Theoretisch ein hübsches Kleid, praktisch …

… bin ich nicht zufrieden. Zu traurig, aber wahr. Die eine oder andere unter euch erinnert sich sicherlich noch mit Schrecken an mein letztjähriges Grundschnittprobenähen, das sich über Monate hinzog und Frust, Frust, Frust mit sich brachte. Nach wie vor muss ich mich mit der Tatsache anfreunden, dass sich meine Figur komplett geändert hat und ich mich zwischen Teufel und Beelzebub entscheiden muss: Lasse ich alles formlos an mir herunterfallen oder lebe ich damit, dass mein Bauch und meine Hüfte sich immer, ständig, überall in den Vordergrund drängen? Ein Mittelweg wäre schön, liegt aber außerhalb meiner technischen Fähigkeiten. Und meines Nervenkostüms.

Was ärgert mich also noch immer? Eigentlich ärgert mich die eigene Blödheit. Es gab ein einziges, großes Problem mit all meinen Kleidern vor dieser Alles-neu-mach-Aktion: im Rücken warfen sich Falten übereinander, gegeneinander, untereinander. Die sollten nun endlich weg. Theoretisch ganz einfach; das Rückenteil war zu lang. Also probierte ich, kürzte ich, probierte ich, kürzte ich und das immer so weiter, bis keine Falte mehr da war. Und auch, wenn ich Bilder zeigte, war der Rat immer: da muss noch was weg. Irgendwann mittendrin merkte ich: die Taillennaht hat mit meiner natürlichen Taille, die trotz meines kurzen Oberkörpers tiefer lag, gar nicht mehr viel gemein. Aber wenn da noch eine Falte war, die jede (ich auch) als Längenfalte identifizierte, dann musste da doch was dran sein. Irgendwann war alles glatt und ausgehend von der Länge der hinteren Mitte legt ich nun rundum meine Taille fest – horizontal zum Boden. Das fühlte sich eigentlich nicht gut an, aber alles war glatt.

Nun hatte ich außerdem für meine Verhältnisse ganz ordentlich zugelegt: innerhalb von zwei Monaten von 58 auf 62,5 kg, das macht sich bemerkbar. Auch das Alter in Form eines immer weicher werdenden Gewebes machte auf sich aufmerksam. Also musste das wohl alles so sein, mit der höheren Taille und der eingearbeiteten Mehrweite und so.
Ausgehend vom Oberteil machte ich mich an das Rockteil, das so geschnitten sein sollte, das es von der vollsten Stelle des Bauches aus gerade nach unten fallen sollte. Dass ich mir darin sehr fremd vorkam, beachtete ich nicht weiter und schrieb es falsch verstandener Eitelkeit zu.

Wie auch immer, mit diesen Grundschnitten baute ich nun neue Kleider und Röcke und fand zwar, dass sich der Sitz insgesamt verbessert hatte (was vielleicht eher daran lag, dass ich den vier Kilo mehr Platz gemacht hatte, aber wer denkt schon so genau nach), aber das Tragegefühl um die Taille herum bescheiden war. Aber bis Januar nähte ich mir also Kleider, die ja auch alle recht nett sind und im unbeweglichen Stehen auch gar nicht zu sehr zeigen, was nicht stimmt, die mich aber – die ich mich ja auch netto ohne Bekleidung kenne – figürlich sehr verwandelten: mein Oberkörper schien kürzer und meine Hüfte viel breiter. Nicht wirklich das, was ich wollte. Aber so recht wahrhaben wollte ich das nicht – viel zu viele Monate saß ich ja an den neuen Schnitten UND an meiner Wahrnehmung des sich verändernden Körpers.

Erst, als ich über die Vierziger-Kleider den eigentlich obligatorischen Gürtel legen wollte, musste ich der Wahrheit in ihr rotgerändertes Auge blicken: die Taillennaht sitzt zu hoch. Um gute zwei Zentimeter. Rundum. Auch hinten. Bah! Das hat zur Folge, dass sich das Kleid beim Armheben sehr stark hochzieht, dass ein Gürtel um zu viel Rockweite sich wickelt und diese einschnürte und dass ich verformter wirke, als ich es bin. Seitdem arbeite ich stückchweise zur richtigen Höhe mich hin …

kleid115

Ok, das wäre also geklärt, eigentlich wollte ich nur schnell das Januarkleid zeigen 😀 Und zwar mit acht Bildern, was mir viel zu selbstverliebt vorkommt. Aber ich konnte mich nicht entscheiden …

