Wird die Freiheit, sich in einem Rock bewegen zu können, überschätzt?

Stehe ich aufrecht vor dem Spiegel, wende mich sacht hin und her oder bewege mich in meinem häuslichen Umfeld, so neige ich dazu, obige Frage zu bejahen! Laut zu bejahen. Denn ein enger Rock, der nach unten stark eingestellt ist, betont Kurven nicht nur, er holt sie erst hervor, formt sie, zaubert sie herbei, macht die Linien weicher, runder und gestreckter (kleine Einschränkung: das funktioniert so nur mit einem Rock, der nicht -NICHT!- schon über dem Knie endet; er muss unbedingt kniebedeckend sein, damit die Seitenlänge die Hüftbreite ausgleicht, ansonsten entsteht ein Quadrat 😉 )
Einen solchen Rock habe ich hier schon einmal gezeigt:

Yep, mag ich wohl leiden: sieht immer angezogen aus, macht eine gute Figur (auch wo sie nicht sooo sehr vorhanden ist) und lässt sich auch flott nähen. Und ich kann darin kochen, saugen, putzen, dösen, bloggen, nähen, bügeln, Brettspiele spielen und kuscheln. Fein, nicht wahr? Und all diese Sachen tue ich auch – nur sehr selten laufe ich im Haushalt in Turnhosen herum. Ich nähe auch mit hohen Absätzen, geht alles locker. Was nicht locker geht: Schnell mal in den Ort hinunterlaufen, oder sich sonstwie außerhalb der eigenen vier Wände schnell hin-, her- oder weg bewegen. Enge Röcke verlangen nach hohen Schuhen. Enge Röcke beschränken die Schrittlänge schon auf Mitte der Oberschenkel – wenn sie wirklich wie angegossen sitzen sollen. Zusammen mit den hohen Absätzen fühlen sich besagte, eingeschränkte Oberschenkel ganz, ganz schnell sehr wackelig an; wackelig von der Anstrengung, irgendwie vorwärts zu kommen … und je schneller das geschehen soll, umso mehr beginnt das große Zittern. Gibt es hier einen Kompromiss? Jein. Wie immer: jein. Grrrr ….

Das Drama des engen Rockes beginnt im Sommer für mich schon mit der Suche nach einem geeigneten Stoff: zu dehnbar, zu dünn, zu knittrig, zu wollig – das soll er alles nicht sein. Auch nicht zu glänzend, zu aufgerauht, zu gemustert, zu knallig, zu langweilig. All das soll er nicht sein, aus diversen Gründen: von ungünstig für die Figur bis falsche Farbe, von zu empfindlich bis zu ungepflegt will jedes Kriterium ein Mitspracherecht eingeräumt wissen. Schwierig. Am Sonntag nun war ich auf dem Godesberger Stoffmarkt und fand – wieder einmal – einen blau-weiß-gestreiften Stoff, der jeansartig sich anfühlte und nicht elastisch war. Muss ich zugreifen. Wie immer bei blau-weißen Streifen. Die Eine oder Andere mag sich nun verblüfft fragen, wo denn eigentlich die daraus enstandenen Kleidungsstücke abgeblieben sein mögen? Ich habe einfach kein Händchen für meinen Lieblingsstoff, immer, immer, immer geht etwas schief! Aber Nachschub ist da, irgendwann wird es noch werden, bestimmt!
Besagter Stoff stellte sich dann als Druck heraus und als alles andere als jeansfest. Will sagen: das Ding hält die Form kaum und knittert wie ein wildgewordenens Mutterschweinchen. Der Kompromiss bestand beim Schnitt darin, auf Kniehöhe lediglich 1,5 cm einzustellen (summa summarum also 6 cm rundum) und dafür den Bund auf 2,5 cm über Taille hoch zu ziehen, um die Hüfte zumindest von oben sanfter zu formen. Und wie finde ich meinen Kompromiss? Hmmnaja … ein Jein, so kann man wohl sagen. Ob das aber am Schnitt oder allein am Stoff liegt?

Jetzt darf sich die geneigte Leserin/Betrachterin fragen, ob es denn nicht möglich gewesen wäre, den Rock für das Bild zu bügeln. Ich darf daraufhin geneigter Dame antworten, dass ich selbiges getan habe – nur musste ich mich noch einmal setzen, um die Schuhe zu schließen. Dieses halbminütige Niedersetzen führt schon zu den zu sehenden Falten – und zur noch zu zeigenden Ausbeulung an anderen Stellen, die beim Sitzen besonders beansprucht werden. Das stellte ich leider alles erst fest, nachdem ich 6 Knöpfe mühsamst durch den sehr festen Stoff hindurch angenäht hatte – will sagen: das Ding wird jetzt auch getragen …!

Von der Seite finde ich mich ja unerträglich scheußlich, kostet mich also echt etwas, solche Bilder zu zeigen – aber dieses Mal geht es so einigermaßen. Aber 30sekündiges Sitzen – wird also vielleicht das Sitzen überschätzt??? Stehen gepflegte Damen immer nur herum? Außer an Straßenecken, natürlich …

Es knittert, es knittert, es knittert immer mehr und wenn’s genug geknittert hat, dann beult es noch schön aus 😉

Aber so im Ganzen könnte das ein Kompromiss sein, mit dem man leben kann. Obwohl – so einen kleinen Ticken enger nach unten hin …?



11 thoughts on “Wird die Freiheit, sich in einem Rock bewegen zu können, überschätzt?”

