Viktor/Viktoria

Der Klassiker der Geschlechtertauschfilme kommt aus Deutschland und das aus dem Jahr 1933; manche Dinge erstaunen nur auf den ersten Blick. Die Geschichte einer erfolglosen Sängerin, die für einen männlichen Frauendarsteller gehalten wird und oft kaum selbst noch weiß, wer oder was sie ist, ist das Produkt der Weimarer Zeit mit ihren sich auflösenden Geschlechterrollen und der Sucht nach Leben und Unterhaltung. Das Ende, bei dem Frau wieder ganz zu Frau wird, weil sie sich als Mann nicht beweisen kann, herbeigeführt durch den Mann, in den sie sich verliebt hat und der ihr unbedingt beweisen muss, dass er sich nur deshalb zu ihr hingezogen fühlte, weil sie eine Frau ist – ach, der Satz könnte noch viel wurmiger und länger werden und käme doch nur zu dem Schluß, dass am Schluß alles ist, wie es am Schluß alles sein muss. Aber da sich daran bis heute nichts geändert hat, werde ich das einem über 80jährigem Film nicht vorwerfen.

Aber spätestens mit diesem Film, mit Coco Chanel in der Jagdkleidung ihres Freundes, mit Marlene Dietrich in Herrenanzügen und Katherine Hepburn in weiten Hemden und weiten Hosen kam das männliche Element in die weibliche Mode. Zumindest so, wie wir Kleidung und Mode sehen, denn schon in den Jahrhunderten zuvor gab es dieses Spiel immer wieder einmal: männliche geschnittene Jacken über weiblichen Reifröcken regte schon die Phantasie im Rokoko an. Und nun trägt es mich schon wieder weg vom eigentlichen Sinn des heutigen Beitrages. Altwerden bringt mich noch mehr vom Hölzchen aufs Stöckchen, also zurück auf den Weg.

Nun, mit einem Kleiderschrank voller enger Hosen war es klar, es fehlen weite Hosen. Und ich wünschte mir eine, die richtig, richtig weit und lässig ist. Entschieden habe ich mich für einen fertigen Schnitt, weil ich überhaupt keine Lust aufs Hosenkonstruieren habe – gewählt habe ich Simplicitiy 1017 in der geraden Version, dafür eine Nummer größer, so dass Bund und Schritt tiefer als vom Designer vorgesehen sitzen.

Was soll ich groß erzählen, erkennen kann auf diesen spätnachmittäglichen Bildern eh nicht viel, also spare ich mir das für die nächste Version, die dann einen Tick enger und einen Tick länger sein wird und deren Taschen nicht doppelt und dreifach liegen werden. Also Bilder – geschossen vom Neunjährigen:

 

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Nunja, erst einmal Minusch kraulen und hoffen, man könne etwas erkennen von Schnitt und Fall der Hose.

 

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Vielleicht frontal, die Bluse säuberlich in den tiefen Bund gesteckt? Nein, mehr erkennen kann man auch nicht, dafür sollte vielleicht die Kameralinse einmal gereinigt werden – ich trage keine weißen Zauberamulette auf der Brust.

Aber jetzt mit Weste drüber – leider nicht so unschlagbar cool wie die Version Arletts, die mir ihren kopierten Schnitt überlassen hatte und den ich noch besser hätte anpassen können und sollen, aber ach, lasst mich nicht erzählen, wie ich den Abnäher an eine ungünstige Stelle haben zeigen lassen und dann an der fertigen Weste versuchte, eine Operation im Endoskopieverfahren (sozusagen) vorzunehmen, ach ja, lassen wir das …

 

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Und weil wir einsehen mussten, mit dem Licht wird es an dieser Stelle nichts mehr werden, haben wir es vor dem Fenster versucht – wo ich alte Frau mich endlich einmal setzen durfte:

 

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Man beachte übrigens die Rosen im Hintergrund, die mir der Gatte gestern abend überraschend überreichte – das kommt ungefähr alle 7,5 Jahre vor; so schnell verfliegt die Zeit.
Aber so entzückend ich mein Kind auch finde, ich bin und bleibe vor jeder Kamera befangen, wenn ich nicht sehe, was geschieht. Vor einiger Zeit stellte ich überrascht fest, dass ich selbst mit wenig schmeichelhaften Bildern meiner Webcam besser klarkomme als vor jedem sehr guten Bild von fremder Hand oder per Selbstauslöser: sobald ich sehe, was geknipst wird, fühle ich mich deutlich gelöster und mehr wie ich selbst – sowohl während des Fotografiertwerdens als auch beim Betrachten des Bildes. Ich befürchte, das hat etwas mit Kontrolle und Kontrollverlust zu tun – eine Erkenntnis, die mich erschüttert, denn weder bin ich ein besonders kontrollierter Mensch noch dachte ich, dass mir das wichtig wäre. Und da könnte ich mich glatt aus nächste Stöckchen stürzen – ein Glück für mich und euch, dass ich langsam Richtung Küche mich bewegen sollte …

 

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