ZKJ März – Blue Monday on a grey Wednesday

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Allen Widerständen zum Trotz bin ich immerhin fertig geworden mit dem Märzkleid: Maschine war auf Reisen, Stoff dehnt sich abwechselnd nach unten, oben, links und rechts und das Wetter … ich sitze in eine Decke gewickelt und tippe mit frostigen Fingern. Frühling geht anders, aber ich erinnere mich nur dunkel.

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Wie so oft bin ich nur semi-glücklich mit dem Ergebnis, was von verschiedenen Faktoren abhängt (keiner davon ist meine Mäkeligkeit, das halten wir gleich mal fest). Da wäre erst einmal der Schnitt: das Rockteil dürfte, müsste weiter sein; der Bootausschnitt vorne höher und hinten tiefer und für meinen Rücken finde ich zur Achsel geneigte Teilungsnähte nicht ideal. Nun könntet ihr mit Recht sagen: “Ähm, wie, am Schnitt meckern? Machst du doch selbst!”
Ich gebe zu, da habt ihr recht. Nur darf man (ich, ihr, alle) nicht vergessen, dass ich das soooo lange nicht tue und mich dann immer wieder einmal von einem oder mehreren meiner gedruckten Ratgeber dazu verleiten lassen, es genau so zu machen, wie es mir gezeigt wird. Und das funktioniert immer dann nicht, wenn mir eine feste Formel vorgegeben wird. Für den ausgestellten, aufgedrehten Rock bräuchte ich mehr Weite als die vorgeschlagenen 7,5 cm (was sicher daran liegt, dass meine Röcke länger sind) – da habe ich nicht nachgedacht. Genauso am Bootausschnitt: ein ganz entzückendes Buch aus den Dreißigern gab mir hier eine Senkung von 2,5 cm vor – für mich viel zu tief, dadurch wird er fast dreieckig. Dann habe ich auch nicht bedacht, dass mein hinterer Halsausschnitt etwas höher als in den meisten Schnitten vorgesehen ist – ich friere da so leicht, möchte meine Blusenkragen hoch anliegend haben und vergesse immer wieder, ihn für den Sommer zu senken. Ergebnis: ausbalanciert ist anders; es entsteht der Eindruck eines verzogenen, nach unten gerutschten Halsausschnittes.

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Die zweite Schwierigkeit war der Stoff – ein Poly-Viskose-Gabardine von Stoffe Tetik. Die Farbauswahl ist im Blaubereich deutlich schöner als bei der Viskose-Gabardine vom Roten Faden; auch ist der Stoff dünner und fällt schöner, nicht so sehr schwer. Qualitativ ist er im mittleren Segment angesiedelt, bügelt sich gut, vernäht sich brav, franst recht flott, aber nicht unendlich – also durchaus annehmbar. Aber entweder habe ich kein Händchen für elastische Gabardinestoffe oder sie verhalten sich alle so: nach dem Zuschnitt wachsen sie, vor allem in die Länge. Das Kleid war nahezu beendet, als bei einer weiteren Anprobe alles schlotterte: die Taille saß auf einmal einen Zentimeter zu tief und das Oberteil war rundum etwa drei Zentimeter zu weit. Auch der Halsausschnitt dehnte sich trotz Sicherungsstich. Also wieder trennen und kürzen und verschmälern. Nun sitzt die Taille ein wenig zu hoch und wirft dennoch hinten Falten, je nachdem, wie ich mich drehe. Manchmal beult er nach außen (wie auf den seitlichen Fotos), manchmal sitzt er sogar glatt (davon gibt es kein Bild, bin ja kein geduldiger Tierfotograf…) Ein Stoff, der lebt und das nach eigenen Regeln.

