Schneiderpuppenfotoroman

Was tut man, wenn Kind eins den Nachmittag mit einem Freund auf einem Moscheenfest verbringt, Kind zwei mit dem Vater eine Fahrradtour unternimmt und die Arbeiten am Freundinnenhochzeitskleidschnitt fast beendet sind? Und zudem die Sonne scheint, die Temperatur irgendwo über 30°C liegt und stricken erst für den Abend angedacht ist?

Genau, wir haben es alle sofort im Sinn gehabt: man baut seine Schneiderpuppe um, die zwar über eine entzückende Figur verfügt, aber mit der eigenen Silhouette nicht viel zu tun hat. Nun habe ich das schön öfter halbherzig begonnen und dabei viel zu oft Klebestreifen zu Hilfe genommen – dumm, denn reingesteckte Stecknadeln kommen klebrig wieder zum Vorschein. Und da die bislang durchgeführten Auspolsterarbeiten längst überholt sind, habe ich erst einmal alles entfernt. Was mühsum genug war. Ein Geistesblitz brachte mich darauf, dass der Rest der Arbeiten genauso gut, wenn nicht gar besser, draußen im Badeanzug durchgeführt werden könnten.

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Ein wahrlich zartes Persönchen von 87-66-92; das sollte sich ändern. Als Grundlage diente das Probekleid N° 5,5. Nach einer ersten Anprobe entschloß ich mich, von oben nach unten zu arbeiten. Im ersten Schritt habe ich kleine Schulterpolster eingefügt, um meine geraderen und stärker nach vorne geneigten Schultern zu kopieren. Für die Oberweite benötigte ich einen alten BH, der mir gerade eben noch gut genug passte, um ihn nutzen zu können.

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Als Füllmaterial dienten Watteschlangen und die Synthetikfüllung eines Kissen: Watte überall dort, wo mein Gewebe weicher und formbarer ist und Synthetik für Bauch und Hüfte – da formt sich nichts mehr 😀

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Danach habe ich das Kleid übergestreift und stückchenweise ausgestopft, wo es fehlte. Da das KLeid eine Bequemlichkeitszugabe hat, war klar: die Puppe wird etwas dicker werden, als ich es bin. Allerdings glaube ich, dass das Füllmaterial im Laufe der Zeit etwas flacher werden wird, dann sollte es gut hinkommen.

Obenherum schon mal nicht schlecht; die Hüfte fehlt noch – man merkt es kaum :-D:

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Diese Schneiderpuppe besitzt einen schwarzen, relativ elastischen Überzug und da ich mit dem Oberkörper zufrieden war, zog ich ihn bis zur Taille über – er sollte dafür sorgen, dass alles an Ort und Stelle blieb.

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Dann kam der spaßige Teil: stopfen, stopfen, stopfen. Dabei immer wieder klopfen, streicheln, ziehen, zupfen. Etwas beulig ist sie geworden, aber da komme ich auch noch hin 😛

Da das Füllmaterial zu weit unten am Rand der Puppe keinen Halt mehr fand, musste das Puppchen für einige Minuten mit Reiterhosen deluxe leben; erst nachdem der Überzug auch über die Hüften kam, konnte ich weiter ausstopfen. Sowohl den abgeschnittenen Rocksaum als auch den Überzug habe ich zuletzt mit Stecknadeln innen befestigt – endlich kann ich den Styroporkern wieder nutzen.

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Im letzten Schritt habe ich um Taille und Unterbrust zwei Bänder fest angezogen – hier übertraf mich die Puppe um gute 4 cm.

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Deutlich anders. Auch deutlich besser?

Ich habe ihr ein Kleid übergezogen, um zu sehen, ob nun an der Puppe die gleichen Schwierigkeiten auftauchen wie an mir.

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Vorne legt sich das Oberteil stärker in Falten als an mir – da mag ich es mit Höhe und Stärke des Polsterbauches übertrieben haben. Zudem ist die Puppe von Achse zu Achse deutlich breiter als ich, hat einen geneigteren Brustkorb. Aber ansonsten sitzt das Kleid doch eher wie an mir.

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Von hinten zeigt die Puppe nun auch zum ersten Mal die Überlänge des Rückens – das war es, worauf es mir vor allem ankam. Somit: die drei Stunden Arbeit haben sich gelohnt.

PS:
Ich konnte das Spielen nicht lassen, die Alternative wäre das Stricken mit dem Hassgarn gewesen (vier Reihen, immerhin). Vor einigen Tagen oder Wochen habe ich mir aus meinen Versuchsreihenbildern ein Croquis gebastelt, das meine Silhouette annähernd genau, sprich: wenig schmeichelhaft, wiedergibt. Mit ein wenig Gimpklickerei habe ich das Bild über das Bild des Dummys gelegt. Die Perspektive stimmt nicht, da die Kamera aus zwei verschiedenen Höhen aufgenommen hat, aber beide Abbilder passen gut aufeinander. Die stärkste Abweichung ist der v-förmige Oberkörper der Puppe, den ich – leider, leider – nicht habe.

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6 thoughts on “Schneiderpuppenfotoroman”

  • Sehr anschaulich erklärt, das steht “Annegret” auch noch bevor. Sie ist vom Sperrmüll, Modell 70er Jahre. 88-68-98 sind die maximal Maße, brauner Verlour, Adjustoform Easy Fit. Trägt derzeit noch meine 85kg Abmessungen, muss ich dringend ändern. Vielleicht heute, mal schauen.

    • Du montierst also kräftig runter – mit was hattest du sie denn gefüttert? Und ich kann dir auch nur empfehlen, das draußen zu machen; das hatte etwas sehr entspannt-kreativ-meditatives ohne das schöne Wetter zu verpassen 😀

  • ich kann nur Markus Lanz zitieren – Wahnsinn.
    Nachamungswert 🙂 (denn dass die Mathilde verstellbar ist hilft nicht viel, man kann sie gar nicht so “schief” stellen wie ich es bin :-P)
    Allerdings für kleinere Köbchengröße finde ich keine sinnvolle Lösung, hmpf.

    • Absäbeln 🙂 Oder eine ganz schmale Puppe verwenden und dann hochpolstern. Bin aber gerade noch mal dran, weil die Taille einfach zu breit und die Hüfte mittlerweile schon wieder zu zart ist 😛

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