Farblich kommt das Bild dem Original hier am nächsten, also musste ich dieses Bild auswählen.
Farblich kommt das Bild dem Original hier am nächsten, also musste ich dieses Bild auswählen.
... aber hier fällt das Rockteil besser und ich stehe gerade ...
… aber hier fällt das Rockteil besser und ich stehe gerade …
Das Telefon klingelte, ich zuckte zusammen - aber die scheue Momo hat sich aufs Bild geschlichen. DAS kann ich nicht vernichten.
Das Telefon klingelte, ich zuckte zusammen – aber die scheue Momo hat sich aufs Bild geschlichen. DAS kann ich nicht vernichten.
Viel zu hell, leicht verschwommen, aber wer will sich über die Sonne beschweren? Muss also auch bleiben.
Viel zu hell, leicht verschwommen, aber wer will sich über die Sonne beschweren? Muss also auch bleiben.
So langsam hatte ich die Hin- und Herrennerei satt, deshalb ganz innovativ: sitzend.
So langsam hatte ich die Hin- und Herrennerei satt, deshalb ganz innovativ: sitzend.
Die Epauletten sind liebevoll abgesteppt, das wollte ich zeigen - sieht man nicht, aber ich lächle - als Beweisstück dieser Fähigkeit unverzichtbar.
Die Epauletten sind liebevoll abgesteppt, das wollte ich zeigen – sieht man nicht, aber ich lächle – als Beweisstück dieser Fähigkeit unverzichtbar.
Hier sieht man die viel zu hohe Taille.
Hier sieht man die viel zu hohe Taille.
Die Taille rutscht noch höher und außerdem gefallen mir meine Haare auf dem Bild - konnte ich auch nicht löschen ...
Die Taille rutscht noch höher und außerdem gefallen mir meine Haare auf dem Bild – konnte ich auch nicht löschen …

Tja, viel zu viele Bilder, aber immer eine gute Erklärung parat. Ich stellte gerade bei diesem Kleid fest, dass ich noch einiges zu verbessern habe und auch die Ärmel noch ein wenig mehr Arbeit benötigen. Aber nun kommt die warme Jahreszeit und ich kann mich mit Puffärmeln oder ärmellosen Kleidungsstücken noch bis zum Herbst vor dieser Strafarbeit retten. Ich denke, ich sollte mich noch einmal mit einem Schnittprofi zusammen setzen und die kleinen Fehler ausmerzen. Und auf Zucker verzichten und Sport treiben … bah!

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16 thoughts on “Theoretisch ein hübsches Kleid, praktisch …”

  • Liebe Andrea,

    ich weiß nicht, ob Du das lesen magst, ich schreib es aber trotzdem…

    Auch, wenn ich ein wenig jünger bin als Du, bemerke ich ähnliche Formen / Verformungen meines Körpers. Alles, was irgendwie zu viel ist an Gewicht, lagert sich am Bauch ab. Und wenn dort kein Platz mehr ist, im sogenannten “Schwimmring”.
    Der Bauch springt regelrecht hervor und so scheint die Taille hoch zu liegen. Tut sie aber nicht. Zumindest bei mir kann von Taille echt keine Rede sein.
    Das ist die traurige und niederschmetternde Realität und sie lässt mich überlegen, ob ich in Röcken und Hosen reinweg besser aufgehoben bin als in Kleidern.
    Zugegebenermaßen habe ich keinerlei Ahnung von Schnittkonstruktion. Aber ich kann mir – technisch gesehen – nicht vorstellen, wie man eine Kleidform an den nach vorn eilenden Bauch anpassen soll.

    Rock und Hose kann ich auf Taillenhöhe mit einem entsprechenden Oberteil gut und gern tragen. Selbst figurbetonte Oberteile gehen gut. Eine Erkenntnis, zu der auch Du schon vor Monaten gekommen bis.

    Ich mag eigentlich gern Kleider nähen und tragen. Meine Projekte vom letzten Jahr haben mir rein nähtechnisch viel Spaß gemacht. Aber mich plagen die gleichen Passformprobleme wie Dich. Und so werde ich wohl weiterhin nicht gut sitzende Kleider tragen und die Augen davor verschließen…

    Kopf hoch!

    Liebe Grüße

    Katharina

    • 😀 Ich habe gar kein Problem damit, das zu lesen. Aber bei mir ist es etwas anders gelagert als du es schilderst: mein Bauch kollidiert nicht mit meiner Taille, die Schwierigkeit liegt tiefer, denn mein Bauch wölbt sich auf Hüfthöhe sehr stark wieder nach innen und wenn ich dort zu eng schneidere, sieht es sehr nach 5. Monat aus und das mag ich nicht. Mit der relativ kleinen Wölbung nach der Taille kann ich leben, die darf da sein. Sie ist nur viel größer und prominenter, wenn die Taille darüber zu hoch sitzt, denn dann überspannt der Stoff ein Vakuum (also von der Seite von der Taille zur breitesten Wölbung) und lässt meine Mitte viel runder, höher und breiter erscheinen. Und all das habe ich nicht bedacht, als ich nur darauf fokussiert war, den Rücken hinzubekommen. Und DAS – also mein Blind-/Blödheit ärgert mich massiv. 😀

