Weder Kosten noch Mühen

Ja, ich scheue beides nicht, um ein Versprechen des letzten Jahres einzulösen. Ohne die Sicherheit zu haben, dass es nicht zum Vorführeffekt kommen wird … Blamieren wird ja erst öffentlich so richtig schön 😉

Ich bin mit dem zweiten Mantel dieses Winters beschäftigt und beide sind nicht wintertauglich – beim Frühlingsgehabe da draußen aber auch nicht so nötig. Bei Mantel Nummer eins hatte ich mich an das Annähen des Futters ohne einen einzigen Handstich gewagt, obwohl mir sämtliche Anleitungen dazu nebulös waren – von Burda will ich gar nicht reden; diese konnte ich trotzdem sie in meiner Muttersprache vorliegt, nicht nachvollziehen. Alle anderen waren auf Englisch und obwohl es nicht ein Wort gab, dessen Bedeutung mir nicht klar war, war doch der Sinn nicht immer eindeutig. Also sprang ich einfach hinein in das kühle Nass und tat mein Bestes. Und – quelle surprise! – es ging. Ob es mir nun beim zweiten Versuch auch gelingen wird …? Sobald ich weiß, wie etwas geht, baue ich gerne einmal so richtig Mist. Aber dann lernen wir wenigstens alle aus meinen Fehlern, ist das nicht schön? Das würde ich dann unter Kosten abbuchen 😉

Die Graue Traurigkeit ist im übrigen viel weniger weit als sie auf der Puppe wirkt – da durfte sich Gerlinde schon zu recht leise wundern. Nun wird die Graue Traurigkeit zum Zeigemodell: Wie nähe ich ein Mantelfutter ein, ohne hinterher mit der Hand sticheln zu müssen? Weiß man erst wie, so ist es ein Kinderspiel. Mittlerweile habe ich es sogar gewagt, die Halsausschnittblende eines Kleides mit der Maschine am RV anzunähen – geht auch! Könnte noch schöner sein, aber Übung wird mich zum Meister machen. Hoffentlich …

Zunächst einmal muss das Futter entsprechend vorbereitet werden. Stellen wir uns die Mantelhülle vor oder besser noch: sehen wir sie uns an.

Wie immer euer Mantel geschnitten sein mag, aus wie vielen Teilen er sich auch zusammen setzen mag, letzten Endes wird er aus zwei Vorder-, einem Rückenteil und zwei Ärmeln bestehen, die gefüttert werden möchten. Vom Futtervorderteil wird der Beleg abgezogen, ebenso wird das am hinteren Halsausschnitt geschehen, so dass der Mantel von innen so aussehen wird, wenn er vollständig zusammen gesetzt ist:

Und genauso wird auch das Futter vorbereitet, d.h. die Belege und die Saumzugaben werden abgeschnitten. Hat die Mantelhülle also eine Saumzugabe von 4 cm, so ist das Futter um genau diese 4 cm gekürzt. Hier kommt auch – wichtig! – keine extra Nahtzugabe wieder dran. Da hatte ich anfangs lange gegrübelt, aber vielleicht ist euch das von vorne herein klar gewesen 🙂
Auch bei der Mantelhülle sollte man den Saumumfang kontrollieren: ist der Mantel nämlich ausgestellt, dann sollte die Saumzugabe diesen Winkel natürlich nicht weiter führen – bei einem Rock macht das keine Schwierigkeiten, da ich die Mehrweite mit einer Kräuselnaht und einem heißen Bügeleisen einhalten kann. Aber hier will ich Mantelsaum und Futterstoff glatt miteinander verbinden, also achtet bitte darauf, dass Saumzugabe und Bruchlinie exakt gleich lang sind – war das verständlich? Ich bin keine Anleitungsschreiberin, aber getreu meinem Motto: “Wenn ich das kann, könnt ihr das auch!” tue ich wieder einmal mein Bestes.

