Vom Schaffen und Erledigen

Ja, hahahaha – nicht, dass jemand glaubt, ich hätte davon Ahnung. Wie die letzten Wochen zeigen, deutlich zeigen, weiß ich nichts darüber, wie man verschiedene Aufgaben und Pflichten und Wünsche in einem Tag oder einer Woche vereinigt. Ach was, seien wir ehrlich: innerhalb eines Monats, der sowohl die letzte Woche der Vormonats als auch die erste des Folgemonats beinhaltet.

Immerhin habe ich im Laufe der Jahre die Einsicht gewonnen, mir für die Schulferien der Jungs nichts mehr vorzunehmen – manchmal schaffe ich es während der ersten Woche, ein schlichtes Oberteil oder sehr einfaches Kleid zu nähen, aber spätestens, wenn der Gatte ebenfalls Urlaub hat, bin ich froh um jede Viertelseite, die ich lese. Ansonsten turne ich zwischen Küche, Bad und Wäschekeller umher, so ich nicht gezwungen werde, aushäusig zu essen, zu laufen oder zu shoppen. Mitunter ist das nett und erfreulich, doch wenn mir die Zeit davonrennt und ich nach der Aushäusigkeit ein gesundes Abendessen auf den Tisch zaubern soll, während drei Familienmitglieder ratsch kaputt in der Ecke liegen … was soll ich sagen? Ich befinde mich in der üblichen Falle der nichtberufstätigen Mutter und Hausfrau, die a) alles schneller alleine erledigt, als stundenlang auf die Bande einzureden und b) sich ob ihrer angeblichen Freizeit en masse ja wenigstens bereit finden sollte, die paar Nettigkeiten für Versorger und Brut zu erledigen. Nun ist es aber so, und das werden die meisten Vollzeitdaheimbleiberinnen wissen, dass es wie durch Zauberhand zehnmal mehr zu tun gibt als noch zu den – manchmal mit Sehnsucht betrauerten – Zeiten der Berufstätigkeit. Weil schlicht die Ansprüche der Aushäusigen wachsen. Enorm wachsen. Waren früher auch mal Nudeln mit Tomatenmarkmix eine Köstlichkeit (“Nudeln, warm, Käse – hurra!”), so erwartet die Bande von der Vollzeitversorgerin jeden Tag etwas Neues, auf jeden individuell abgestimmt. Natürlich zu unterschiedlichen Zeiten. Auch liegen sämtliche Kleidungsstücke nach einmal Tragen in der Wäsche, bedeckt von nassen Handtücher oder fleckigen Spültüchern, die das Waschen erst notwendig machen. Der Gatte merkte einst an, dass er es viel gemütlicher fände, wenn seine Schlafshirts nicht verknuddelt wären … bitte wie? Soll ich dir auch die Bettwäsche bügeln? Beinahe hätte er das bejaht.

Aber natürlich sind es bei mir und aktuell nicht nur die gestiegenen Ansprüche – es sind auch die Ansprüche an die Bande gestiegen und damit die Zeiten, zu denen ich in die Schulen fahre, zum Sport transportiere oder Hausaufgaben nachschaue. Der “Kleine” ist seit einer Woche auf meinem alten Gymnasium, sogar in meiner Französisch-Klasse, und Elternengagement ist zu Anfang sehr gefragt und erwünscht. Der Große sammelt weiterhin Probleme in seiner Schule, die zum Teil seltsame Vorstellungen vom Sozialverhalten Elf- und Zwölfjähriger hat. Der Gatte ist auf eine neue Stelle gewandert, was in den letzten Wochen für Gesprächsstoff sorgte. Kurz: jeder will was von mir. Das sehr seltene Wäschewaschen und Chauffieren für meine Mutter spielt keine große Rolle, ist aber gedanklich immer präsent.

Überhaupt, die gedankliche Präsenz aller Aufgaben … ich habe eine kleine Schreibtätigkeit angenommen und stelle fest, dass ich viel seltener Zeit und Muße finde, als ich es mir dachte. 60% sind geschafft; angeblich läuft der Rest von selbst. Sitze ich erst einmal mit Ruhe daran, komme ich gut voran. Aber bis ich alle Gedanken an Haushalt, Familie und Tiere abgestellt habe, dauert es. Denn nur durch Erledigung der Arbeiten ist der Gedanke entfernt. Sehr lästig das. Blöd ist nur, dass ich entsprechend lange für das Putzen, Waschen, Bügeln brauche, weil ich ständig an ALLES denke, was ich erledigen muss. Schlimmer, an ALLES, was ich machen muss und machen möchte. Seit Wochen habe ich nichts erfolgreich genäht, ach, noch nicht einmal erfolglos genäht und mein Stoffvorrat und die Nähpläne lasten auf mir. Eine Unmenge an Büchern warten auf mich; doch lese ich seit zwei Wochen an einem Krimi, bei dem ich noch nicht einmal das erste Drittel bewältigt habe.

