Sloper

Ich versuche mich kurz zu fassen, denn ich möchte noch tausend Dinge heute schaffen. Hahaha …

Bettina meinte ja, wie ich es vor über einen Jahr auch annahm, dass der Sloper (deutsche Bezeichnung? Vorschläge erwünscht) bestens geeignet sei, um Schnittanpassungen vorzunehmen – den passenden Threads-Artikel habe ich auch für euch gefunden. Man legt den Sloper in den Schnitt ein, dreht und wendet ein wenig, überlegt, wieviel Zugabe gewünscht ist und passt an.
So hatte ich den Gatten vor über einem Jahr dazu bekommen, mich zu vermessen, habe mich an die Schnmittzeichnung begeben, diese zwanzigmal verändert und verbessert, neu gemessen, gerechnet und letztendlich genäht. Dieser Sloper saß verblüffend gut und auch heute noch kann man sehen, dass das nicht der schlechteste Schnitt ist:

An der linken Seite ist der Sloper offen, das Teil ist zu kurz und mittlerweile viel zu eng, sitzt aber dafür an den Schultern und unter den Armen ziemlich gut, was ich auf die andere Meßtechnik zurück führe, die ich bislang in keinem anderen Buch für Schnitterstellung gefunden habe: von der Mitte der Taille diagonal zum Schulterpunkt. Dadurch wird zum Einen die Schulterneigung gemessen (ansonsten wird irgendein Betrag zwischen 1 und 2 cm nach unten abgetragen) und zum Anderen lässt dieses Maß sich nutzen, um die nach vorne geneigten Armkugeln unterzubekommen.

Problem ist nur, dass Meßergebnisse nicht in Stein gemeißelt sind; der Gatte als Ingenieur neigt zwar zu pedantischer Genauigkeit, reagiert aber äußerst ungehalten, wenn ich mich zwischendurch melde – mit Sätzen wie: “Meine Taille ist das aber nicht”, “Das muss weiter links” oder ähnlichen Kommentare, die dazu dienen, meine Kleidungsstücke da zu haben, wo ich sie bequem finde. Auch sein Kommentar, alle Daten sei innerhalb eines Zentimeters und damit genau genug, war nicht hilfreich. Und in der Tat ist Sloper 1 der neuen Serie 2011 nicht halb so gut wie der zu Enge aus der Serie 2010:

Dass es um die Brust herum noch immer spannt, liegt allerdings nicht an seinem Meßfehler, sondern daran, dass ich beim Zeichnen einen Zentimeter unterschlagen hatte – versehentlich, nicht in eitler Absicht. Beim Sloper 2, den ihr vielleicht morgen zu Gesicht bekommen werdet, habe ich die Brustweite korrekt eingezeichnet. Nun habe ich Platz, aber auch wieder leicht abstehende Achselstücke – es ist mir noch ein Rätsel, wie ich das hinbekommen werde. Aber zu 2/2011 äußere ich mich dann morgen.

Irgendeine Zahl allerdings muss komplett falsch sein, denn beide neuen Entwürfe zeigen hinten ein interessante Kurve im Saum. Sowieso ist die Rückenlänge immer noch zu lang – wir haben dreimal nachgemessen, die Zahl ist korrekt, nur die Umsetzung ist immer zu lang. Bei Nummer zwei habe ich um zwei Zentimeter gekürzt und es wird besser. Aber Zahlen sind – so lerne ich langsam – nur ein Anhaltspunkt, keine Größe, an die ich mich sklavisch halten muss. Habe ich auch am Halsausschnitt gemerkt: die Zahl, die ich letztendlich verwendet habe, ist viel kleiner als mein Hals verlangt; mathematisch gesehen, dürfte ich nicht hineinpassen. Stimmt nur nicht – ich hätte jetzt gerade Lust, all meine Mathematiklehrer auf zu suchen, um ihnen zu zeigen, dass ihr absolut und absolut heute noch weniger zusammen passen als vor dreißig Jahren. Nur heute kann ich es beweisen 😉

Wie gesagt, Sloper 2 ist auf dem richtigen Wegen und ich denke, ich werde nicht noch einmal messen und zeichnen, sondern diesen anpassen und daraus einen hoffentlich passenden Basisschnitt zaubern. Bis dahin ist noch ein langer Weg, denn dieser Sloper ist “roh”, will sagen: die Brustabnäher zeigen gewollt bis zum Brustpunkt, es gibt null Bequemlichkeitszugabe und der Halsausschnitt umschließt den Hals sehr eng. Wie ich schon im Kommentar vorhin sagte, ist dieser Sloper von der Idee her eine Schneiderpuppe in flach.