Heute nachmittag hatte ich endlich Zeit, um weiter voran zu kommen: Als erstes werden Beleg und Futtervorderteil aneinander gesteppt. Wichtig hierbei ist, dass ihr nicht von oben bis unten komplett näht, sondern gut 8 cm vor dem Saum endet – wenn die Saumzugabe 4 cm beträgt. Wenn sie breiter oder schmäler wird, verdoppelt die Zahl einfach. So sieht das aus (und nur für euch habe ich ein farblich abstechendes Garn verwendet, lieb, nicht wahr?):

Der Beleg ist in gleicher Länge wie die Mantelhülle, das Futter um die Saumlänge – bei mir die 4 cm – gekürzt.

Das Ende der Steppnaht ist durch eine Stecknadel markiert – bis hierher und nicht weiter.

So sieht die Naht von beiden Seiten aus. Ich weiß, ihr seid nicht dumm, aber ich zeige absichtlich viele Bilder, da ich selbst bei vielen Anleitungen auf Bildern nicht immer gut erkenne, was getan werden soll. Und wenn es mir so geht, geht es anderen vielleicht ähnlich?

Sieht es so aus, ist es richtig. Als nächstes kümmert ihr euch um die Futterärmel; sie werden genauso genäht und eingesetzt wie jeder andere Ärmel auch. Der einzige Unterschied: an einem Ärmel lasst ihr die Naht in der Mitte gut handbreit offen. Das ist nötig, um Futter und Mantel wenden und fassen zu können.

Mit ein wenig Glück geht es morgen weiter, ich muss nur die Zeit finden. Jetzt bleibt noch euch allen einen wunderbaren Start in dieses neue Jahr zu wünschen und mich für das letzte zu bedanken. 🙂



5 thoughts on “Weder Kosten noch Mühen”

  • Da sage ich doch jetzt schon mal Dankeschön – vielleicht verstehe ich ja dank Deiner Anleitung endlich, wie das funktioniert.
    Andererseits mutiere ich inzwischen zur begeisterten Hand-Näherin, weil viel Trennerei und lange Grübelphasen mind. genau so lange dauern, wie das Füttern mit der Hand…
    Dir ein gutes Jahr 2012,
    Liese

  • @ Liese

    d’accord!
    Und fuer micht gilt (noch immer) mein einst bei Simone
    gemachtes Gestaendnis: leichter unter Kontrolle/Geschwindigkeit zu halten, als mit Fuss-Pedal-Arbeit an der NaehMa 😉 🙂 !

    Habe allerdings schoen langsam den Verdacht, dass Michou in ca. 1 – 2 weiteren Jahren naehtechnischen Fluchens als Lehrerin in diesem Fach arbeiten sollte/koennte: Hat das ‘Maedel’ Beharrlichkeit, Geduld UND Erklaerungsgeschick!

    Liebe Gruesse rundum,
    Gerlinde

  • Sag mir Bescheid, wenn man Kurse buchen kann, ich melde mich dann an. Und sobald Wulfhild nicht mehr so unsinnig viel Stoff am Vorderteil aller meiner Kleidungsstücke verlangt (ungefähr auf Bauchhöhe…), werde ich diese Posts ausgraben und alles geben… 🙂
    Weiter so, Frau Lehrerin, ich habe das Gefühl wirklich was zu lernen!
    Lieben Gruß
    Cati

  • Ich finde es sehr nett, dass Du dein Wissen mit uns teilst. Ich habe bei meinem Mantel ewig gegrübelt, teilweise hat mir eine Ottobre-Anleitung weitergeholfen, die Finnen nähen nämlich ihre Jackenfutter auch nur mit Maschine, ebenso das Futter an Reißverschlüsse, daher greife ich immer gerne zu den Heften. Leider sind es nur Beschreinungen und spärlich bebildert, daher finde ich deine Fotos klasse, je mehr umso besser.
    Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt, ich hatte nämlich zwei schlaflose Nächte als ich über den Übergang Beleg-Futter grübelte und dann hab ich es irgendwie hingepfuscht…

    Gutes Neues Jahr!
    Julia

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