      Hosen gehen für mich deshalb gar nicht mehr, denn entweder ich muss sie wirklich sehr sackig schneidern oder aber damit leben, dass ich wie eine Erdnuss in ihnen aussehe…

      • Hm, neee, das Bauchproblem erscheint mir schon identisch.
        Mein “Unterbauch” ist auch flach. Wenn ich eine Hütfhose trage, hängt der Bauch drüber. Unschön. Im besten Falle seh ich schwanger aus.
        Ich hab also Bauch oberhalb dieser Bund- / Gürtellinie. Das ist mit Röcken, deren Bund in etwa Nabelhöhe hat, gut kaschierbar. Mit Kleidern schwer. Eben durch das “Vakuum”, wie Du so schön schreibst.

        Aber ich mag nicht mit Dir streiten ;o) Dafür bin ich auch viel wenig eingetaucht in das Thema “Schnittkonstruktion”.

        • Hmm, hast du dich jetzt verschrieben oder sprechen wir doch über das Gleiche? Wenn du sagst, du hast oberhalb der Bund-Gürtellinie Bauch – meinst du dann vielleicht darunter?
          Denn oberhalb des Bundes habe ich keinen Bauch, der fängt etwa 10 cm darunter an … und das geht mit Kleidern eigentlich wunderbar, weil sie genau das perfekt verstecken. Wenn man nicht so dumm ist und die Taille nicht dahin baut, wo sie ist 😛

          • Ich habe jetzt einfach nochmal bei dir im Blog geblättert, da kann man ja viel besser erkennen, wovon wir sprechen 😀
            Da würde ich sagen, wir meinen in der Tat verschiedenes – einfach, weil wir figürlich weit auseinander liegen. Du bist vom Körperbau eher gerade, während bei mir nur der Oberkörper gerade ist. Bei deinem Hosenpost hattest du ja deine Maße genannt – von einem Hüft-Taille-Unterschied von 15 cm kann ich ja nur träumen; bei mir sind es aktuell 32 cm 😀 Das macht dann in der Schnittführung schon eine Menge aus und ist etwas, worauf ich zusätzlich Rücksicht nehmen muss – leider.

            • Egal wie – ich mag Dich trotzdem gern ;o) !!!
              Wo auch immer wir unsere Bäuche so haben, werden wir mit bloßen Worten vermutlich eh nicht (er)klären können.
              Ich bin gespannt, welche Richtung Deine weiteren Kleider nehmen werden.

              • Davon halten uns ja Bäuche nicht haben, vom einander mögen 😀 Die Richtung bleibt die gleiche, nur die Taille kommt dahin, wo sie hingehört, Dann habe ich auch nicht ständig das Gefühl, dass meine Rippen eingequetscht werden von einer unelastischen Quernaht 😀

    • “Aber ich kann mir — tech­nisch gesehen — nicht vor­stellen, wie man eine Kleidform an den nach vorn eilenden Bauch anpassen soll.”

      Dazu gibt es eine Theorie in meinem Buch “Burda – Nähen leicht gemacht”. Das Buch enthält keine Jahresangabe, stammt aber noch aus Zeiten der DM. Darin gibt es ein Kapitel “Dicker Bauch” (wie uncharmant), das die Schnittanpassung beschreibt und dazu 4 Abbildungen zeigt.

      Ich versuche, es kurz zu beschreiben:

      1. Erforderliche Mehrlänge für den Bauch ermitteln
      Messen der Länge von Taillenband bis Boden an VM und Seite.
      Mehrbedarf = Länge VM – Länge Seite – 1.

      Jetzt die Schnittanpassung:

      2. Beim Rockschnitt vorn ca. 10 cm unterhalb Taille waagrechte Linie (H1) zeichnen. (Sie wird später zum Aufdrehen aufgeschnitten.) Diese Linie liegt unter dem Abnäher.
      3. Senkrechte Hilfslinie (H2) zeichnen von Taille bis H1 im Abstand zu VM = 1/10 Hüftweite – 1. Die Linie H2 bis H1 wird später aufgedreht und ergibt den 2. Abnäher, der 2 – 3 cm kürzer wird als der erste Abnäher. (Also nur bis zu die diesem Abstand aufschneiden, nicht durchschneiden!)
      4. H1 und H2 aufschneiden, Die berechnete Mehrlänge über H1 im Bereich zwischen VM und H2 einfügen, dann keilförmig bis zur Seite auslaufen lassen. Durch das Aufdrehen ergibt sich der 2. Abnäher.
      5. Die durch den 2. Abnäher entstandene Mehrweite der Taille seitlich wieder wegnehmen.