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Damit nicht genug, habe ich im letzten Schritt noch Mist gebaut: der linke Ärmel sitzt wunderbar – auch dank der Erkenntnis, dass ich es bislang mit dem nach vorne drehen des Ärmels (für meine nach vorne geneigten Armkugeln) übertrieben habe: um einen Zentimeter nach hinten gedreht sitzt er nahezu faltenfrei – wüchse der Stoff hier nicht auch … Nach dieser wunderbaren Erkenntnis habe ich den rechten sofort richtig eingenäht, was auch schön saß. Bis auf die fette Falte, die ich mir hinein gebastelt hatte und es nicht bemerkte – geschuldet der abendlichen Dämmerung und dem morgendlichen Huschhusch, schnell die Nahtzugabe trimmen und versäubern. Wenn ich nicht mit einem fransenden Stoff und dem Trenner im 4mm-Bereich Schiffbruch erleiden will, werde ich damit leben müssen. Leider zieht diese Falte den Ärmel zu weit nach hinten und er nimmt dann gleich das Oberteil mit.

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Was man auf den Bildern gar nicht sehen kann, sind die doppelten Teilungsnähte – die ich nicht noch einmal verwenden werde, wirkt etwas wie eine Amazonenuniform. Amazone ist gut, Uniform eher nicht – und die schöne Farbe. Auch, dass das Kleid in der Bewegung eigentlich doch ganz nett ist, geht unter. Davon abgesehen trägt es sich sehr bequem und ist damit ein perfektes Hauskleid. Und gelernt habe ich wieder etwas: Rock weiter aufdrehen ist an mir schöner als ein wenig an der Seitennaht anmalen. Bootausschnitt darf bei mir höher und am schönsten: Ich habe meine Ärmel theoretisch endlich im Griff.

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15 thoughts on “ZKJ März – Blue Monday on a grey Wednesday”

  • Ich finde es.sehr sehr hübsch und sehr sehr kleidsam. die Farbe steht Dir ausgezeichnet.
    Und alles andere sind doch Kleinigkeiten die Du nonchalant weglächelst…!
    Tolles Kleid.
    Grüße
    Stella

  • und es ist trotzdem ein schönes kleid. hättest du ein probekleid genäht, dann hättest du die ganzen kritikpunkte verschwinden lassen können (duckundrennweg).
    blau ist einfach deine farbe und nun bin ich auf dein aprilkleid gespannt
    liebe grüße
    andrea

    • Das wirst du nicht erleben 😉 Aber in dem Fall hätte es nur den Ausschnitt gerettet – dass der Stoff so eigensinnig ist, ist mein größtes Problem. Und dann hätte ich mich noch mehr geärgert.

      Und Aprilkleid??? Öhm, äh – jetzt warten wir erst mal auf die anderen Märzkleider. Eines will ich ja noch in den nächsten Tagen schaffen und dann tausche ich das Märzkleid vielleicht noch mal aus.

  • Schöne Frau, schönes Kleid, schöne Schuhe!
    Und nicht zu vergessen, ein lustiges Gesicht 😉
    Du hast natürlich Recht, das meckern spielt sich wirklich auf hohem Niveau ab; das Kleid sieht sehr, sehr schön aus! Von dem, was du über Schnittkonstruktion geschrieben hast, verstehe ich wie immer gar nichts, bewundere deine Fähigkeiten aber maßlos… Unglaublich, was du da immer bastelst. Chapeau!

    Liebe Grüße 🙂

    • Die Schuhe sind viel schöner als auf dem Bild 🙂 Ich finde dennoch, das ist an den Möglichkeiten vorbei. Aber die Idee des Kleides gefällt mir und auch die gebogenen Ärmelchen. Wenn ich noch mal SCHÖNEN blauen Stoff finde, werde ich noch mal basteln.

  • Ich finde auch, dass es “trotzdem” ein sehr schönes kleidsames Kleid ist.
    Die meisten deiner Kritelpunkte habe doch auch mit Erfahrung zu tun. Schnittkonstruktion und Modulation ist eingentlich etwas für einen Schneidermeister und nun überleg mal, wieviel Jahre Berufserfahrung der in der Regel hat, bis er zur Prüfung zugelassen wird 😉

    Den hinteren Halsausschnitt könntest du doch auch nachträglich etwas nach unten setzen, oder?

