Schlicht, einfach, simpel – und rot!

Kirschroter Stoff, also mit einem deutlichen Blauanteil und gedämpft-leuchtend, findet sich nicht leicht. Wann immer es mir gelang, kannte ich nur ein Ziel: ein schönes Kleid daraus zu fertigen. Und ich kann nicht mehr zählen, wieviele wirklich herrliche Rotstoffe mit dem Umweg über die Nähmaschine traurig im Müll landeten. Ein einziges Mal gelang es mir, mittlerweile schon vor über vier Jahren … es ist nicht verwunderlich, dass ich Rotfunde heute lange horte und streichle, bevor ich mich heranwage.

Nun, dieses Mal bin ich zufrieden. Den kirschroten Viskose-Elasthan-Crêpe fand ich im letzten Frühjahr auf dem Godesberger Stoffmarkt: sehr feinkörnig, recht zart und hoch elastisch; einer der Stoffe, die bei jedem Schritt auf und ab wippen und sich tragen als trüge man des Kaisers neue Kleider.  Und heute, nach Tagen des Hausarbeitens und der Unlust, habe ich mich vor die Kamera geschleift.

 

 

Ich kann es ja anstellen, wie ich mag – egal, mit welcher Kamera, mit welcher Einstellung: meine Bilder werden nie detailscharf. Das muss ein genetischer Defekt sein, ähnlich wie meine Backunfähigkeit. Selbst Fertigmischungen im eigenen Schälchen verbrennen mir außen und bleiben innen roh – egal, mit welchem Backofen. Leben wir als damit. Wenigstens ist das Licht in der Küche so, dass es farblich nah ran kommt.

 

 

Neben einem Fotografie-Kurs böte es sich auch an, vor dem Knipsen richtig zu bügeln. Das Kleid hing nun eine Woche auf der Puppe und trug dabei einige zu ändernde Teile über der linken Schulter – die Falten dort sind also keine asymetrischen Raffungen.

 

 

Auch einmal von hinten, hier kann man den Fadenlauf in der Seitennaht gut erkennen: die (geringe) Weite fällt in die Mitte. So fällt der Rock schmal, hat aber in der Bewegung viel Bewegung.

Und dann – dann kam der Hund um die Ecke getrabt. Wie immer mit zwei Schritten vor, einem zurück. An vernünftige Fotos war nicht mehr zu denken, aber die Hauptrolle geht jetzt an Maxi. Von unsichtbar zu Mittelpunkt in 55 Sekunden:

 

 

 

 

Und weil es gerade so schön passt, nehme ich einfach einmal am RUMS teil.

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22 thoughts on “Schlicht, einfach, simpel – und rot!”

  • Mein guter Vorsatz fürs neue Jahr, nicht nur jahrelang still mitlesen, sondern auch mal kommentieren: ein schönes Kleid an einer wunderschönen Frau, da stören leicht unscharfe Bilder überhaupt nicht

    • Vielen Dank, diesen Vorsatz hast du mit Bravour erfüllt 🙂 Und nun, verwöhnt wie du mich hast, erwarte ich demnächst natürlich mehr 😀 Was meinem Vorsatz, mich in Bescheidenheit zu üben, irgendwie in die Quere kommt, oder?

  • Schlicht und schön! Und nach dem “bisschen” Haushalt gut umzurüsten für den großen Auftritt am Abend. Ich stelle mir gerade einen (Kunst)pelzschal und metallic-glänzende Schuhe vor …
    Mir gefallen übrigens wieder mal die “tierischen” Bilder am besten. Also mach Dir keine Sorgen wegen fehlendem Irgendwas. Die Blicke zu Hund und Katz sind viel lebendiger und eh unbezahlbar.