Was liegt also noch vor mir:
Sloper 2 anpassen.
Die Änderungen übertragen und Sloper 3 zeichnen.
Sloper 3 nähen und hoffentlich nicht mehr anpassen (die Hoffnung stirbt ja zuletzt, mal sehen, ob das stimmt!).
Aus Sloper 3 einen Basisschnitt erstellen mit geringer Zugabe, rundem Halsausschnitt, aufgeteiltem Taillenabnäher (in Brust und Taille), Abnäher verkürzen.
Basisschnitt nähen. Und hoffentlich nicht zu sehr anpassen.
Dann daraus ein Oberteil für das pastellfarbene Kleid basteln.

Bis dahin sollte ich mal nichts mehr nähen. Das wird hart. Sollte ich bis dahin kommen und sollte es klappen, dann werde ich danach mich an die Ärmel begeben und hoffentlich noch in diesem Sommer eine Bluse fabrizieren. Und wenn ich das so aufschreibe, dann weiß ich auch wieder ganz genau, weshalb ich mich bislang nicht daran gewagt hatte. Wieviel einfacher wäre es, den Sloper als Hilfe für Fertigschnitte verwenden zu können. Aber ich finde beide so unterschiedlich, dass ich wahrscheinlich nur gute Schnitte sinnlos zerschneiden würde. Beweise?

Ich habe einen schlichten Blusenschnitt, der meinen Schnitt von allen am nächsten kommt – trotz zweier Abnäher. Wollt ihr sehen, wie ähnlich sie einander sind?

Die beiden Schnitte liegen nicht an der VM aufeinander – aber die Ähnlichkeit ist minimal. Und vorne geht es auch. Bei der von mir bevorzugten Methode des Schnittaufstellens werden nämlich vordere und rückwärtige Körperhälften getrennt vermessen. Das trägt meinen schmalen Brustkorb Rechnung. Das lässt sich auf die meist fast identisch breiten Vorder- und Rückenteile der Kaufschnitte nur schlecht übertragen. Zumindest, wenn man eher talentfrei und nur mit Durchsetzungswille an die Sache herangeht. So wie ich 🙂

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3 thoughts on “Sloper”

  • Hallo,
    ein sloper ist nicht der schnitt!!!! sondern eine basis zur weiterem modellieren des schnittes! ein sloper MUSS ideal an deinem körper sitzen.
    wenn du einen schnitt machst, nimmst du niemals den armausschnitt vom basis schnitt, sondern du vertiefst den armausschnitt und machst freiraum zugaben usw usw.
    so, jetzt zum vermessen enorm wichtiges detail:
    beim vermessen muss man immer ein gummiband auf die talie binden oder anziehen.so fixierst du die genaue position der talie.
    denn es ist sehr wichtig, wo deine talie exakt liegt!! da kann auch dein gatte sich nciht mehr verirren..

    jetzt zu deinem ertsauen der die “passänlichkeit” der schnitte.
    den ersten punkt habe ich schon genannt. zweitens,wenn du brustabnäher nach untem überträgst- dann kommst du ungefähr auf diese breite des talienabnähers.

    allgemeine anmerkungen:
    der rücken ist nach wie vor zu lang! mache dir einen gummiband an die talie und messe vom 7 wirbel bis zu talie mitte und noch mal vom schulterknochen(den kannst du ertasten am ende von schulter) bis zu talie in der rückenmitte.schulterpunk am rücken ist zu hoch!

    brustbereich bedarf mehr freiraum als 1 cm- definitiv!
    talienabnäher geht viel zu hoch!!
    messe den abstand vom treffpunkt hals-schulter bis zum höchsten brustpunkt(brustwarze) bei dem BH, den du dann immer tragen wirst(ganz wichtig!). dein talienabnäher darf dann 3 cm unter diesem punkt enden. er darf nciht auf die warze zugehen!

    damit du jetzt nicht alle von vorne anfängst…..ein tipp vom profi:
    übertrage deine messergebnisse auf sloper,mach die passformanpassungen drauf. und wenn das perfekt sitzt- übertrage die veränderte masse auf dein basis schnitt!

    viel erfolg!

