So schlimm auch nicht

Ich trage meine Nase weiterhin in Normalposition und das, obwohl die Knopflöcher gestern abend zu nähen waren. Hat ganz ordentlich geklappt, wenn auch die Maschine sich weigerte, den Stoff zu transportieren – ich möchte das als eine charmante Macke ihrerseits betrachten. Gelingt aber nur tagesformabhängig. Aber was lässt sich über diesen Kurzmantel, diese Langjacke sagen?

Zunächst einmal hat der Stoff zwei oder drei Webfehler: ein deutlich andersfarbiger Blauton taucht auf und einige weißliche Stellen. Aber das erleichterte nur mein mutiges Zuschneiden und Vernähen eines Schnittes ohne vorher zu testen. Als ich den Militärtrenchcoat nähte, lag meinem Grundschnitt noch die Anleitung von Harriet Pepin und meine Überanpasserei zugrunde. Dass das gutgegangen ist, verdanke ich dem Umstand, dass “Bekleidung – Schnittkonstruktion für Damenmode” – mein am wenigsten geschätztes Buch zum Thema – eine ausführliche Paßformtabelle enthält, der ich die Zugabe von 15-18 cm für einen halbweiten Mantel entnahm. Nach kurzer Überlegung hatte ich diese Weite schon auf 12 cm herunter gerechnet. Ohne Gürtel wäre dieser Mantel nicht tragbar; viel,viel, viel zu weit. Davon ausgehend habe ich diesmal ledigliche eine Zugabe von 5 cm rundum eingeplant, wobei ich durch das Verkleinern der Abnäher noch etwas mehr Weite heraus geholt habe. Auch die Armlöcher sind tiefer geworden und die Schulter einen halben Zentimeter breiter. Kurz gesagt: Im Grunde ist dieser Mantel zu eng. Auch nicht schön: ich habe den Schnitt nach unten gerade verlängert und nicht leicht ausgestellt – wirkt etwas mopsig.

ABER auf der anderen Seite hatte es eh eine Herbstjacke werden sollen – also etwas, was an kühlen Tagen im September/Oktober über leichtere Sommerkleidung geworfen werden kann. Dafür wäre die Jacke weit genug. Insofern: ich bin ganz zufrieden. Vor allem, weil mir diese Jacke ja nun die Möglichkeit gab, das Füttern zu erlernen. Ich bin nach wie vor niemand, der unbedingt ein schönes Inneres bei der Kleidung benötigt, aber ein Futter, das nicht schlapp in der Gegen herumhängt – na, das brauche ich auch nicht. Und wenn sich als Nebenprodukt ein wirklich schönes Inneres ergeben sollte … da stehe ich ehrfürchtig vor mir selbst 😉

Die Bilder allerdings werden dem kleinen Mäntelchen nicht gerecht: es ist bereits zappenduster gewesen, als ich vor einer halben Stunde vom Einkauf kommend knipste. Der Blitz sorgt für aufgerissene Augen, das Sichtbarwerden des grünen Makeupunterputzes, für falsche Farben und für überzeichnete Falten – schön auch, wie die Hose mit jedem Mal mehr und mehr an den Beinen klebt und sie in Elefantenstampfer verwandelt. Auch die noch nicht ausgekämmten Shirley-Temple-Heizwickler-Locken tragen wesentlich zum aparten Erscheinungsbild bei. Einen schönen Menschen entstellt bekanntlich nichts, alle anderen müssen mit ihren Bildern Frieden schließen.

Die Hose!! Muss sie immer und immer an den Strümpfen entlangfingern??

Also, das ist ein Bild, mit dem ich leben muss. Hätte es auch löschen können, aber ich therapiere mich heute selbst 😉 Ganz klar: OHNE langärmeligen Strickpulli und Bundfaltenhose (also nicht ohne Hose, ohne Bundfalten ;-), stattdessen mit Baumwollröckchen und Blüschen sähe das sehr anders aus …!
Von Armausschnitt zu Armausschnitt dürfte es etwas weiter sein, die Ärmel könnten etwas weiter sein und ab Hüfte sollte der Schnitt weiter ausgestellt sein, aber insgesamt ist es doch nicht ungelungen – vor allem der angeschnitte Kragen mit der sanften Rundund zur VM ist genau so geworden, wie ich ihn mir vorstellte. Geht doch. Irgendwie.



1 thought on “So schlimm auch nicht”

  • Toll gemacht***!

    Ohne Futter wäre die Hose mir persönlich auch nur mit Strümpfen/Strumpfhose zu ertragen. Bin da doch empfindlich

    viele Grüße Patrizia

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