Wieviele brauche ich?

Wieviel von was muss die Frage der aufmerksamen Leserin lauten. Häuser, Männer, Autos, Gärten – eines von jedem reicht mir, Danke. Augen, Ohren, Arme, Beine, Kinder bevorzuge ich paarweise. Sonnentage düften unzählbar sein, Regentage liebe ich aber auch – bei diesem Sommer ist das ein Glück. Aber um all das geht es nicht. Es geht um Röcke und Pullis.

Ganz genau: um GRAUE SCHMALE Röcke und kleine selbstgestrickte (natürlich, was sonst?!?) Vintagepullis. Das Stricken hatte seit dem letzten Herbst ein wenig gelitten; seitdem habe ich nur 6 Pullis gestrickt – noch vor zwei Jahren habe ich einem Dreivierteljahr knapp 20 fertig gestellt. Aber eine Strickerin wird nicht langfristig von ihrem Virus geheilt werden. Stricken ist chronisch. Bei wem es das nicht ist, ist eben keine Strickerin, so einfach ist das 🙂 Und da ich heute morgen den Dauerregen dazu nutzte, meine Pulloverkommode mit frischem Lavendel und Zedernholz zu schützen und die Pullis in eine andere Faltrichtung einzusortieren, habe ich schnell noch Bilder von ihnen genommen:

Und das sind nur diejenigen aus Wolle, die ich leiden mag. Hier nun mag sich die eingangs erwähnte aufmerksame Leserin fragen, ob das nicht eine ausreichende Anzahl an gestrickter Oberbekleidung sei und ob sich der Inhalt meines Lebens nicht besser um den Inhalt des Wäschekorbes hinter mir drehen sollte (oder vielleicht darum, die Kinder aus dem Keller zu lassen – Sandra, das musst du auch gar nicht lassen 😉 ). Aber wäre das nicht unendlich traurig? Wie kreativ ist Wäschefalten und Bügeln schon? Daher darf ich den Neuzugang im Wollfach begrüßen und vorstellen:

Die Anleitung dazu stammt aus den späten Dreißigern und ich war über den relativ tiefen Ausschnitt erstaunt – derlei war mir noch nicht begegnet. Und schrie dieser Schnitt nicht geradezu nach kirschrot? Aber nun findet einmal kirschrot in der gewünschten Garndicke. Es ist ein himbeerrot geworden, wenn es auch vom Hersteller Sublime als redcurrant bezeichnet wird. Die Johannisbeeren, die ich kenne, sind deutlich roter. Aber es ist ein nicht dezenter, bläuliches Rot und da will ich nicht kleinlich sein; wie immer ich es auch bezeichnen will, ich finde es einfach nur lecker!

Für den Ausschnitt wird ein Beleg gestrickt – das Aufnähen ist die Hölle und ist mir nicht perfekt gelungen – der in zwei unterschiedlich langen Osteröhrchen endet. Dieser werden dann mit Knöpfen an die Schulter gesteckt. Neckisch, oder:

Nun sieht dieses Schätzchen zum hellgrauen Rock gar nett aus. Überhaupt passt sehr vieles zu meinem neuen, hellgrauen, schmalen Rock. Ich liebe graue Stoffe: obwohl die Farbe recht unauffällig zu sein scheint, offenbaren manche Stoffe überraschend viel Lebendigkeit. Kaum eine andere Farbe wird so oft in sich gestreift, gesprenkelt, kariert, meliert oder strukturiert wie grau. Und so passiert es mir sehr oft, dass ich, gehe ich ganz zufällig am obersten Stockwerk des Bonner Karstadt oder an einem Tuchstand auf irgendeinem meinen Weg kreuzenden Stoffmarkt vorbei, dass mir ein Coupon solcher Art ins schweifende Auge sticht. Ein Meter Stoff – das hat noch nie jemandem geschadet und auch der Geldbeutel wird nicht übermäßig strapaziert. Ich meine, ein kleines Röckchen kann man immer gebrauchen, oder?
Und so kommt es, dass ich beim Umsortieren von Sommer- und Winterstoffen vor zwei Wochen auf eine etwas höhere Anzahl grauer Wollstoffe gestoßen bin. (Es gibt auch einige Blaue, aber da ist noch Platz nach oben …). Was also liegt näher, als diese Stoffe in eben jene, niemals störenden schmalen Röcke zu verwandeln? Und dabei das Erstellen von Schnitten zu testen? Eben, das ist ein sehr vernünftiger Gedanke, den ich im Begriffe bin, umzusetzen. Wieviele graue Röcke benötige ich nun? Tja …
Da gibt es helle, mittlere und dunkle Grautöne. Töne, die ins Grüne, Braune, Blaue spielen. Melierte, Karierte, Gestreifte. Grob Gewebte, zarte Fließende, fest Umschließende. Es gibt Röcke mit einer, zweien, dreien oder keiner Teilungsnaht. Röcke mit Gehfalte oder gefälteltem Aufsatz. Röcke mit Bund und ohne. Es gibt schlicht unendlich viele Kombinationen. Gemessen daran bewege ich mich in einem völlig harmlosen, ungefährlichen, ja nicht einmal erwähnenswerten Bereich:

Grau-beige-hellblau karierter Baumwollstoff für einen ganz schlichten Rock mit Gehfalte.

Ein Versuch mit einer Wolle-Leinen-Mischung mit Faltenaufsatz über dem rückwärtigen Schlitz in einem mit weißem, unregelmäßig gesponnenem Faden durchzogenen bläulichem Hellgrau (ob diese Mischung wirklich sommertauglich ist, werde ich wohl in 2012 feststellen können)

Anthrazit-hellgrau gewebter weichfallender Wollstoff mit Teilungsnähten und Gehfalte.

Also alle vollkommen unterschiedlich … wieviele graue schmale Röcke braucht ein weiblicher Kleiderschrank also?

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14 thoughts on “Wieviele brauche ich?”

  • Du siehst wirklich umwerfend aus in Deiner neuen Grau/Himbeerrot-Kombi!!! Das ist wahrlich ein ungewöhnlich tiefer Ausschnitt für ein 30-er Jahre Pulloverchen. Aber ich bin begeistert!
    Schmale Röcke kann man nie genug haben … auf meiner Winter-to-sew-Liste stehen auch ein paar … grau und schwarz – die Klassiker halt 🙂

    Christel

  • Also mal ganz ehrlich… ich würde sagen, immer einen mehr, als ich gerade habe! Denn ist es nicht genau wie mit Schuhen – der exakt richtige für diesen Augenblick ist mit Sicherheit nicht dabei… 😉

    Außerdem kann ich mich meiner Vor-Kommentatorin nur anschließen: die Kombination aus himbeerrotem Pulli und grauem Rock steht Dir hervorragend! Ich wünschte ich brächte die Geduld zum stricken auf…

    Viele liebe Grüße,
    Martina

  • Ganz ehrlich? VIELE!! Überhaupt Röcke und Kleider – davon können nicht genug im Schrank einer Frau sein. Und da Grau ja nun mal DIE Farbe des Winters sein wird, muss natürlich auch dringendst in jeder denkbaren Schattierung und Musterung mindestens ein Rock genäht werden. (Auch wenn sich das Verständnis meines Mannes angesichts der Stoffberge inzwischen so langsam verabschiedet… ;-))
    Und Himbeerrot sieht einfach nur lecker dazu aus!
    Liebe Grüße,

    Simone

  • Was für eine tolle Kombination! Also, graue Röcke bei so einer Figur wie Deiner kann man gar nicht genug haben ;-). Ansonsten ist Dein Output an selbstgstrickten und -genähten ATEMBERAUBEND! Beste Grüße, Anke

  • also, ich konnte gar nichts mehr sehen nach dem ich himbeer pulli gesehen habe…
    wie kommt es,dass du so viel grau und blau trägst(ich weiß..,du liebst blau), aber wo ich das gesehen habe.. du brauchst wirklich farbe!
    und himbeer ist definitiv ganz gross geschrieben DEINE farbe! sie macht dich zu einer frau,an den man nciht vorbei geht,sondern den blick nich abwenden kann! der strick an sich natürlich auch ein meisterwerk!
    dieses kombi ist mit abstand das schönste ,was ich bei dir gesehen habe..

