Simpelster 1930er Rock

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Die Linie des Rockes, den ich gestern gezeigt habe, wollte ich schon lange einmal austesten – es ist die allersimpelste und stoffsparendste Variante eines typischen Rockes um 1935 herum: nicht mehr ganz wadenlang wie noch zu Beginn des Jahrzehntes, sehr schmal, keine Abnäher im Vorderteil, dafür eine Mittelnaht und ausreichend schwingende Saumweite für Bewegungsfreiheit.
Dazu gibt es wohl kaum eine Silhouette, die streckender ist: eine Länge, die in etwa doppelt so groß ist wie die Weite der Hüfte (frontal betrachtet, nicht rundum gemessen) betont Beine und Taille und verschmälert die Hüfte – und wenn das sogar dem Gatten auffällt, der sich bei Anblick des Rockes auf dezente Nachfrage hin dazu herab ließ, einen Kommentar abzugeben, der da lautete: ” Oohhuuhuh, it’s slimming!”, also, wenn das sogar dem Gatten auffällt, dann muss an dieser Theorie etwas dran sein. Ich konnte das nicht ausführlich erklären, weil ich ihm, dem Gatten zunächst erläutern musste, dass sein Kommentar vielleicht zutreffend, aber doch nicht charmant sei – er, der Kommentar, impliziere ja, ich habe eine verschlankende Wirkung nötig, was aber in seinen, des Gatten, Augen doch nicht der Fall sein dürfe, da er mich bitte nach wie vor als schlanke und ranke Waldelfe zu betrachten habe.
Korrekt wäre demnäch eine Aussage im Sinne von: “Die hochelegante Linie dieses Rockes unterstreicht deine eigene zarte und ranke Form und ja, du hast recht, in der hinteren Mitte hast du einen Hauch zu stark gekürzt, jedoch bin ich beim Anblick deiner ätherischen Erscheinung zu hingerissen, um derlei wichtige Details voll und ganz wahrnehmen zu können.” DAS wäre doch nun wirklich nicht so schwierig gewesen. Männer …

Nun gut, beim nächsten Mal. Nachdem ich davon ausgehe, dass wir uns bis hierhin einig sind, möchte ich zeigen, wie simpel diese Schnittänderung wirklich ist. Das ist schon deshalb nötig, weil ich meinen Haushaltstag habe und die Erledigung dieser Pflichten gerne noch ein Minütchen aufschieben mag. Um aber zurück zum Thema zu kommen – so sehen die Röcke bzw. Kleider aus, die mich zur Kopie reizten:

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Ihr braucht einen gutsitzenden Rockschnitt, weder ein- noch ausgestellt und bevorzugt einen ohne vordere Abnäher und mit nur einem am hinteren Rockteil; zumindest dann, wenn es authentisch sein soll. Was natürlich nicht muss, dann nehmt einen geraden Rock und gut ist.

Rockblock

Zunächst einmal messt ihr aus, bis wohin ihr verlängern müsst – ich habe mich für die kräftigste Stelle meiner Waden entschieden, ab dort verjüngt sich das Bein und sorgt ebenfalls noch einmal für die Streckung der Linie (und das war DAS Credo dieser Jahre!). Die fehlende Länge gebt ihr in den Mitten und den Seitenlängen gleichmäßig dazu.

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Markiert die Mitte der Oberschenkel in der VM. Am Saum zeichnet ihr in der VM eine Hilfslinie von 14 cm heraus. Diesen Punkt verbindet ihr mit der Oberschenkelmarkierung.
Messt die Länge von der Markierung bis zum ursprünglichen VM-Saum und kürzt die neue, schräge Linie auf die gleiche Länge. Neuer und alter Punkt werden nun in einem sanften Bogen miteinander verbunden.

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Und das war es schon – ein fertiger Rockschnitt:

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Am besten sind eher weichfallende Rockstoffe geeignet. Dazu kommt ein gerade Taillenbund von etwa 3 cm Breite; die Saumzugabe sollte möglichst schmal bleiben, damit der angeschnittene Godet schön fällt. Viel Spaß!

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6 thoughts on “Simpelster 1930er Rock”

  • Das sieht sehr interessant aus.
    Ob das wohl auch bei starken Figuren slimming wirkt ?
    Das kommt auf meine
    “WasichschonimmermalausprobierenaberkaumZeithaben ” LISTE
    Danke für deine Anregung!

    Liebe Grüße
    Stella

    • 😀 Siehst du, das dachte ich auch. Das perlt einem doch wie selbstverständlich von den Lippen …

      Wann gibt es bei dir denn wieder einmal was neues zu sehen? Würde mir übrigens auch durchaus mehr Beiträge abseits des Nähens von dir wünschen, das fand ich sehr gut! Aber kommentieren war mal wieder nicht drin 🙁

  • Hm, das sieht ja sogar für mich Schnittmuster-Abhängige machbar aus, vielleicht sollte ich mir doch einmal einen gut sitzenden Block zeichnen.

    Und natürlich, nur du weisst, wie es unter dem Rock aussieht, wenn er dir mehr auf die Figur dichtet als da ist, würde ich mich auch nicht wohl fühlen (das ist dann das, was mein Männlein öfters sagt, “der Schnitt tut nichts für dich”, wahlweise auch “schwanger?” wenn er meine Taille komplett schluckt. Also der Schnitt, nicht der Mann), selbst wenn es von aussen gut aussieht.
    Und danke, wohlproportioniert ohne Relation zu anderen klingt gar nicht schlecht. Zumal mein grünes Punktekleid ja eigentlich genau die Länge ist, aber das ist so überzogen, dass ich es nie im Alltag trage. Aber da gefiel mir die Rocklänge sogar, nur hat sie es irgendwie nie in mein “tragbare Linie”-Bewusstsein geschafft. Ich glaub ich muss nähen gehen 🙂

    • Und genau an dieses Kleid dachte ich vorhin, habe es aber auf die Schnelle nicht finden können – das gefällt mir nämlich sehr an dir!
      30er sind im Alltag sicherlich ungewöhnlicher als 40er; die Rocklänge fällt schon sehr auf. Aber andererseits: in all dem Jeansgewusele ist doch selbst ein schlichter Bleistift schon ein Hingucker. Also kann ich nur sagen: trau dich. In uni wirkt sowas auch gleich viel dezenter.

      Ich wünschte im übrigen, mein Mann wäre in der Lage, seine Kommentare zu meiner Kleidung in ganze Sätze zu verpacken – so was wie “Der Schnitt tut nichts für dich.” würde ihn schon überfordern 😀 Schwanger allerdings könnte er wohl noch murmeln …

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