    Viele Grüße
    Ursula

    • Naja, den großen Auftritt gibt es hier schon lange nicht mehr, ich bin froh, wenn ich abends meine Ruhe habe. Ehrlich gesagt freue ich mich auf die ersten Frühjahrstage, an denen dieses Kleid und andere mit nackten Beinen und leichten Schuhen nach draußen darf – dank Hund kombiniere ich ab da ja alles mit flachen Latschen 😀 Für den großen Auftritt muss sich das Kleidchen leider eine andere suchen 😀

  • das kleid ist wunderschön! auch die passform gefällt mir super.
    dem gendefekt kann man helfen,indem man einen kurs bei einem fotografen bucht;-)die sind nicht mehr teuer.
    ich über weiter hin beim doing:-) bin zu faul in die anleitungen zu schauen und es zu studieren:-)aber ich werd immer besser, so nach 4 jahren:-)))))))

    • Ich drücke nur noch aufs Selbstauslöserknöpfchen und vermute mal, dass das verwackelte dadurch zustande kommt, dass nichts zum Scharfstellen dort steht, wohin ich erst husche … oder so, was weiß ich. Ich arrangiere mich gerade ganz hervorragend mit dem nebenbei erzielten, verjüngenden Effekt 😀

      Ist es nicht verblüffend, wie anders der Schnitt in rot-uni wirkt im Vergleich zu dunkellila-geblümt? Den Ausschnitt hatte ich rundum noch mal einen halben Zentimeter tiefer und weiter gemacht und könnte mir das jetzt auch ohne Ärmel und mit langem Rock vorstellen. Wozu ich das allerdings brauchen könnte, ist mir so schleierhaft wie meine Fotos.

      Übrigens ist das wieder nach Pepin entstanden. Für alles körpernahe nehme ich wieder die Vintageblöcke und für legeres die von Bunka. Das klappt sehr gut. Nur müsste ich mal einen neuen Rockgrundschnitt machen und darauf habe ich wirklich gar keine Lust 🙁 Es sei denn, du wärest doch mal in der Nähe …

  • ich probiere irgendwann mal das system aus. allerdings wird noch sehr viel zeit vergehen. im moment entstehen in russischem raum unglaubliche schnittkonstruktionsysteme und ich möchte jetzt schon mindestens 2 davon dafinitiv kennen lernen. mein tag sollte mindestens 36h haben und meine selbstdisziplin defintiv verbessert werden:-)

  • Bunka hattest du doch schon getestet, oder? Und ansonsten hat sich bei dir wohl nichts geändert – ich kann dir versichern, dass du mit dienem 36h-Antrag keine Chance hast 🙂

  • ja, mit bunka hab ich schon einiges konstruiert.es ist für mich weniger ein schnittsystem,was ich für alles mögliche benutzen würde, sondern nur als konstruktionsbasis für Mrs.Stylebook. allerdigs hab ich festgestellt, dass auch da nciht alles gold,was glänzt. die probe von jackett für abiball sah nicht mal annährend so aus wie das bild im magazin. und damit meine ich nicht die individuelle passformproblemchen, sondern gravierende, style-linien,die über silhouette entscheiden.ich mlchte schon siet 2.3 jahren 2 jäckchen nach vorlage konstruieren. aber mittlerweile bin ich nciht mehr so positiv dem gegenüber eingestellt.
    mit meiner aussage von virhin meinte ich Pepin -system.

  • Ja, das ist mir schon öfter aufgefallen, dass Bild und Schnitt nicht perfekt zusammen passen, aber da ich meist mehrere Anleitungen zusammen werfe und ich ja nicht anpassen muss, bekomme ich in der Regel das heraus, was ich haben will 😀
    Und Pepin sage ich dir ja schon lange – das Endergebnis sieht vollkommen anders aus als die Schnitte, die wir so kennen. Lässt sich extrem stark indiviualisieren.

  • Kleid und Farbe stehen Dir ausgesprochen gut zu Gesicht. Vor ein paar Jahren war rot meine absolute Lieblingsfarbe, aber das änderte sich irgendwann.

    Da ich mir selbst im neuen Jahr weniger Zeitverschwendung auf Facebook und dafür mehr Kreativzeit verschrieben habe, kommst Du damit in den, wenn vielleicht auch etwas zweifelhaften, Genuss, dass ich bei Dir im Blog kommentiere. 😉

    • Fühlt sich aber gar nicht so zweifelhaft an – ich danke dir 🙂 Ich liebe dieses Rot auch sehr und da ich es so selten finde, ändert sich das vermutlich nicht so arg schnell. Und jetzt gehe ich mir deinen Blog anschauen …

    • … und stelle fest, dass du wirklich mal wieder bloggen solltest, das ist ja doch schon wieder länger her. Aber sei erst mal wieder kreativ 😀

      • Das habe ich auch vor. Allerdings ist es manchmal mehr als hinderlich, wenn der Kopf voller Ideen ist und ich oft einfach nicht weiß, wie und womit ich anfangen soll. Oft lasse ich es dann ganz, das würde ich dieses Jahr gerne ändern.

