Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser!

So, ich bin nun in dem Alter, in dem ich mit banalen Weisheiten und einprägsamen Sprichworten um mich schlagen darf. Reif und weise habe ich den Großteil dieser Aussagen durch eigene Erfahrung überprüft, wackele sanft mit dem Kopf, hebe den greisen Zeigefinger bebend und verkünde:

“Genau so ist das! Ohne Kontrolle geht ja man garnischt!”

Nun muss ich zugeben, dass ich nicht etwa die Mitmenschheit vertrauenslos zu kontrollieren denke, wobei das je nach Sparte des Menschen sicher gut wäre/ist, sondern mich und meine Nähmaschine. Noch bin ich nicht sicher, dass ich das Problem komplett behoben habe, aber zumindest habe ich eine Ursache gefunden. Vielleicht sogar DIE Ursache…!

Seitdem ich in den letzten Monaten zunehmend mutiger geworden bin, was meine Schnittkonstruktion und die Auswahl der Silhouette, Form u.ä. angeht, neige ich aber auch zunehmend dazu, relativ entspannt Dinge in die Tonne zu kloppen, die sich als nicht willig erwiesen haben – da steckt schlicht die Erfahrung dahinter, dass ich keine gute Änderungsschneiderin bin, sondern fast alles, was ich unbedingt hinbekommen will, verschlimmbessere, bis es jenseits von Gut und Böse und Errettbar ist. Also spare ich mir diesen Schritt oft. Meine Zeit ist kostbar geworden.

Gestern allerdings stand ich doch etwas bass erschlagen vor dem Kellerflurspiegel und betrachtete den viel zu engen Sattel des Rock ungläubig; ein Hauch von Frust mag mit beigemischt worden sein. Nachdem ja alle Röcke und Rockvariationen der letzten Zeit perfekt saßen, empfand ich das als persönliche Niederlage, als Beleidigung sondergleichen. Als ich heute morgen jedoch – nachdem ich gestern ENDLICH nach Monaten den Fitnesskeller zu seinem Zwecke betrat und mir heute noch kein Stückchen Zuckerwerk gönnte – als ich also vor dem Rocke stand, es doch schade um ihn fand und zum Maßband griff, um meine Taille zu messen (hallo, 12 Stunden Entsagung sollten ja wohl einen Erfolg zeitigen!!!), da nahm ich ihn von der Puppe und betrachtete ihn ausgiebig. Ich legte das Papierschnittteil auf, welches keine Abweichung zeigte. Ich legte es auf den Grundschnitt, um ebenfalls eine hundertprozentige Übereinstimmung zu zeigen. Es lag das Nichtpassen also nicht – wie ich sofort annahm – an meiner mangelhaften Konstruktion oder an meinem schlampigen Zuschnitt (der war nämlich doch akkurat), sondern an irgendetwas anderem – zusätzlich zu den Zentimetern an Taille, Bauch und Hüfte. Der Stoff ist recht steif und fies kratzig (übrigens ein Geschenk von Ingrid – wolltest du mir damit etwas sagen? 😀 ) und könnte durchaus eine Rolle spielen.

Oder aber – die Seitennaht kam mir merkwürdig wellig und breit vor … vielleicht ist es nicht die beste Idee, mit Husten zu nähen, nur weil die Familie außer Haus ist? Ich maß nach und stellte fest: 1,5 cm NZ – ich verwende grundsätzlich 1 cm. Hmmm …. aber ich stelle meinen Abstandhalter doch richtig ein? Ein kleiner Test ergab: auf einer langen Strecke drückt sich das dumme Ding immer weiter nach außen – das muss neu sein, eine fatale Altersschwäche.

Nun habe ich nachgenäht und werde gleich mal probieren. Wenn er dann doch passt, mache ich morgen Bilder 😀 Aber wenn man sich schon auf seine Nähmaschine nicht mehr verlassen kann, wo soll die Welt noch enden???



4 thoughts on “Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser!”

  • Abstandshalter … pfh! Hightech-Teufelszeug. Wenn so ein Zubehörteilchen nicht mindestens halbjährlich den Servicetechniker sieht, muss frau sich nicht wundern. 1/2 cm daneben, das wäre mit dem guten alten Augenmaß 1.0 (Schnittkante an Maßrille) nie passiert …
    … und schnell noch ein total unernstes Helau, Alaaf, Narri-narro hinterher 😉 …

    Viele Grüße
    Ursula

    • Wo du recht hast – das schwabbelige Ding hält sich an keine Absprache und ich renne blauäugig hinterher. Jetzt gewöhne ich mich um und schaue auf die Kerben und trainiere mein Gefühl – denn wenn ich anzeichne, dann stimmen die Maße meist auf den Millimeter genau, also sehe ich Potential bei mir 😀

      Alaafe dann mal schnell zurück!

  • Soso, mein Stöffchen ist der Dame also zu kratzig. Dann brauche ich ja gar nicht mit den Wollcoupons ankommen, die ich beim Ausmisten gerade als “Michoustoffe” klassifiziert habe 😀

    Ich nähe ohne Abstandshalter, das ist mir zu frickelig. Auf den modernen Nähmaschinen sind doch auf der Stichplatte diese Linien drauf, die reichen mir als Orientierung. Allerdings vergesse ich dann beim Nähen schon mal, ob ich jetzt einen Schnitt mit 1,5 cm NZG oder einen mit 1 cm verwendet habe und bei Mehrbahnenröcken macht das dann schnell ein paar Zentimeter aus.

    • Oh, du darfst mir gerne auch kratzige Stoffe zukommen lassen – ich besiege sie alle 🙂 Vernähen ließ er sich ja fantastisch, aber nachdem der Rock nicht passte, musste der Stoff ja schuld sein … passt jetzt übrigens deutlich besser, aber irgendwo ist da noch ein Fehler eingebaut, aber egal jetzt. Und ein Kilo muss runter, dann wird es wohl schon gehen …

      Ich frage nochmal leise nach: bist du denn bald mal in der Nähe?

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