  • So viel wie möglich. Und wenn der Herr des Hauses mich endlich mal vermisst kann ich dir nach eifern. Obwohl, dann brauch ich ja auch ganz viele von diesen kleinen Pullöverchen. Na es gibt schlimmeres.
    Übrigends sehr schön der Himbeerpullover.
    LG
    Arlett

  • Ein Traum, ein absoluter Traum! Und ob jetzt Kirschen oder Himbeeren, ist ja beides lecker.
    Aber ich finde dass im Grunde genommen EIN grauer Rock reicht, oder maximal zwei für unterschiedliche Jahrezeiten. Lieber mehr kleine Pullöverchen und kleine Blüschen zum Kombinieren stricken bzw. nähen.
    Ok, du könntest einen 30er Sommerrock, 30er Winterrock, 40er Sommerrock, 40er Winterrock machen. Das wären dann vier. Oder sechs, wenn du die 20er dazunimmst, da sind die Pullover aber länger und weiter 😉

  • Viieele !!! Röcke kann man nie genug haben und Pullis, egal ob kurz oder länger (aber Figurbetont !!) sowieso nicht. Und grau geht immer – kombiniert mit dem Himbeerrot ein echter Hingucker !!
    Klasse siehst du aus 🙂

  • Dein neuer Pulli ist wunderschön. Der fehlte absolut noch in deinem Kleiderschrank. Auch die anderen Pullis sehen sehr schön aus. Ich denke nicht, das Du dir Sorgen wegen eines Zuviel machen solltest. Deine Kleidung wurde zu Deinen Bedingungen gefertigt, daher sind die Sachen alle “sauberer” als die meiste Kaufkleidung. Wenn allerdings der Kleiderschrank krachen sollte, muss man sich über einen zweiten oder daoch Einbauschränke Gedanken machen…
    Ich finde es toll, dass Du wieder Lust zu Nähen hast. Deine Röcke sind super geworden. Ich denke, den Schritt mit der Schnittkonstruktion zu wagen, war/ist eine gute Sache.
    Viele Grüße
    Julia

  • Ich nochmal 🙂 . Ich musste deinen Himbeerpulli unbedingt nochmal anschauen, er ist einfach zu schön und sieht einfach super an dir aus. Das ist absolut “dein” Look.
    Und habe direkt festgestellt, dass ich mal wieder zweideutige Kommentare abgegeben habe. Das mit dem “ein grauer Rock reicht” meinte ich aus Vintage-Sicht. Die Mädels hatten früher halt einen “guten” Rock, fertig. Weil gute Klamotten und gute Stoffe teuer waren und man sich nicht mehr leisten konnte. Aus heutiger Sicht ist es natürlich im Grunde genommen egal, wieviele graue Röcke man besitzt und da du ja nun deinen Grundschnitt hast, wirst du bestimmt viele Abwandlungen ausprobieren wollen. Und da du soviele schöne Strickteilchen hast, die super zu grauen Röcken aussehen: auf geht’s zur Massenproduktion.

    20 Pullover in einem Dreivierteljahr? Boah, das sind ja mehr als 2 pro Monat. Hammer!

  • Regia in kirschrot? Hast du einen Link dazu? Und ich hatte deinen Kommentar gar nicht falsch verstanden – ich habe deine Rechnung dazu konsequent durchgezogen und siehe da, ich könnte noch gaaaaanz viele nähen … kommt nur auf die Zählweise an.
    Habe deine Anleitung nicht vergessen, nur ließ sie sich nicht auf meinem Rechner finden. Bis ich merkte, dass bei der Neuinstallation meines Browsers alles im Temp-Ordner abgelegt wurde … bäh. War der Urlaub schön?

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