Wahl der Woche

Meinem Alltag fehlt Struktur, irgendwie. Mir auch – vor allem im Bindegewebe … gut, das ist ein ander Thema und wird für heute ausgelassen. Aber ernsthaft: früher, noch mit eigenem Geschäft oder der Farm, war mein Arbeitstag fest eingeteilt und meine Freizeit betont entspannt. Heute mit zwei wilden Jungs gibt es Freizeit in meinem Sinne nur gelegentlich und dann so kurz und überraschend, dass ich mich so schnell gar nicht entspannen kann. Und der Alltag ist in Zeitzonen eingeteilt, die alle sowohl fremdbestimmt als auch unregelmäßig sind – bestimmt durch den Schulschluß der Jungs und dem Heimkommen des Gatten – kommt er, kommt er nicht, kommt er jetzt oder zwei Stunden später. Dadurch entscheidet sich, wann gegessen wird: mittags zwischen 12:00 und 14:00 Uhr, abends zwischen 18:00 und 20:00 Uhr. Muss ich noch extra erklären, dass natürlich nicht die Mittagszeit um 14:00 Uhr zu der Abendessenzeit um 20:00 Uhr gehört?
Dazu kommen die Sportzeiten der Jungs, diverse Spielfreunde, unterschiedlich viele Hausaufgaben und generelle Laune der anwesenden Hausbewohner. Zwischen all diesen Fixpunkten kann ich meine Zeit frei einteilen – wenn ich die “Putz mich!”-, “Wasch mich!”-, “Koch mich”- und “Saug mich”-Rufe des angeblich leblosen Inventars zu überhören in der Lage bin. Machen meine Ohren mit, tun es meine Augen nicht …
Von Zeit zu Zeit werde ich in meiner Freiheit/Freizeit von klingelnden Postboten, angemeldeten Schornsteinfegern, Zähluhrenablesern und Handwerkern behindert oder es fallen Krankheit, Eisstürme und ausfallende Blinklichter ein. Irgendwas ist immer. Sitze ich dann abends irgendwie erschöpft, obwohl nicht mehr wissend, wovon (sehen kann man es meist eh nicht mehr – Boden um 10:00 geputzt, Kinder um 12:00 ins Haus gelassen, Boden um 12:01 brüllt nach Reinigung) und genervt auf dem Sofa, kehrt der Gatte heim und konstatiert, dass er es so gut auch gerne hätte …

Alles wabert und schwabbelt also ungeordnet um mich herum und die wirklich freien Tage rieseln mir wie Seesand aus der Hand. Seit ich im Dezember in eine mittlere Depression verfiel und von dort bis zum Januar/Februar die meiste Zeit in einer Sporthose auf dem Sofa verbracht hatte, mich zum Kochen und Bügeln und Aufräumen nur mühsam aufraffen konnte, habe ich etwas Schwierigkeiten, mir diese nötige Struktur zurück zu geben. Der Frühling, der irgendwie erreichte, soll es richten. Zumal ich mich deutlich besser fühle: nach wie vor komme ich mit der schweren Krankheit meines Vaters, ihrem schnellen, ja rasanten Verlauf und seinem Tod nicht gut klar – es tut mir leid, wenn das nun jemand liest, der das nicht möchte. Aber mir tut es gut, das klar zu formulieren. An Heiligabend wäre mein Vater 77 Jahre alt geworden, das war sicher der Höhepunkt meiner Trauer/Depression. Am 28. Februar war es dann “schon” ein halbes Jahr her – das war dann der Tag, an dem ich zum letzten Mal bis jetzt rettungslos weinend verbracht habe. Traurig bin ich nach wie vor, denke oft daran, schiebe es meist zart beiseite und fühle mich besser und gefestigter. Nun braucht es eben Ordnung, um mich mit dem täglichen Leben wieder zu versöhnen. Muss ja nicht unbedingt dazu führen, dass ich die Treppe freudig putze …

Was aber will ich damit sagen? Ich möchte versuchen, jeden Sonntag wenigstens fünf Dinge zu verlinken, die mir in der Woche besonders gut gefallen haben – das wäre ein fester Termin gefüllt mit Positivem. Hört sich therapeutisch klug an. Dazu kommt dann der Montag mit einer Anleitung. Beides darf, soll, will auch angemahnt werden! Also los!

Gefreut habe ich mich über zwei Röcke, eine Bluse und ein Kleid:

Wiebkes gelber Rock kündigte die Sonne schon an, ebenso ließ Ernchen den Frühling hinein – mit einem Rock in altrosa. Wie schön wäre es, beide komplett in ihrer ganzen Schönheit zu sehen. Also die Trägerinnen 🙂
Lucia hat das schönste Oberteil gezeigt, das ich seit langem gesehen habe – da werde ich sie wohl bearbeiten müssen, mir bei so etwas zu helfen. Steffi präsentierte sich von Kopf bis Fuß und kombinierte ihre Einrichtung zum April-Geburtstagskleid.

Außerdem warte ich nun gespannt auf die neue Zeitschrift, an der unsere beste Constanze mitarbeitet: Vintage Flaneur, deren Redaktion dazu – welch Überraschung! – in der Bonner Altstadt residiert. Ganz abgesehen davon, dass ich Zeitschriften liebe und gerne neue Erscheinungen an mich reiße, hoffe ich auf wichtige Konferenzen, bei denen Constanze nicht fehlen darf. Danach, wenn sie erschöpft und ostfriesenteedurstig sein wird, kommt sie gar nicht an mir vorbei … wird ja auch echt Zeit, dass wir uns sehen.