      Das war’s für den Rock. Es entsteht ein Beutelchen, in das der Bauch bequem passt.

      Bei einem Kleid ohne Taillennaht geht der “Bauchbeutel” ganz ähnlich.
      Pkt 1 und 2 sind identisch.
      3. Senkrechte Hilfslinie (H2) zeichnen von H1 bis Saum im Abstand zu VM = 1/10 Hüftweite – 1. Die Linie H2 bis H1 wird später aufgedreht.
      4. H1 und H2 aufschneiden, Die berechnete Mehrlänge unter H1 im Bereich zwischen VM und H2 einfügen, dann keilförmig bis zur Seite auslaufen lassen. Durch das Aufdrehen ergibt sich ein senkrechter Keil nach unten zum Saum hin.
      5. Die durch den senkrechten Keil entstandene Mehrweite im Rockteil seitlich wieder wegnehmen.

      Ich hoffe, das ist auch ohne Abbildung verständlich.

  • Du wirst das Kleid aber schon tragen, oder? Ich finde es sehr hübsch. Und die Farbe!
    Und ausserdem “in echt” sieht es bestimmt noch viel besser aus, genauso wie es bei allen anderen Deinen Projekten war die ich eigenäugig sehen dürfte …

    • Ja, ich trage es und ich trage es oft, denn es ist bequem, bewegt sich sehr schön und ist praktisch. Außer bei zu viel Hausarbeit, da merkt man dann doch: es ist Poly 😀

  • Ja hallo! Entschuldigung ….. ich seh nur noch Beine. Spätestens bei innovativ sitzend kommt man doch nicht mehr drumrum. Was für unglaubliche Beine du hast! Schon ärgerlich, wenn man auf’s falsche Pferd gesetzt hat irgendwie und alles hat Nerven und Mühe gekostet.
    Ich finde das Kleid sehr schön , die Farbe steht dir wunderbar und diese Beine….
    Nee, ich wollte sagen in echt sieht es doch meistens besser aus. Mit Bewegung , Lichtspiel und Persönlichkeit .
    Herzliche Grüße von Nina

    • Achja, die Beine, mein altes Leid … früher, vor 30 Jahren, hieß es immer: du hast sooo lange Beine und das galt als Wert an sich und Trost für all das andere, was mir fehlte 😀 Dafür waren (und sind) immer alle Hosen, Röcke, Kleider, Strümpfe zu kurz.
      Heute heißt es ja immer: dein Oberkörper ist zu kurz – außerdem finde ich meine Beine noch immer zu dünn, kann damit jetzt aber wenigstens leben 😀

      Und du hast recht: die Farbe und die Bewegung machen das Kleid eben doch hübsch, ich ärgere mich einfach nur über diesen einen Fehler, grummel …

      Aber danke, danke, danke dir – für heute bin ich dann mit meinen Beinen mal versöhnt, wie lieb von dir 🙂

  • Also mir gefällt das Kleid sehr. Die Farbe ist wunderschön, der Stoff fällt toll und die Raffung an den Schultern ist ein interessantes Detail.
    Ich sehe was du mit zu hoher Taille meinst und man sieht schon, dass sie höher liegt als sie natürlich sollte. Aber dann gib es doch einfach als gewollt aus 😉 Denn sitzen tut das Kleid schon schön. Nicht Empire- oder gar Babydoll-Linie, einfach ein wenig höher als sonst. Den Gürtel würde ich dann aber wohl weglassen, vielleicht eher Akzente setzen mit einer Ketter oder so. Hat dann vielleicht mit den 40ern nicht mehr so viel gemein wie anfangs geplant, aber solange es gut aussieht 🙂

    • Danke dir, du Liebe 🙂 Ich trage es auch recht gerne, das sagt dann schon alles. Aber eben drum ärgert es mich so, es hätte einfach ganz richtig sein können mit so wenig Aufwand … grummel …

  • Liebe Michou,
    ich habe jetzt eine Weile nicht mehr bei Dir vorbeigeschaut, und ich finde, Du siehst viel besser im Gesicht aus, weicher und nicht mehr so abgespannt. Wenn das die 4 Kilos sind, steht Dir das sehr gut. (Ich bin sicher, dass Du das nicht gerne hörst 🙂 ) Dein Kleid gefällt mir richtig gut, es hat eine wunderbare Farbe und die etwas zu hohe Taille macht aus dem “kurzen” Oberkörper eher eine Tugend als eine Not. Und es betont Deine wirklich tollen Beine.
    Liebe Grüße, Stefanie

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