Sexismusdebattenursachenerklärung

Gerade eben, als ich Tommy, unseren sehr schlauen und sehr liebenswürdigen (meistens bis knapp vor immer!) Sechsjährigen, von seinem Taekwondo-Training abholte, kündigte WDR 5 eine Hörsendung für morgen vormittag an: Ein Mann und eine Frau tauschen für einen Tag die Rollen und erleben den Alltag neu.
Tommy: “Oh, das ist gut, warum schaust du das nicht, wenn ich in der Schule bin?”
Ich: “Ist wahrscheinlich nur zum Hören, im Radio.” (Radio höre ich nur unter der Dusche und im Auto, das Kind weiß das und verstand sofort.)
T: “Schade. Das wäre doch witzig, ein Mann in hohen Schuhen und dann fällt er dauernd hin.”
Ich: “Es geht vor allem darum, ob Männer und Frauen von anderen Menschen unterschiedlich behandelt werden.”
T. “Und? Tun die das?”
Ich: “Manchmal schon und zur Zeit ärgern sich ganz viele Frauen über manche Männer, von denen sie doof behandelt werden, weil sie Frauen sind.”
T: “Männer sind ja manchmal auch doof. Jungs auch, aber nicht so oft. Mädchen auch, aber das ist noch seltener.”
Ich: “Hmm, na, alle Menschen benehmen sich manchmal doof. Aber wenn Männer Frauen seltsam behandeln und dumme Sachen sagen oder sich in den Weg stellen, fühlt sich das noch mal anders an.”
T: “Warum?”
Ich: “Wenn du ganz alleine spazieren gingest und ein Mensch auf dich zukommt und dich anspricht, vor wem hast du mehr Angst?”
T, ohne Zögern: “Vor dem Mann, ist doch klar!”
Ich – unsicher, ob ich ihm die Antwort wohl suggeriert haben könnte: “Warum denn? Es gibt auch böse Frauen!”
T: “Aber Männer sind viel stärker!”

Genau so ist es eben und ich fand, dieses schlichte Argument, weshalb Frauen in einer U-Bahn dem Grabscher keine knallen, dem unbekannten Sprücheklopfer keine rhetorische Watsche verpassen, sich also einfach nicht wehren – nun dieses Argument tauchte in keiner der Debatten auf, die ich verfolgte. Es wurde viel darüber gesprochen, dass Frauen sich nicht als Opfer sehen dürften, mal Courage zeigen müssten und das wir wollen, dass ein solches Sich-Wehren einfach nicht nötig sein sollen müsse, aber dass einfach mal eine sagt: Ich habe versucht, aus der Situation zu kommen, ohne dass mir noch mehr geschieht – das fehlte mir. Dabei liegt es so auf der Hand: wären beide Geschlechter in jeder Hinsicht gleich stark – sozial, politisch, finanziell, rechtlich UND körperlich, gäbe es diese Debatte so nicht.

Es wird sehr spannend, welche Art Männer meine Jungs wohl werden. Noch finden sie Frauen und Mädchen toll und neigen zu einer Generalsolidarisierung mit ihren Mitschülerinnen – zehn gebrochene Herzen weiter kommt dann die Bruchprobe -)

Diese Beiträge könnten dich interessieren:



4 thoughts on “Sexismusdebattenursachenerklärung”

  • Dein Sohn hat den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Und leider reagieren manche Männer aggressiv auf direkte Zurückweisung. Da muss man sich schon gut überlegen, wie viel “wehren” drin ist. Ich wurde schon angespuckt und auch geboxt (!) – in letzterem Fall war ich froh, dass es mitten in der Stadt war und mir ein Mann zu Hilfe kam.
    Tja.
    LG frifris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Einverstanden

Please leave these two fields as-is:

Protected by Invisible Defender. Showed 403 to 531.563 bad guys.