Was ich so alles tun möchte …!

Es mag durch Altersweisheit entstandene Einsicht sein oder schlicht Resignation mit einem Hauch von Kampfeslust, aber ich muss erkennen, dass ich nicht alles schaffen kann – wenn ich auch mehr schaffen könnte, stünde ich mir nicht oft selbst im Wege.

Ich baue also zur Zeit an dem Internetauftritt meines Wellness- und Kosmetikstudios, das ich – ist es nicht lässig? – zeitgleich von der Idee ins Leben bringe. Mache ich doch mit links. Dabei gehe ich äußerst zielorientiert, den Blick aufs Wesentliche gerichtet, auf meinem Weg voran und lasse mich von selbigem auch nicht abbringen. Beispiel gefällig?

Benötigt wird eine Liege, ich notiere mir VOR dem Erforschen verschiedener Modelle, was mir dabei wichtig ist: Vollelektrisch, drei oder vier Motoren, gut gepolstert, nicht zu schmal und bitte auf mehr als 80 cm hochfahrbar. Dazu den Vermerk: soll mal was anderes sein … und dann schaue ich bei Anbieter A, markiere zwei, wandere zu B, markiere eine, bei C klappe ich entsetzt mein Laptop zu, bei D bekomme ich einen hysterischen Lachanfall und denke, sollte ich diese Liege ernsthaft in Erwägung ziehen, so könne ich bei Weiterverkauf dem Gatten noch immer locker einen Porsche finanzieren. Wandere nach einem stärkenden und kühlenden Milchshake zu E, markiere zwei, setze alles auf eine Liste und vergleiche: Preise, Breite, Höhe, Polsterdicke. Eine bleibt übrig. Die könnte es ja nun sein, wenn nicht eine Stimme (die angeblich Meine gewesen sein muss, vor allem der Gatte bestreitet energisch, er sei sicher nicht so dumm gewesen, mich weiter auf die Jagd zu hetzen) – wenn also nicht eine unbekannte Stimme zu mir gesagt hätte: “So anders oder so besonders ist die ja auch nicht – von wegen wohnlich, einladend und so … Also, ich mein ja nur!!!”

Hmmm, nun ja, also ein Behandlungsstuhl für eine Kosmetikkabine ist sicher keine Schönheit und strahlt eher zupackende Kompetenz denn behagliches Wohlbefinden aus. Nicht, dass wir uns jetzt mißverstehen: Kompetenz ist gut, aber die bringe ich auch mit, ohne dass die Liege es laut in die Welt hinein brüllt. Außerdem jagt mir schon das Wort KosmetikKABINE einen Schauer über den Rücken. Also suche ich weiter, verliebe mich hier, verliebe mich dort, falle spätabends um und schleiche mich im Morgen davon – bis ich SIE fand: Wellness und Kompetenz, lang und breit und hoch und überhaupt und sowieso.

Und so geht es weiter: statt Gewerberaum eins im ersten Stock wird es Gewerberaum zwei im hellen Souterrain, statt Einkaufsstraße gutes Wohngebiet, statt kosmetisch reinweiß wird es wellnessdunkel. Und immer noch suche ich hier, suche da, kann mich entscheiden, mag aber nicht, will alles haben und wundere mich, wo die Zeit bleibt – und nein, ich möchte jetzt NICHT wissen, wie spät es ist. Mein Plan für heute abend, wie für die letzten zwölf Abende, war: etwas fachliches lesen, einen Film schauen (mein Videorecorder ist soooo voll!), etwas stricken und früh schlafen.

Aber ha, ich habe auch Pläne für die hellichten Tage: sowas wie – ähm – Kleid nähen? Schnitt bauen? Gut, ich hatte keinen RV und der ist heute gekommen – und heute haben wir den halben Tag beim Schweden verbracht und geschaut und gekauft und weiter geschaut und gekauft. Nächste Woche erst unterschreibt der Gatte den Mietvertrag – aber da bin ich für vier Tage (VIER! TAGE! OHNE KINDER!! ÜBER NACHT!!!) auf einem Seminar, das ich vielleicht nicht dringendst bräuchte, aber doch dringend genug, um mit gutem Gewissen dorthin zu ziehen. Hat natürlich einen Haken: ich muss bis dahin mein Arbeitskleid genäht haben. Und vorher das Andere fertigstellen – sonst liegt es nächstes Jahr noch da und das will ich nicht. Überhaupt ertrage ich die Blicke und das Getuschel, das gehässige, kaum noch, die von Nähmaschine, Stoff und Wolle mir folgen.

Schlimmer noch: ich habe ganz viele schöne wunderbare Bücher, die ich auch noch vorstellen wollte und einen Pulli, der fast fertig ist und da wären noch MuMos, die nachzuholen wären. Will ich alles, alles machen, aber irgendwie … s.o.

Und nur schnell für die Bonnerinnen unter euch oder wen immer es sonst interessieren mag: Ich minimalstblogge, was sich kosmetisch tut – Aufbau live 😉



1 thought on “Was ich so alles tun möchte …!”

  • Andrea, es wird alles gut. Ach, was, es IST alles gut so wie es ist. Ich für mich kann sagen – als Leserin warte ich bis Du wieder Zeit hast. Hoffe/glaube dass ich nicht einzige bin. Geh Du in die Aussenwelt und mache Deinen Traum zur Realität – nach einigen Wochen, wenn sich alles eingependelt hat wirst Du Dich fragen was Du davor die ganzen Tage getan hast (nicht aus Unwissen oder Übermut, sondern aus Stauenen dass doch so viel in den Tag passt – aber nicht immer, leider).
    Lieben Gruß
    Joanna

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