Wintermantel 2014

Guten Morgen erst einmal ...
Guten Morgen erst einmal …

Vor langen, langen Jahren fuhr ich mit meiner besten Freundin zum ersten Mal in Urlaub – an die belgische Küste. Wir besuchten Oostende, Brügge, De Panne und Niewport. Nach einer Woche gönnten wir uns noch zwei Tage in Brüssel. Dort gingen wir an einem der Tage in ein italienisches Restaurant in der Freßgasse. Jung und naiv, müde und hungrig griffen wir bei Brot und Wein, die uns als erstes serviert wurden, zu. Bei der Rechnung wunderten wir uns doch sehr, dass wir das Doppelte der Summe zu zahlen hatten, die wir erwartet hatten – Wein und Brot wurden gnadenlos berechnet.
Das alleine hätten wir noch als Erfahrung für unser weiteres Leben verbuchen können, allein: das Brot war trocken, der Wein schal. Dazu das eigentlich bestellte Essen … Fleisch verbrannt, Nudeln matschig, Gemüse verkocht. Und dann noch laute und nervtötende Musik, ewig lange Wartezeiten, unbequeme Stühle und ein schmieriger Kellner. Als wir dieses Etablissement verließen, merkten wir uns Namen und Lage gut, wollten wir doch innerhalb der nächsten Jahre noch einmal nach Brüssel zurück kehren.
Was wir auch taten. Wieder stand uns der Sinn nach Paninni und Pasta und beiden fiel uns sofort der Name des besagten Ristorante ein. Nur: anstatt einen großen Bogen um diesen Schandfleck zu machen, steuerten wir darauf zu und freuten uns gar sehr, es an alter Stelle noch immer stehen zu sehen. Erst als uns von einem schmierigen Kellner altes Brot und billiger Wein auf den Tisch geknallt wurden, erinnerten wir uns, WARUM wir uns diesen Namen gemerkt hatten. Undamenhaft hastig standen wir auf und rannten, was wir konnten.

Weshalb erzähle ich diese rührende Mär?
Nun, vielleicht geht es nur mir so, aber sich etwas zu merken und sich zu merken, weshalb man es nicht vergessen sollte, sind offenbar zweierlei. Denn ganz ähnliches passierte mir – ich erwähnte es am Rande – beim diesjährigen Wintermantel. Ich legte die Gesamtlänge an der hinteren Mitte fest, maß aus, um wieviel Zentimeter ich ab Hüfte überall würde zugeben müssen, zeichnete das hintere Seitenteil und zog dabei die Saumlinie recht schwungvoll übers Ziel hinaus über die ganze Breite des Papiers. Danach begann ich das vordere Seitenteil, stellte fest, dass die bereits vorhandene Linie viel zu tief saß und merkte mir: diese Linie. Ich merkte mir offenbar nicht: diese Linie NICHT VERWENDEN! Was ich dann beim Zuschneiden des Schnittes doch tat, obwohl die wirkliche Saumlinie deutlich sichtbar, deutlich dicker und deutlicher roter vorhanden war. Und übertrug diese neue Länge auch auf die vordere Mitte. Damit nicht genug, maß ich an der viel zu tiefen Saumlinie die endgültige Saumbreite ab. Beim Zusammennähen stand ich entsetzt vor meinem Werk. Das Kürzen des Saums war alles andere als spaßig und als sich dann zum vorletzten Nähtreffen Arlett bereit erklärte, mich abzupusten, stellten wir fest, dass der Stoff offenbar zum Wachsen neigte, denn im Grunde stimmte nun aber auch keine Stelle mehr mit der ursprünglich geplanten und erreichten Länge überein. Schön erkennen ließ sich das am Beleg, der ja verstärkt war und nun gute 5 cm kürzer war anstatt der im Schnitt gezeichneten 2 cm …

Gestern nun beim letzten Nähtreff des Jahres bastelte ich die Gürtelschnalle an den (von Arlett gewendeten :-D) Gürtel und wollte auch das Futter wieder vom Saum lösen – denn der Manteloberstoff hatte sich noch weiter ausgehangen. Auch sitzen beide Taschen jetzt nicht mehr auf der gleichen Höhe – was vor drei oder vier Wochen so auch noch nicht war. Letzten Endes hielten mich Susanne und Arlett von dieser Elendsarbeit ab; das würde mich nicht glücklicher machen und den Oberstoff vielleicht sogar dazu bringen, nun vollkommen ungehemmt bis zum Boden zu wachsen.

