – und zusammen schon mal gar nicht. Was das Heften angeht ich mache es immer öfter und schneide die Nahtzugabe inzwischen (meistens) etwas weiter zu um korrigieren zu können. Und laß Dir Zeit !! Von diesem schnell, schnell bin ich runter und es kann sein das ein Teil dann auch mal was länger braucht. Ich hefte übrigen nicht mit der Hand sondern mit der Maschine. geht schnell und der Sitz fast wie der Fertige.
    Und das, mit dem Charme einer Kittelschürze kenne ich auch nur zu gut …
    Es gibt Sachen, die passen einfach nicht zu einem – auch wenn man sie an anderen total klasse findet …. seufz

  • ich finde dagegen dass Du sehr anspruchvoll bist. Ein bißchen zu anspruchsvoll vielleicht? 😉
    Ich finde meist dass Du Deine Arbeit viel zu hart urteilst 🙂

    Heften mit der Maschine kann ich auch nur empfehlen – stell die Fadenspannung des oberen Fadens so niedrig wie es geht ohne dass es sich Schlingen bilden – es hält fast wie eine “ordentliche” Naht, lässt sich aber problemlos entfernen. Ich kann aber auch Dein “nö” sehr gut verstehen, ich hefte nämlich meistens nur mit den Heftnadeln …

    Übrigens – mein Schneiderbuch ist gekommen und ich habe mich in das Thema “Hose” eingelesen – und bin verzweifelt. Obwohl das Buch in meiner Muttersprach ist, habe ich kaum was verstanden. Ausser dass die weibliche Figur untenrum so unterschiedlich sein kann, dass ein Schnitt garantiert keine zwei Frauen zufrieden stellen kann … und es ist sehr kompliziert die Schnitte herzustellen, weil nicht nur die bloßen Maße reichen, man muss die Muskulatur und die Körperhaltung mit einbeziehen … Katzenbärte werden auch erwähnt …

    Bei Männern übrigens ist das wohl nicht der Fall – angeblich brauchen Männerhosen nach dem Maßnehmen nicht mehr anprobiert werden, man kann sie anhand von den Maßen anfertigen und sie werden gut sitzen …
    Wo ist die Gerechtigkeit?!

    LG
    J.

  • schade, dass du dich offensichtlich selbst um ein schoenes hobby bringen willst, das grosse erfolgsergebnisse geben kann, wenn man es richtig angeht.

  • He, nicht stressen lassen. Manchmal gibt es einfach so Zeiten, da geht nicht, man ist zu dick/doof/schlampig/etc/etc. und hasst sich selbst.

    Aber das geht vorbei. Manche Stoffe und Schnitte mögen einen einfach nicht, ist wie mit Menschen, muss man hinnehmen und weiter gehen.

    Das mit dem Heften: ich bin in dem Fall auch ein schlampiges Schneiderlein. Ausführung ordentlich und gut, Vorbereitung … na ja. Aber bei Röcken hab ich mir angewöhnt, mit der Maschine mit dem größten Stich zu heften, dann geht es später tatsächlich besser. Das mit den Probemodellen ist ja immer fein gedacht, aber da sich sämliche Stoffe völig verschieden verhalten, hilft es auch nicht immer.

    Ich schneid einfach ein bisschen größer zu und verkleiner da, wo es nötig ist.

    Also, tief Luftholen und irgendwas nähen, was immer geht. Bei mir sind das seine Hemden, SChlafanzüge und Puffärmelblusen, die versau ich nur selten. Obwohl: gestern abend hab ich auch noch mal getrennt, weil die verflixte Bluse an den Hüften zu eng war. Die vorigen 5 Stück haben gepasst…

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