Das wären schon fünf, aber zwei habe ich noch – soviel Optimismus führt hoffentlich nicht zu Nebenwirkungen, gefährlichen und unerwünschten. Da wäre einmal ein Rezept bei der Brigitte, das ich gestern entdeckte und nächste Woche unbedingt testen will – dann essen die Kinder eben Schokolade, wenn sie wieder nölen: Spiralnudeln mit Ricottabällchen. Hätte ich Pinienkerne im Haus, so gäbe es sie heute.
Sehr glücklich machte mich in der vergangenen Woche beim Nähen die Musik – Max Raabe rauf und runter. Gemixt mit Annett Louisan und Zaz. Alle drei höre ich öfter, aber letzte Woche gönnte ich mir eine weitere CD des Herrn und habe Spaß. Sehr zu empfehlen, wenn man gerne mitsingt, mit den Füßen tappt und den Hüften schwingt und dabei zuschneidet und Nähte steppt.

Jetzt bin ich gespannt, was mir nächste Woche feines über den Weg laufen wird – das Highlight steht schon fest: der Samstagnachmittag wird Simone, Arlett und Manu zum gemeinsamen Nähen in mein Wohnzimmer beamen. Mädels, frühstückt nicht zu viel, irgendetwas mit Käse und Sahne wird vermutlich auf dem Tisch stehen …



18 thoughts on “Wahl der Woche”

    • Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, das zu lesen und zu kommentieren – wenn du die Nudeln vor mir probieren durfest, wünsche ich mir eine schriftliche Geschmacksprobe – Ricottabällchen, das klingt doch fein!

      • Mache ich doch gerne. Mir fehlt übrigens die Aubergine, Pinienkerne habe ich immer im Haus. Deshalb wird es bei mir vor morgen auch nichts damit. Eine wirklich schöne Idee mit den Links. LG

        • Ja die Aubergine – die werde ich weglassen, weil dann wirklich keiner hier probiert … werden Pinienkerne nicht so schnell ranzig? Deshalb habe ich die nie auf Vorrat hier, aber wenn du sagst, das geht …?

          • Ich benutze sie öfter mal. ZB in/auf Kuchen, bevorzugt Apfelkuchen oder auf Salat, die Kinder essen sie gern. Oder am liebsten im italienischen Nudelsalat mit getrockneten und frischen Tomaten, Mozarella, Zwiebeln und Basilikum. So lange liegen sie hier also auch nicht. LG

  • Das mit der Struktur kann ich nachvollziehen – bei mir ist es zwar nicht die Familie, die die Abläufe durcheinanderwirbelt, sondern “nur” der Arbeitsalltag, aber der und die Erkrankung meiner Mutter reichen… (wir sind in Chemo 2)

    Aber ich hab mir inzwischen einen Putzplan gemacht (bestimmte Aufgaben für jeden Tag), festgelegt, dass ich immer erst ein UVO fertigstricke, bevor ich etwas neues anfangen darf und ab Dienstag gehe ich zum Nähkurs (und Du bist schuld mit Deinen schönen Röcken 😉
    – Simplicity 2475 darf mit)

    Und Annett hilft meistens – spätestens mit “ohne Prosecco”

    Ganz liebe Grüsse und die versprochene Sonne kommt bestimmt auch noch

    Maike

  • Die Idee ist toll, auch für mich: So finde ich schöne Sachen, die ich vielleicht sonst nicht gesehen hätte!
    Ich habe inzwischen auch gelernt, die Freude im Alltag und in den kleinen Dingen zu sehen. Während ich auf den Weltfrieden warte, freue ich mich über einen freien Parkplatz oder dass ich auf der Suche nach einer Frühlingsjacke tatsächlich einen leichten Mantel gefunden habe (weil zum Nähen von so aufwendigen Sachen fehlt immer noch die Zeit, leider).

    Ganz liebe Grüße, Bettina

  • Das Rezept ist die Rettung für mich. Der Gatte hat mal wieder eine Aubergine gekauft und ich weiss nicht, was ich damit machen soll. (gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsgemüse ;)) Ricotta ist doch nichts anderes als Hüttenkäse, oder?

  • Struktur … wer braucht die nicht ? Gelingt mir meistens ganz gut, aber es gibt auch Zeiten, da versinke auch ich im Chaos (inner- und äußerlich). Jeder muss sein eigenes Ding finden, was einem Struktur gibt und wenn Dir die, ich muss sagen, schöne Idee hilft – nur her damit 🙂

  • ohje struktur. wenn du sie gefunden hast, dann schicke sie auch mal bei mir vorbei!
    ich drück dich und da muss ich mal schnell bei brigitte vorbeischauen, das rezept hört sich ja lecker an!
    ganz liebe grüße
    andrea

  • Struktur im Tag haben hier nur die anderen Familienmitglieder und ich darf dafür sorgen das das auch so bleibt. Struktur haben meine Tage wohl erst wieder wenn die Brut aus dem Haus ist. : )
    Ich freu mich auf Samstag!
    Liebe Grüße
    Arlett

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