  • Hallo Michou,
    ich bin gerade vor meinem geistigen Auge meine Sommerröcke durchgegangen, da ist auch nichts knitterfreies dabei. Das einzige, was mir einfiel war “Cool Wool”, Stoffe mit stark gezwirnten Garnen. Habe ich allerdings für den Sommer auch noch nie genäht, denn ich finde Wolle, auch die feinste, geht über 25 Grad gar nicht. Lass es ruhig knittern, außer uns kritischen Schneiderinnen sieht das eh kein Mensch :-). Ansonsten, ist der Rock sehr schick, gerne unten auch noch ein bisschen enger! Beste Grüße Anke

  • Dein Rock sieht super aus, will sagen, die ganze Frau. Du hast eine top Figur, die sieht im Rock, so wie der geschnitten und genäht ist, einfach toll aus. Kleider sind auch schön, natürlich, aber Dein Rock, der gibt Dir das gewisse Etwas.
    Schöne Grüße, Sieglinde

  • In Deinem Fall finde ich die Knitter nicht schlimm – es ist ein toller Rock und er steht Dir ganz hervorragend. Unten noch etwas enger, ja vielleicht, aber es sieht so wie es ist super aus und sportlich elegant wegen der Knöpfe. Gemäßigte Knitter bei solchen Röcke empfinde ich charmant, weil sie zeigen, dass mit dem Rock gelebt wird, nicht nur dass ein Sektglas im Stehen auf der Party gehalten wird….LG Kuestensocke

  • Auf dem ersten Foto siehst du einfach umwerfend aus!!!! Darf ich fragen, was das für ein Pulli ist?
    Liebe Grüße
    Abendstern
    P.S. Ich laufe zu Hause auch nie in alten Schlabbersachen rum; so einen Anblick möchte ich mir und meinem Mann ersparen…
    ich trage immer nur Kleider….

  • Ach mei, ja das knittert halt ein wenig, das wäre mir gar nicht aufgefallen und stört gar nicht. Der Rock steht dir prima und ja unten gerne noch ein wenig enger…(undichhättejadieKnöpfmitwenigerAbstandgenäht)

    Sieht super aus und bestärkt mich in meiner neuen Masche im Kleid und Rock Hausarbeit zu machen, großartig!

    Gruß Ute

  • @ Abendstern

    schau mal hier durch, da ist der Pulli und auch die Anleitung zu finden: https://plus.google.com/photos/117918859130955570430/albums/5600511030140333777

    @ Küstensocke und Ute

    Der Rock knittert so schon nach nur einmal kurz hinsetzen – das mit den 30 Sekunden war nicht übertrieben. Wie der aussieht, wenn ich damit einmal im Auto war und 30mal treppauf, treppab war …. na, immer noch schöner als im Jogginganzug 😉

    Die Knöpfe wollte ich mit dem vorderen Abnäher verbinden, damit einem beim Daraufschauen nicht gar so schwindelig wird – da war der Abstand quasi vorgegeben. Aber ich weiß, was du meinst – ich habe auch überlegt, ob es nicht näher zur Mitte hin besser aussähe. Das nächste Mal 🙂

    @ alle

    Also unten ruhig ein bißchen enger, gut, wird am Schnitt geändert und beim nächsten Rock getestet. Sollte ich dann nicht laufen können, kommt eine von euch vorbei und saugt ein wenig, richtig? 😀

  • Hallo, ich stimme Dir da zu. Ich machen auch Haus und Gartenarbeit nie in Schlabberhosen. Nur wenn ich todkrank den ganzen Tag im Bett liege sieht man mich auch mal in einer Nickyhose. Nun gut, zum renovieren ziehe ich mich auch um.
    Den Rock finde ich wunderschön. Er sieht meinem Lieblingsrock sehr ähnlich durch die doppelte Knopfleiste. Dieser ist nur gekauft, aber ich habe den festen Vorsatz diesen nachzunähen. Leider habe ich noch kein Schnittmuster mit so einer echten doppelten Knopfleiste vorn und Taschen gesehen.
    Zur Not kannst Du ja für bessere Beweglichkeit hinten einen Schlitz einnähen.
    LG

  • Wirklich toll! Sehr stillvoll (trotz Knitterfalten ;)), für mich hier allerdings vollkommen unpraktikabel. Dafür krabbel ich zZ noch zu oft hinter einem Baby hinterher, da sind weite Röcke eindeutig praktischer.

    Vor ein paar Jahren habe ich allerdings auch fast nichts anderes getragen als enge, lange Röcke. Da wurde der Sprit zur Strassenbahn und das anschliessende Einsteigen zur Herausforderung 😉

    Hast du mal versucht, den Schlitz höher zusetzen? Das würde dir etwas mehr Bewegungsfreiheit geben und du könntest die Seiten tatsächlich noch ein klein wenig einstellen.

    LG Lucia

  • Ohne deine Text gelesen zu haben dachte ich mir das ist ein schöner Rock.
    Aber nach dem lesen des Textes verstehe ich was du meinst. Mich würde das Geknitter auch ärgern. Aber mal ehrlich, wer außer uns schneidernden Hausfrauen und Müttern merkt das schon?
    Bei mir finden übrigens auch alle anfallenden Haus- und Gartenarbeiten im gepflegten Outfit statt. Das sorgt zwar ab und zu für Verwirrung bei den Nachbarn, aber das ist mir herzlich egal. Schlabberoutfit`s gibt es nur bei Krankheit.
    Liebe Grüße
    Arlett

  • Ich beneide Dich immer um Deine Figur und um die Weiblichkeit, die Du nähend drumrum drapierst! Und das im Alltag mit Garten und Kindern, unglaublich! Mir ist das oft zuviel und ich greife zum Bequemen, anstatt den figurbetonenden Rock zum Kinderwagen zu kombinieren. Also: danke für’s Zeigen, dass das doch alles so geht 🙂

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