Zwölf Kleider hat das Jahr – Februar – so unentschlossen …

Constanze ist wunderbar vorgeprescht und das brachte mich doch wirklich dazu, den seit Tagen fertigen Schnitt endlich auf den Stoff zu legen und fest zu stecken. Und damit nicht genug, nein: ich habe sogar drumherum in den Stoff geschnitten! Ja, so viel Tatendrang, so viel Motivation, so viel Energie ist man nicht mehr von mir gewohnt und ich sank danach erschöpft auf das Sofa.

Heute vormittag musste ich meinen Tatendrang mühsam in allen Ecken des Hauses zusammen suchen und erst gegen 11:00 begann ich mit dem Stecken der Rockbahnen, dem Markieren des Rückenteiles und wahrhaftig mit dem Nähen. Es ist eine lahme Angelegenheit: ich habe Ideen en masse, kann kaum aufhören, Stoffe zu sammeln – kaufen ist ja so ein harsches Wort und mindert meine Tätigkeit, irgendwie. Mein Portemonnaie auch … – und will alles mögliche im Schrank haben. Der notwendige Schritt dazwischen erfordert noch immer mehr Energie als erhofft.
Gut, Schnitt war am Dienstag fertig (Letzter Woche! Nicht gestern!) und ich habe von 11:00 – 15:30 mich durchgebissen und bin so weit zufrieden. Clever wäre es gewesen, in all den Ruhephasen zwischen Idee und Beginn mal zu überprüfen, ob es beispielsweise einen passenden Reißverschluß im Fach gab. Oder den Stoff zu waschen. Hätte dann ja fast so ausgesehen, als wollte ich wirklich ran. À propos Stoff: sollte einer ein taubenblauer Crêpe über den Weg laufen, der keine Heimat hat – bitte gerne hier. So blieb es für dieses Kleid bei Dunkelblau, immer in der Hoffnung, meinen Dunkelblau-Fluch endgültig zu überwinden. Lasst mich nichts weiter sagen, es ist ein Elend.

Das Schwierigste bis jetzt war das Finden der Idee. Ist Februar nicht ein elender Monat? Da lebe ich das ganze restliche Jahr in Panik vor einer Wiederkehr des Januars, der mir als der längste, kälteste und gemeinste Monat erscheint, was nur erträglich wird durch die Tatsache, es wird langsam wieder heller und falle dabei immer wieder auf den Februar herein, der so flott und scheinbar hoffnungsfroh um die Ecke gesaust kommt – hey, es sind nur 28 Tage und an Karneval war es doch auch schon mal warm und im März haben wir schon mal draußen gesessen und ja, dieses Jahr, gerade letzte Woche hatte es 16 Grad und Vogelgezwitscher. Februar ist quasi nur ein anderes Wort für FRÜHLING! Was also lag näher, als das Februarkleid den geänderten Wetterbedingungen anzupassen? Fand ich hochmotivierend und nachdem ich im Herbst mich zur Kleiderfüttertante habe konvertieren lassen, war klar: “Jetzt reicht es, habe ich keine Lust drauf. Punkt!” Blöd, dass es dann wieder anfangen musste zu schneien. Ich finde, man muss sich nicht jeder geänderten Wetterlage anpassen. Zumal der Crêpe, der eine Mischung aus Viskose und Wolle sein soll, sehr weich ist – einen Stoff, der so hautfreundlich ist, mit einem kühlen und rutschigen Futter zu verschandeln, ist nicht erlaubt, Es wird noch wärmer, gewiß.

Aber was sollte es werden? Der Stoff hat einen besonders weichen Fall und eignet sich gut für Kräuselungen. Da ich gerne Schnitte mit Miederteil bastele und vom Januarkleid (der dunkelblaue Fluch mal wieder) einen gar nicht schlechten Ärmel habe, der sich sicher gut weiter entwickeln lassen würde und dazu Constanzes Januarkleid und das Hochzeitskleid von Wallis Simpson in meiner Vorstellung eines wurden, kam ein Schnitt heraus, der mir hoffentlich stehen wird: relativ hohes Miederteil, die Abnäher plus insgesamt 8 cm Mehrweite bilden die Drapierungen an Brust und Hals, Ärmel werden in Kellerfältchen gelegt und das Rockteil ist einfach der Basisrock, dem ich die Abnäher zugedreht habe. Leider habe ich kein Bild von einer Schnittzeichnung für euch, aber oh Wunder und oh Schande: ein Bild vom bisherigen Stand, an der Puppe, nicht an mir – so ohne Reißverschluss …

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Was nun unbedingt noch fehlt, wäre a) Energie und b) Widerstandskraft. Widerstand gegen all die Süßigkeiten und Nüsse und Brotaufstriche dieser Welt, die sich zwischen Taille und Hüfte ablagern – ich will keine Schnitte ändern! Ich will 500 g weniger – das macht viel weniger Arbeit. Hätte ich Energie und Widerstandskraft …



7 thoughts on “Zwölf Kleider hat das Jahr – Februar – so unentschlossen …”

  • das sieht schon richtig vielversprechend aus!
    da bist du doch schon weiter als ich, denn ich muss den schnitt noch abändern und neu ausdrucken.
    das wird ein unglaublich schönes kleid (ich weiß das!)
    liebe grüße
    andrea

    • Also ich finde da bist Du doch schon richtig weit. Ich befinde mich immer noch in der Planungs- und Planwiederumschmeißphase. Täglich ändere ich meine Meinung und bin mir immer noch nicht sicher, was ich überhaupt nähen werde. Nur, warm wird es werden, denn obwohl ich kaum erwarten kann, sommerlich luftige Kleider zu nähen, ist es wohl sinnvoller, mir Frostbeule noch was kuscheliges zu verpassen.

      Liebe Grüße
      Tina

  • Das sieht doch schon super aus! Das wird garantiert die Bezwingung des Dunkelblau 😉
    Lieben Gruß aus dem ebenfalls verschneiten Aachen,
    Cati

  • Ja, das wird gut! Wenn du so weitermachst, bist du doch vor Simone fertig! Also los!
    Ich ruhe noch bis zum Wochenende und stricke noch ein wenig 🙂

  • Au, …. das sieht schonmal verdammt gut und vielversprechend aus. Die Wallis-Interpretation gefällt mir echt gut … jetzt versteh ich auch das Taubenblau ;-).

    Bin schon auf´s Ergebnis gespannt.

    Und tröste Dich … seit zwei Tagen bin ich mit bleiener Schwere gestraft und hab mich allen ernstes gefragt, ob das schon der Beginn der Frühjahrsmüdigkeit ist.

    Grüßle Steffi

  • Ich bin auf die Tragefotos gespannt, der erste Eindruck sieht auf jeden Fall sehr vielversprechend aus.
    Welche Ansprüche stellst du den an den taubenblauen Crepe? Muss es Wolle sein, oder geht auch Poliester? Eher dicker und wärmer für den Winter oder lieber eine “Sommerqualität”? Ich könnte nämlich mal die Augen offen halten, wenn in den nächsten Wochen die Stoffvertretter ihre neusten Kollektionen präsentieren.
    (das sich in meinem Vorrat 3m taubenblauer Seidencrepe befinden erzähl ich lieber nicht 😉 Abgeben kann ich den leider nicht, weil daraus irgendwann mal ein Kleid für mich werden soll)

    LG Lucia

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