mantel214
Trotz all seiner kleinen Fehler und Schwierigkeiten liebe ich diesen Mantel sehr, denn er ist relativ warm, macht eine gute Figur und ist vor allem fast genau so geworden, wie ich ihn mir gewünscht habe: endlich ein Mantel, der die Silhouette der Enddreißiger/Anfangvierziger hat. Auch die Farbe ist wunderschön, natürlich nicht fotografierbar. Überhaupt hätte ich euch gerne gezeigt, wie gut er mir gefällt und wie hübsch er geworden ist, aber – erwähnte ich auch dieses schon einmal – ich und Fotografieren/Fotografiert werden: das wird niemals eine Liebesgeschichte werden. Immerhin bin ich nicht mehr panisch, sobald es klickt, aber spaßig ist doch anders. Doch ich kann sagen, ich habe es versucht:

mantel2014

Entweder die Füße sind abgeschnitten, das Licht nicht ausreichend oder die Lampen zu hell, entweder ich bin zu nah oder zu weit weg, die Kamera zu hoch oder zu tief – irgendwas ist immer, immer ist irgendwas. Vielleicht versuche ich es noch einmal in den nächsten Tagen …



12 thoughts on “Wintermantel 2014”

    • Da sollte ich jetzt auch hin verschwinden …

      Liebstes, wie schön, dich zu treffen, 2015 aber auch wieder real. Ich habe eine Wolle entdeckt, die vielleicht was für dich wäre – zwar 100% Kunstfaser, fühlt sich aber sehr gut an, tolle Farben, sehr weich, sieht ganz wollig aus. Denke seit Wochen, das sollte ich dir sagen, aber du kennst mich ja 🙁

      • Vor Kunstfasern habe ich keine Angst, das weißt Du (or allem nachdem ich festgestellt habe das Viskose/Seide/Kashmir zu gleichen Teilen auch nicht sfür mich ist). Lass mich meine “wichtigen” Termine für Anfang 2015 festlegen und dann machen wir die “unwichtigen” aber viel liebsten :-).

        Dich in dem Mantel in Wirklichkeit zu sehen wäre ein Traum :-).

        Und Pulli ist auch toll.
        Und die Katze.
        Und Frisur!!!
        Nachtisch rundum gelungen.

        • Dann schau mal nach Lang Yarns Omega Baby, ich stricke gerade eine Zopfjacke damit und bin wirklich so angetan, dass ich noch zwei Farben besorgt habe. Vor allem ist es günstig: Ich glaube, unter 3,-€ für 220 m. Es gibt die gleiche Qualität auch noch dicker.

          Mach mal die Termine und dann muss das wirklich wieder klappen mit uns zwei beiden!

  • Kompliment – es ist vollbracht! Gut sieht dein neuer Mantel aus. Du kannst stolz sein – auf den Mantel und dein Durchhaltevermögen.
    Bist du mit deiner neuen Frisur zufrieden?

    • Das mit dem Stolzsein ist bei mir ja nur so mäßig ausgeprägt 😀

      Frisur: ausnahmsweise mal wieder ein heikles Thems. Aber so langsam werden sie länger und lassen sich wieder irgendwie frisieren und wenn ich sie so zurückstecke wie heute, sieht es besser aus. Wenn ich mir auch recht brav vorkomme. Was ich ja auch bin 😀

  • Was es nicht alles gibt, wachsende Stoffe … hatte ich zum Glück noch nicht. Der Mantel ist trotzdem toll geworden! So eine schöne Silhouette! Schmacht! Ich finde das Bild mit der Katze übrigens ganz reizend 😀 … Liebe Grüße, Zuzsa

    • Wegen der Katze gibt es das Bild 😀 Ich saß vorm Rechner, der schwarz wurde und bemerkte sie hinter mir, wie sie mich ganz genau beobachtete – wahrscheinlich versuchte sie, mich zu hypnotisieren …
      Also schnell webcam angeschaltet und gehofft, sie halte so lange still, was sie tat. Und dann dachte ich mir: wenn ich hier schon herum plaudere von längst vergangenen Zeiten, ist es doch viel netter, man sieht die Sprecherin. Et voilà.

      Der graue Mantel ist ebenfalls aus wachsendem Stoff … ich habe zur Zeit mal wieder einen Lauf … unglaublich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Einverstanden

Please leave these two fields as-is:

Protected by Invisible Defender. Showed 403 to 545.315 bad guys.