  • Liebe Julia,

    ich schätze deine Anmerkungen sehr, zumal du in der Regel genau das bestätigst, was ich vermute. Deshalb verstehe mich jetzt bitte nicht falsch: Kann es sein, dass du vor allem nach den Bildern gehst und meinen Text eher nebenher liest 😉 ?
    Denn natürlich ist der Sloper nicht der Basisschnitt, das habe ich auch geschrieben. Und natürlich sitzt der nicht richtig. Ist auch Nummer eins, bei Nummer zwei habe ich die Messwerte entsprechend überprüft und korrigiert – der Gatte hat dann unter Androhung roher Gewalt an drei Stellen nochmal nachgemessen. Weshalb ich auch an die Mathematik nicht mehr glaube: denn vom Wirbel bis zum Taillenband (das ich natürlich an hatte) sind es definitiv 43 cm. NUR: passen tut der Schnitt mit 43 cm nicht. Eine weitere Seltsamkeit meines Körpers 😉
    Was die Brustabnäher anbelangt: bei dieser Anleitung endet der Abnäher genau dort und wird erst beim Basisschnitt entsprechend angepasst. Eben weil der Sloper ein genaues Abbild meiner Figur sein soll, sollen auch die höchsten Punkte genau zu erkennen sein, so die Erklärung.
    Was die Weite anbelangt: wie beschrieben habe ich beim Zeichnen einen Zentimeter vergessen. Ist bei Nummer zwei schon korrigiert.
    Die Armausschnitte hingegen werden bei dieser Anleitung von Anfang an auf die richtige Höhe gebracht – da ich “short arm joints” habe, also meine Verbindung von Arm zu Schulter einen sehr kleinen Durchmesser hat, sitzen meine Armlöcher in der Tat sehr hoch. Bei Fertigschnitten muss ich immer nach oben zugeben, damit man mir nicht auf die BH-Träger schaut. 🙂

    Heute geht es an Sloper 3 – ich male noch mal die zweiten Korrekturen ein und vielleicht zeige ich Sloper 3 dann bald. Nummer 2 habe ich leider aus einem sehr festen Wollstoff genäht. Und nun ist jetzt schon 31°C, da mag ich ihn auch nicht für eine halbe Sekunde tragen 😉

    Vom Sloper aus geht es dann zum nächsten Punkt: Weite zugeben, Abnäher verteilen und kürzen und testen. Denn meinen Sloper in einen Fertigschnitt setzen ist viel zu viel Aufwand …

  • doch, dich! ich lese auch die texte:-)
    wenn der gummiband angebracht ist-gibt es genauen wert. zu kontrolle messt man dann auch vom treffpunkt(hals-schulter) bis zu rückenmitte.
    also, wenn man alle 3 messwerte vom rücken nimmt- muss es passen.
    es sei den, man hat die talie falsch sitzen!
    die armausschnitte sind ok(zumindest auf den bilder).
    was noch zu überprüfen gilt ist die vorderweite(von achelhöhle zu achselhöhle) und genau so im rücken.
    berechnungen der schnitte sind formel-das setzt voraus, dass man auch der formel entspricht. es ist in der regel nicht der fall,deswegen alle konstruierte shcnitte benötigen anpassung.
    selbst wenn das mass 43 cm im rücken zeigt und du hast hast resultat, dass es zu viel ist. dann zieh sloper an und gummiband drüber und die lienie, wo gummiband kommt, zeichne ab.
    im falle, dass dein sloper aussehen würde wie das weiße auf dem bild- empfehle ich die seitennähte erstmal aufmachen, damit das teil sich legen kann.

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