    Liebe Grüsse Lucia

    PS: Bei einem aufgedrehten Rock orientiere ich mich eher daran, wieviel Saumweite ich haben will. Dazu kannst du dir das Massband in einem Kreis auf den Boden legen, damit du eine ungefähre Vorstellung bekommst. An die Seitennähte zeichne ich dann einfach die fehlende Weite an, denn die allgemeine Aussage 7.5cm ist schon sehr ungenau, da es eben auch sehr stark auf den Hüfte-Taillen-Unterschied ankommt. Verstehst du was ich meine?

    • Habe ich auch drüber nachgedacht, den hinteren Ausschnitt zu senken, aber letztendlich bin ich mit dem Kleid so leidlich zufrieden und der Mehraufwand würde das eigentlich nicht merklich verändern. So habe ich was gelernt und habe ein Beispiel vor Augen, wie ich es nicht möchte.
      Auf den Bildern sieht es aber auch noch mal schlimmer aus als in Wirklichkeit, vor allem auch, weil ich die Arme auf den Rücken gedreht habe. Keine Ahnung, warum … hatte einfach keine Fotolaune, befürchte ich 😉

      • Nachdem ich heute im Dauerlauf zwischen diversen Kinderbetreuungsstätten und dem Kinderarzt hin- und hergehechtet bin, hatte ich auch keine Fotolaune mehr, deshalb gibt es das Strickkleid auch erst später 😉
        Das hat übrigens auch einen U-Bootausschnitt und du wirst nicht glauben, wie oft ich den schon verhunzt habe. Eigentlich ist es ja recht simple, aber ich fang dann gerne an hier ein wenig wegzuschnippeln und dann dort und irgendwann ist es eben zuviel 😉

        Die Farbkarte müsste eigentlich diese Woche ankommen, damit du deinen Blauvorrat an nicht-elastischem Crepe auffüllen kannst.

        Ich schick mal ein wenig Frühling zu euch da “oben” 😉

  • ich gehöre auch zu denen die Dein Kleid für gelungen halten! Ich mag vor allem das Oberteil!

    liebe Grüße aus dem Schnee-und-Nebelland (ich werde nicht über das Wetter meckern… ich werde nicht über das Wetter meckern … etc. etc. 😉 )

    • Seltsam, auf den Bildern mag ich es gar nicht, außerdem sehe ich aus, als bestünde ich nur aus Busen und Beinen – nicht gerade mein Ideal 🙁 Aber wir haben immerhin keinen Schnee hier in Bonn.

      Ich muss die Tage mit Steve reden, wann wir können; er muss mal schauen, dass er vor den Ferien noch erfährt, wann er wieder wo zu sein hat. Aber sonntags muss er nur sehr selten los.

      Los, Liebste, näh jetzt was – was schönes. Bitte 🙂

  • Ich sehe Deine Kritikpunkte entweder nicht oder höchstens nachdm Du sie detailliert beschrieben hast. ich finde das Kleid sehrr schön und Du sieht auch sehr schön aus. Die Farbe ist toll und echt ist blau DEINS. Es ist eigentlich ncith viel oder? , den Auschnitt vorn sehe ich von der Seite, ja, aber sonst: Super! Und wenn Du sagst, auf den Foto kommt es nicht so hübsch rüber, dann darfst Du damit wohl nur mit Burka raus, sonst hagelt es Pfiffe. Was ist an Busen und Beinen schlecht? Ich sehe sie, sie sehen zauberhaft aus, na und? Stimmt doch alles!
    Lg, Sabine

  • Liebe Michou,
    Erstmal: ich finde das Kleid sehr kleidsam. Schade, dass es das zu sehr betont, was Du nicht so betont haben willst. Aber als Haus-und Waschkleid ist es doch perfekt. 😉 Ich hatte bei meinem Rock auch nicht die Länge bedacht, denn er sollte eigentlich mehr schwingen. Ich verstehe Dich da sehr gut, wenn Du es schon selbst konstruierst. Und schreib nicht wieder basteln. Wie? Es schneit in Bonn nicht? Hier den ganzen Tag. Und zu allem Übel liege ich hier mit Fieber und Schüttelfrost, nichts mit Nähen im kühlen Nähzimmer, dabei sieht mein Märzkleid schon fast fertig aus. Dir eine gute Nacht und eine warme Decke! LG aus der vermeintlichen Toskana von Deutschland

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