  • Ein sehr schönes Kleid. Passt zu Frau. Und Schuhen. Und Hund ;-P,
    Unscharfe Bilder haben den Vorteil – wie Du zu recht bemerkt hast – dass sie wie weichgezeichnet wirken.

    • Wenn du auch nur ahntest, wie weichgezeichnet sie mittlerweile sind 😀 Eigentlich suche ich noch die passenden Schuhe und Strümpfe, aber ich denke, ich trage das Kleid einfach erst ab 16 Grad 😀

  • Ich finde deine unperfekten Bilder sehr symphatisch, perfekt ist sowieso langweilig und dass du ein wundervolles Kleid in einem ganzganz tollen Rotton genäht hast, ist zweifellos erkennbar.
    LG von Susanne

    • Das werde ich mir merken – manchmal denke ich doch, ich sollte unbedingt eine Leinwand besitzen und Posen vorm Spiegel üben und Bildbearbeitung und all das Zeugs 😀 Wobei mich diese Hochglanzbilder mittlerweile nerven ohne Ende, aber wer bin ich, mich den Ansprüchen zu entziehen? Naja, ich selbst halt und besser kann ich es nicht.
      So hast du also meinen Jahresanfang mit ein paar Worten unendlich verschönt, danke dir 🙂

  • Gefällt mir ganz wunderbar! Interessant, dass es für dich die Farben sind, die den Stoff dann zum Risiko-Kandidaten werden lassen, für mich ist es meist die Textur. Besonders Crêpe flösst mir einen wahnsinnigen Respekt ein, ich befürchte, da geht dann vor lauter Angst garantiert etwas schief. Und so wartet der graue Wollcrêpe weiter auf dem Materialstapel auf seine Bestimmung.
    Vielleicht wäre so ein schlichtes, elegantes und vielseitiges Kleid wie dein rotes sogar das richtige für ihn, ich tendiere ja meist zu auffälligen Schnitten, die ich dann kaum trage.
    Jetzt drücke ich dir die Daumen, dass du es bald ausführen kannst, hier ist es nämlich klirrend kalt.
    Und zu deinem Selbstauslöser-Problem: Ich stelle meine Schneiderpuppe dahin, wo ich stehen möchte, drücke den Selbstauslöser mit 10 Sekunden Zeit, so kann er auf die Puppe scharf stellen, wuchte die Puppe aus dem Bildfeld und stell mich an ihre Stelle. Umständlich, aber es funktioniert.
    Und wenn du eine grössere Kamera (also mit Wechselobjektiv) hast, kann man da häufig den Autofocus deaktivieren. Dann einfach auf die Puppe scharf stellen, Autofokus rausnehmen, Puppe weg und Selbstauslöser starten, dann kannst du auch mehrere Bilder machen und musst nicht immer mit dem Püppchen kämpfen.
    Ich hoffe du und Max sind trotz Geknalle gut ins neue Jahr gekommen, liebe Grüße!

    • Das mit der Puppe habe ich auch mal versucht, aber ich bin einfach nicht schnell genug. Autofocus – öhm, ich müsste mal schauen 😀

      Ja, die Textur macht es mir auch manchmal schwer, aber da bin ich etwas entspannter. In letzter Zeit habe ich mich oft durch Muster zu Kunstfaser verführen lassen, da bin ich noch schmerzfreier, wobei die Stoffe unglaublich schön sind …
      Für den Grauen könnte ich mir solch einen Schnitt sehr gut, vor allem an dir, vorstellen!
      Max hatte Panik, aber ließ sich dadurch beruhigen, dass ich mit ihm und Momo von halbzwölf an im hellerleuchteten Zimmer saß und beide kraulte.

  • Ich bin beeindruckt von der Passform des roten Kleides! Es liegt in der Taille und an der Hüfte eng an ohne zu spannen oder Falten zu werfen. Sitzt einfach perfekt. Wie immer interessiere ich mich auch diesmal für die Schnittkonstruktion. Fadenlauf in der Seitennaht scheint sehr vorteilhaft zu sein. Die Länge ist ebenfalls perfekt; sehr harmonsich.

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