Dass wir nun unseren Hund haben, der sich fantastisch entwickelt, einiges an Gewicht verloren hat und sogar schon ohne Leine über eine Wiese tollen kann und darf und immer zutraulicher wird, also, dass ich zwei- bis dreimal pro Tag für eine gute Stunde raus muss, hilft dem Bad, das ums Putzen bettelt, nicht weiter. Auch jetzt schaue ich entsetzt auf die Uhr – kann es sein, dass der Tag bald vorbei ist? Ich gleich in die Küche eilen muss, um zu kochen? Es war ein sehr schöner Tag, doch wieder einmal kein sehr produktiver. Oder bin ich zu streng mit mir? Schaue ich mir die Wäscheberge an … wohl eher nicht. Ab heute behaupte ich, der Bohème zugeneigt zu sein. Dann passt es wieder. Aber eigentlich suche ich nach dem Erfolgsrezept, konsequent und diszipliniert Nötiges und Freudiges zu erledigen, anstatt mit schwirrendem Kopf zwischen allem hin und herzuflitzen. Mich zum Schreiben dieser Tirade aufgerafft zu haben, tut auf jeden Fall gut. Yay!



8 thoughts on “Vom Schaffen und Erledigen”

  • Ja, ja und ja. Ich war jedenfalls froh, dass wir nach zwei Wochen endlich wieder zu Hause waren. Denn so schön Urlaub ist, aber die Wäscheberge und Auspacktiraden danach… Bis alles wieder im Alltagstrott ankommt und man sowas wie freie Zeit haben könnte… Aber da kommen wieder die Elternsitzungen in Kiga und Schule. Und das Herbstfest, die Grillfeier… Manchmal schwirrt der Kopf, da verstaubt das Nähzimmer. Ich wünsche Dir auf jeden Fall mehr Zeit ohne diesen Stress im Hinterkopf. LG

    • Nicht zu vergessen, die Einpackerei und Schnell-noch-Erledigen-vor-der-Reise-Ideen vor der Fahrt. Kinder, die beschäftigt werden wollen oder wie bei uns, wieder eingefangen werden müssen. Und der eigene Anspruch, der wohl auch wächst – man kann sich herrlich jeck machen und macht man es nicht selbst, dann tun es andere 😀
      Ich wünsche dir in jedem Fall das Selbe, du hast dich ja schließlich mehr getraut als ich in Sachen Familiengröße! Respekt!

  • Sehr schön bemerkt: “zehnmal mehr zu tun gibt als noch zu den – manchmal mit Sehnsucht betrauerten – Zeiten der Berufstätigkeit.” Ich genieße ja selber gerade den Luxus, zuhause zu sitzen zu dürfen. Ich fass es nicht, wie viel Arbeit ich mir mache. Manchmal möchte ich mich selber vor die Tür setzen.
    Allerdings arbeite ich seit Jahren mit A5 – ToDo – Listen, die mir den Kopf einigermaßen freihalten.

    • Wahrscheinlich haben wir zu Arbeitszeiten wesentlich mehr an schlechtem Essen, Unordnung und Bügelfreiheit toleriert als heute. Wenn du zu Hause bist, siehst du auf Schritt und Tritt Arbeit, die mal erledigt werden sollte und verblüffend viel Zeit in Anspruch nimmt.
      Die Listen habe ich abgeschafft – das Endergebnis war zu frustrierend 😀
      Maxi war übrigens das erste Mal bei Regen mit mir unterwegs und schleckt sich gerade wieder hübsch …

  • Und ist es nicht erstaunlich, wie sich die blank gräumten und geputzten Stellen unmittelbar wieder mit Chaos und Dreck füllen? Meine Eindruck ist, das Universum duldet kein Vakuum. Doch es scheint aufgräumte Stellen als ein solches anzusehen.
    Mit Listen zu Beginn des Tages habe ich aufgehört, ich bedenke abends, was sich geschafft habe. Manchmal sind das dann sogar Dinge, die ich auf eine “Morgenliste” gesetzt hätte. 🙂

    • Vor allem, mit welcher Schnelligkeit das geht. Wobei ich glaube, dass das Universum männliche Wesen zum Auffüllen des Vakuums nutzt 😀 Als ich noch Single mit zwei Katzen war, habe ich einmal die Woche gründlich geräumt und geputzt und das reichte. Heute hält das eine halbe Stunde maximal …

  • ich denke unsere Ansprüche an uns selbst und unsere Umgebung wachsen auch. Ich frage mich ob meine in der Erinnerung angeblich so saubere Singlewohnung tatsächlich so wäre wenn die heutige ich sie beträte ….
    (todo Listen sind keine schlechte Idee übrigens)

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